Dreikönigssymposium widmet sich der Wiederbelebung
Reanimation rettet Menschenleben

Auch für Laien ist es wichtig, die Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beherrschen. Viele Hilfsorganisationen bieten an, an Phantomen zu trainieren, wie ein Mensch nach einem Herzstillstand reanimiert wird. Bild: Steinbacher

Amberg/Schwandorf. Rund 100 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzstillstand - sofortige Reanimation rettet vielen von ihnen das Leben. Dieses wichtige Thema steht im Mittelpunkt des fünften "Dreikönigssymposiums" für Rettungsdienst- und Leitstellenpersonal sowie Notfallmediziner.

Für den ZRF-Verein Amberg, ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg, organisieren Marc Bigalke, Privatdozent Dr. Torsten Birkholz und Privatdozent Dr. Michael Dittmar diese ganztägige Fortbildung am Samstag, 14. Januar, ab 9 Uhr in der Oberpfalzhalle Schwandorf. Die drei Anästhesisten waren bis Ende Juli als Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) im Amt und hatten 2013 das "Dreikönigssymposium" ins Leben gerufen.

Oberpfälzer Referenten

Heuer widmen sich die Organisatoren der kardiopulmonalen Reanimation, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung auch genannt wird. Marc Bigalke freut sich, dass dazu Referenten aus Kliniken in Regensburg, Weiden, Würzburg und Oberviechtach gewonnen wurden. Das Programm behandelt das komplette Spektrum der Wiederbelebung - von mechanischen Reanimationshilfen über Herz-Lungen-Maschinen bis hin zur ärztlichen Leichenschau, dem "letzten Dienst am Patienten".

Denn trotz moderner Medizin ist nicht jede Reanimation erfolgreich, kann nicht jedes Leben gerettet werden. "Da geht es darum, den Leichnam zu untersuchen, um ja nichts zu übersehen, was auf eine unnatürliche Todesursache hindeuten könnte", erklärt Marc Bigalke.

Die Vorkehrungen zur Versorgung von Patienten mit Kreislaufstillstand werden immer besser. Hier sind Ersthelferprogramme, Defibrillatoren im öffentlichen Raum, die Telefonreanimation (also die Anleitung von Ersthelfern durch geschultes Personal inden Leitstellen), optimale Rettungsdienstausstattung und hohe Anforderungen an die aufnehmenden Kliniken zu nennen.

Zu der Fortbildung haben sich bislang rund 100 Teilnehmer angemeldet, Mitarbeiter des Rettungsdienstes genauso wie Leitstellenpersonal und Notärzte. "Sie kommen aus der gesamten Oberpfalz", freut sich der Anästhesist aus Amberg über die Resonanz. Er schätzt, dass rund 150 Interessierte zum "Dreikönigssymposium" in die Schwandorfer Oberpfalzhalle kommen werden. Auch verschiedene Hilfsorganisationen, die im Rettungsdienst tätig sind, unterstützen diese ganztägige Fortbildung.


