05.04.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Dritter Traumatag des Klinikums St. Marien Versorgung abseits der Routine

Ein Unfall mit zwei leicht und einem schwer Verletzten auf der Autobahn: Nach der Versorgung durch Ersthelfer beginnt die Arbeit der Profis. Für Rettungsdienst, Notarzt und Feuerwehr ist dies immer anders: Mal müssen Senioren versorgt werden, mal Kinder, mal eine schwangere Frau.

Auf dem OTH-Campus führte die Amberger Feuerwehr die Oslo-Methode vor. Bei dieser Rettungstechnik wird das verunglückte Auto vorne und hinten an Ketten gehängt und von einer Seilwinde auseinandergezogen, um Eingeklemmte retten zu können. Bilder: exb (2)
von Externer BeitragProfil

"Deshalb haben wir uns für den Traumatag die Themenschwerpunkte Versorgung von geriatrischen Patienten, Schwangeren und Kindern vorgenommen", erläuterte Organisator Marc Bigalke, der die Notaufnahme am Klinikum St. Marien leitet. Franz Hierl, Brandamtmann der Berufsfeuerwehr Ingolstadt, stellte die Oslo-Methode vor. Dr. Winfried Glaser, Anästhesist am Klinikum St. Marien, beschäftigte sich mit der Wirkung gerinnungshemmender Medikamente und damit, wie sich diese auf die Behandlung von schwerstverletzten, älteren Patienten auswirken können. Oberärztin Dr. Ines Erhardt, die die Geburtshilfe am Klinikum leitet, sprach zum Thema "Die schwerverletzte Schwangere. Ein oder zwei Patienten? Schockraumversorgung am Klinikum St. Marien Amberg".

Für die Versorgung von werdenden Müttern sei es wichtig, dass Fachabteilungen wie Gynäkologie, Pädiatrie oder Neurochirurgie an einem Klinik-Standort vorhanden sind. Das spare wertvolle Zeit bei der Versorgung der Schwerstverletzten. Dr. Thomas Papathemelis, Leitender Oberarzt der Frauenklinik, referierte über den Notkaiserschnitt an der Unfallstelle. Der sei in manchen Fällen nicht nur wichtig, um das Kind zu retten - er steigere unter bestimmten Voraussetzungen auch die Überlebenswahrscheinlichkeit der Mutter, weil das ungeborene Kind im Bauch Gefäße der Mutter abdrücken könne.

Professor Dr. Dr. Peter Schmittenbecher, Direktor der kinderchirurgischen Klinik am städtischen Klinikum Karlsruhe, sprach über die Versorgung schwerstverletzter Kinder. Extrem wichtig sei, sie in einem Traumazentrum zu versorgen. Dr. Andreas Fiedler, Chefarzt der Kinderklinik von St. Marien Amberg, erklärte, dass Kinder einen sehr hohen Flüssigkeitsumsatz haben. Oft treten bei ihnen Volumenmangelzustände ein. Daher sei neben der Versorgung mit Sauerstoff die ausreichende Volumengabe mit isotoner kristalloider Lösung besonders wichtig.

Vorführungen, Ausstellung und Workshops

In der Mittagspause führte eine Gruppe um Oberarzt Jens Schlör (Klinikum Amberg) die Trauma-Reanimation vor, die Feuerwehr Amberg demonstrierte die Oslo-Methode im Außenbereich der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH).

Die Feuerwehr Sulzbach hatte eine Ausstellung zur Dekontamination von Verletzten organisiert. "Auch an so etwas müssen wir in Zeiten verschiedener Terroranschläge denken", erklärte Organisator Marc Bigalke, der die Notaufnahme von St. Marien leitet. "Schaut man sich die derzeitige politische Lage an, ist das Thema Dekontamination hochaktuell." Neben den Vorträgen standen für die Teilnehmer des Traumatages am Nachmittag noch Workshops (Reanimation von Kindern und Trauma-Reanimation) auf dem Programm.

Organisiert wurde der dritte Traumatag wieder vom Klinikum St. Marien und dem Traumazentrum am Klinikum. Unterstützung gab es vom Traumanetzwerk Ostbayern und der OTH Amberg-Weiden. Bigalkes Dank galt allen, die die Verantwortlichen bei der Organisation unterstützt hatten. Dazu gehörte auch die BRK-Bereitschaft Amberg II, die für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt hatte.

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