Drei Männer sollen einem Mithäftling schmerzhafte Abreibung verpasst haben
Maskierter Angriff im Gefängnis

Symbolbild: dpa

Auf den Gängen des Amtsgerichts hätte fast der Eindruck entstehen können, als fände dort ein Treffen von Polizeibeamten statt. Doch ihre Anwesenheit hatte einen amtlichen Hintergrund. Sie mussten Gefangene eskortieren, die als Angeklagte und Zeugen vor die Justiz zitiert worden waren.

Zwei Tage verhandelt

Zwei Prozesstage lang verhandelte Amtsrichterin Julia Taubmann einen Fall, der von heftiger Brutalität gekennzeichnet war. Er hatte sich in der Justizvollzugsanstalt Amberg zugetragen und konnte - um das Urteil vorweg zu nehmen - letztlich nicht geklärt werden. An einem Wochenende drangen drei Männer in die Zelle eines Mithäftlings vor und verpassten ihm, wie es im Jargon heißt, eine schmerzhafte Abreibung.

Am ganzen Körper

Blaue Flecken am ganzen Körper und malträtiert womöglich deshalb, weil der 30-Jährige Vorteil daraus geschöpft hatte, als er bei amtlichen Befragungen Angaben gegen andere Verdächtige machte. Eine Art Rachefeldzug also, gestartet aus Gründen der Maßregelung gegenüber jemandem, der nicht "dicht" hielt? Das Problem bei der Beweisaufnahme war nun: Die drei Angreifer hatten sich blaue Anstaltskleidung angezogen und ihre Gesichter vermummt. Im Sitzungssaal stellte sich jetzt die Frage, ob es sich bei den drei Ausführenden der Attacke tatsächlich um die drei wegen mutmaßlich gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank sitzenden Männer handelte.

Die in Handschellen vorgeführten und zwischenzeitlich in andere bayerische Haftanstalten verlegten Häftlinge bestritten das. Sie hätten, so wurde unterstrichen, nichts mit dem gewaltsamen Übergriff zu tun. Kam hinzu, dass der Geschädigte erst nach etlichen Tagen den Vorfall anstaltsintern mitteilte. Vernommene Wachbeamte hatten offenbar zum Tatzeitpunkt an dem besagten Wochenende nichts wahrgenommen.

Jeweils Freispruch

Die nach dem Vorkommnis in andere bayerische Gefängnisse verlegten mutmaßlichen Täter wurden wegen Unbeweisbarkeit freigesprochen. Für diesen Ausgang des Verfahrens hatten auch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger plädiert. Denn im Rechtsstaat gilt: Wer angeklagt ist, muss zweifelsfrei überführt sein. Verdachtsmomente genügen nicht.
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