11.05.2018 - 10:24 Uhr
Oberpfalz

Drogenprozess: Reger Handel in Asylbewerberheim: Auch der Lieferant muss ins Gefängnis

Amberg/Weiden. Dieser Handel mit Cannabisprodukten ist eng verzahnt. Er fliegt erst auf, als ein im Amberger Asylbewerberheim untergebrachter Iraker (40) festgenommen wird und vor der Polizei seinen Lieferanten nennt. Dieser aus Syrien stammende Mann (23) muss nun ebenfalls längere Zeit hinter Gitter.

Foto: Volker Hartmann/dpa
von Autor HWOProfil

Abdul, wie ihn seine Kunden nannten, saß Mitte März vor dem Amberger Landgericht. Der Iraker hatte im Asylbewerberheim an der Kümmersbrucker Straße über einen längeren Zeitraum hinweg mit Haschisch gehandelt. Er konnte sich auf jugendliche Kunden stützen, die aus der Stadt und dem näheren Umland kamen. Sie kauften gerne bei ihm ein, um einen Joint zu drehen. Abdul hatte offensichtlich immer Ware.

Lange unentdeckt

Die Deals blieben lange unentdeckt. Doch dann, nach einer Polizeiaktion, wanderte der Iraker in Untersuchungshaft. Dort nannte er seinen Lieferanten, der mit ihm damals für einige Zeit unter dem gleichen Dach lebte. Es handelte sich um einen heute 23-jährigen Syrer, der später nach Weiden ging und dort angeblich bei einer Verwandten unterkam, wie zu erfahren war.

Abdul nannte sowohl die Abnehmer als auch seine Quelle, die im Hinblick auf Haschisch ständig sprudelte. Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts aber mochte sich der 40-Jährige plötzlich nicht mehr an seinen Lieferanten erinnern. Den Hintergrund konnte man nur vermuten: Er war nach seiner Festnahme ins gleiche Gefängnis eingeliefert worden, in das auch der Mann aus Syrien gekommen war. Denn gegen ihn hatte die Weidener Kriminalpolizei umfangreich nach Abduls niedergeschriebenen Angaben ermittelt. Drohungen standen im Raum. Zum Schluss des Prozesses wurde es in Amberg eng für Abdul. Er knickte ein und bekam, weil er den Hintermann offenbart hatte, lediglich drei Jahre. "Ansonsten", hieß es im Urteil, "wäre die Strafe höher ausgefallen".

Kiloweise Haschisch

Vor dem Weidener Landgericht hat man nun gegen den syrischen Asylbewerber verhandelt. Dort ging es um knapp drei Kilo Haschisch und 150 Ecstasy-Tabletten. Deutlich wurde: Nach seiner Zeit in Amberg, die sich über viele Monate der Jahre 2016 und 2017 erstreckte, hatte der junge Mann auch im Raum Weiden sofort mit dem Drogenhandel begonnen.

Rund 80 einzelne Deals standen in den Unterlagen. Abud, wie sie ihn nannten, bekam monatlich 350 Euro an Sozialleistungen. Mit den Drogengeschäften in Amberg und Weiden besserte er sein Einkommen wesentlich auf. Vor der Ersten Strafkammer in Weiden legte er ein Geständnis ab und erklärte, seine Mutter und zwei Schwestern hätten finanzielle Unterstützung von ihm erwartet.

Drei Jahre und elf Monate

Der Syrer bekam drei Jahre und elf Monate Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre beantragt. In seinem Plädoyer sagte Verteidiger Gunther Haberl (Schwandorf): "Er war nicht der einzige, der im Amberger Asylbewerberheim mit Drogen handelte". Richtig: Auch Abdul ist unterdessen abgeurteilt. Und dazu noch ein anderer Araber. Der aber bekam von Amberger Richtern mittlerweile eine Bewährungsstrafe.

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