Drei Fragen an Dr. Torsten Birkholz

Privatdozent Dr. Torsten Birkholz erklärt, wie wichtig rasche Hilfe nach einem Herzstillstand ist. Der Leitende Notarzt arbeitet hauptberuflich als Oberarzt der Anästhesie am Uniklinikum Erlangen, war bis Ende Juli einer der drei Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) im Rettungdienstbereich Amberg und ist Mitorganisator des Symposiums.
Wie lange ist eine Reanimation nach einem Herzstillstand noch möglich oder sinnvoll?
Dr. Torsten Birkholz: Nach dem Eintritt eines Kreislaufstillstandes nimmt die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung innerhalb von wenigen Minuten dramatisch ab – es ist das zeitkritischste Krankheitsbild in der Medizin. Nach fünf Minuten ohne Durchblutung ist das Hirn oft unwiederbringlich geschädigt, wenn keine einfachen Maßnahmen – eine Herzdruckmassage – ergriffen werden. Der Rettungsdienst kann innerhalb fünf Minuten in der Regel nicht vor Ort sein. Ob eine Wiederbelebung noch sinnvoll ist, können Laien nicht sicher beurteilen – es gilt „Prüfen – Rufen – Drücken“ (Bewusstsein und Atmung prüfen, Hilfe rufen, Herzdruckmassage beginnen).
Die zuständige medizinische Fachgesellschaft hat die von der Bundesregierung unterstützte Aktion EinLebenRetten – 100proReanimation (www.einlebenretten.de) für eine verbesserte Laienreanimation ins Leben gerufen. Laienreanimation, die Hilfeleistung am Nächsten, macht das Überleben zumeist überhaupt erst möglich.
Hier ist vor allem auf die Hilfeleistung in der Familie abzuheben – die meisten Ereignisse finden im häuslichen Umfeld statt. Und: Auch Senioren können Herzdruckmassagen durchführen.
Wodurch haben sich die Überlebenschancen für wiederbelebte Patienten in den vergangenen zehn Jahren verbessert?
In den vergangenen zehn Jahren wurden bei der medizinischen Versorgung einige entscheidende Fortschritte gemacht. So wurde durch Kühlungstherapie und Temperaturregulierung in der Intensivtherapie die Chancen auf eine gute Hirnfunktion nach einem Kreislaufstillstand verbessert. Die unmittelbare Verfügbarkeit eines Herzkatheterlabors und einer qualitativ hochwertigen Intensivtherapie wirken sich positiv auf das Überleben aus.
Die Standardisierung und der Qualitätsanspruch bei den Maßnahmen zur Wiederbelebung haben merklich zugenommen. Trotzdem hat der Herzkreislaufstillstand noch eine vergleichsweise schlechte Überlebensprognose. Die Erkennung durch Laien bereitet Schwierigkeiten, und die Bereitschaft zur Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen war insbesondere in Deutschland lange gering. In den letzten Jahren war ein Anstieg der Ersthelferreanimationen zu verzeichnen. 2016 waren es im Deutschen Reanimationsregister rund 35 Prozent. Noch sind andere Länder – Skandinavien mit bis zu 60 Prozent – führend. Weiterhin ist die telefonische Anleitung zur Laienreanimation durch die Mitarbeiter der Leitstellen (Telefonreanimation) in unserem Bereich erfolgreich eingeführt. Kernaufgabe ist es allerdings, Wiederbelebung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und selbstverständlich zu machen.
Wie viele Reanimationen gab es 2016 in unserem Bereich?
Wie viele Wiederbelebungen im Rettungsdienstbereich Amberg (Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf und Stadt Amberg) sich 2016 tatsächlich ereigneten, ist unbekannt. Wir hoffen, dass durch die landesweite Einsatzdatendokumentation bald auch diese Registerdaten erhoben werden können. Die Häufigkeiten sind regional unterschiedlich. Legt man Mittelwerte der deutschen Registerdaten aus 2016 zugrunde, ist im Rettungsdienstbereich (290 000 Einwohner) außerhalb von Klinken von 300 Kreislaufstillständen und über 150 versuchten Wiederbelebungen im Jahr auszugehen.




Das ProgrammDas fünfte Dreikönigssymposium läuft am Samstag, 14. Januar, von 9 bis 15.30 Uhr im Konrad-Max-Kunz-Saal der Oberpfalzhalle in Schwandorf. Im ersten Vortrag "Wenn der Funke nicht überspringt ..." widmet sich Dr. Christian Glöckner, Chefarzt für Innere Medizin der Asklepios-Klinik Oberviechtach den Schrittmacher-Fehlfunktionen.

Im Anschluss stellt Privatdozent Dr. Karl-Peter Ittner (Oberarzt der Anästhesie-Abteilung am Uniklinikum Regensburg) die Frage, ob Medikamente während der Reanimation unerlässlich oder überflüssig sind. Nach einer kurzen Kaffeepause widmet sich Professor Dr. Robert Schwinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Weiden im Hauptvortrag der Postreanimationsbehandlung: "Von Kühlen, Kathetern & Co". Nach der Mittagspause beginnt um 13.30 Uhr der dritte und letzte Block mit folgenden Themen: "Mechanische CPR: Wann ,hol den Lucas'?" (Privatdozent Dr. Torsten Birkholz, Oberarzt der Anästhesie am Uniklinikum Erlangen und Mitorganisator), "Extrakorporale Zirkulation: Jetzt geht's rund!" (Dr. Dirk Lunz, Oberarzt der Anästhesie an der Uniklinik Regensburg), "Der außergewöhnliche Fall" (Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg) und "Leichenschau: Grundlagen und praktische Durchführung" (Dr. Thomas Tatschner vom Institut für Rechtsmedizin der Uni Würzburg). (san)
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