10.11.2017 - 13:24 Uhr
Oberpfalz

Durchschnittliche Lebenserwartung nur 75,5 Jahre: Amberger Männer sterben zu früh

Die Männer sind in Amberg immer noch die Sorgenkinder der Gesundheitsberichterstattung. Sie sterben zu früh - statistisch betrachtet. Dagegen hilft aber ein Umzug nichts, außer er stellt gleich den ganzen Lebenswandel auf den Kopf. "Erhöhte Männersterblichkeit in unserer Region im bayernweiten Vergleich" lauten die dürren Worte, die dieses Phänomen beschreiben.

Viele Krankheiten hängen mit dem Lebensstil zusammen. In Amberg ist die durchschnittliche Lebenserwartung nur 75,5 Jahre.
von Markus Müller Kontakt Profil

Sie stehen im Bericht "Gesundheit in der Region - auf einen Blick", dessen Erstauflage von 2012 Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey jetzt aktualisiert hat.

Im Landkreis besser

Die niedrigere Lebenserwartung der Männer in Amberg ist nicht neu, Brey weist schon seit Jahren darauf hin. Das Gesundheitsamt hat sich um mehr männerspezifische Prävention bemüht, durch Aktionen auf einem Wertstoffhof oder bei Gesundheitstagen. Allein: Ein messbarer Erfolg bleibt aus. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Amberger Männer ist seit 2012 nur minimal angestiegen - auf 75,5 Jahre. Der Landesdurchschnitt liegt bei 78,8. Die Männer im Landkreis kommen dem deutlich näher, sie sterben im Schnitt erst mit 77,8 Jahren. Bei den Frauen gibt es eine ähnliche Diskrepanz: Für die Ambergerinnen ist im Schnitt das Leben schon mit 80 Jahren zu Ende. Die Amberg-Sulzbacherinnen dagegen kommen mit 82,8 Jahren fast an den Bayern-Wert von 83,1 heran.

Woran liegt's, dass woanders die Leute älter werden? Dass man außerhalb von Amberg gesünder lebt, ist eine sicher zutreffende Erklärung, aber sie geht nicht tief genug, denn sie führt zu der nächsten Frage: Warum denn? Hier kommen die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren ins Spiel - und ihre Auswirkungen auf die Gesundheitsindikatoren. Konkret schreibt Brey: "Niedrigere Bildung, prekäre Beschäftigung und niedriges Einkommen sind erhebliche Risikofaktoren für die Gesundheit." Der Einfluss der sozialen Lage bis in die regionalen Unterschiede der Sterblichkeit hinein sei bekannt und durch Studien bestätigt. Und: "Amberg schneidet bei einigen wichtigen Sozialindikatoren wie Arbeitslosen- und Armutsquoten schlechter ab als der Landkreis und Bayern gesamt."

Arzt macht Mut

Brey macht den Ambergern aber auch Mut: "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sollte auf lange Sicht zu einer Steigerung der Lebenserwartung führen, ebenso wie die zurückgehenden Raucherquoten." Diese Wirkung des Rauchens leitet er nicht zuletzt von den Zahlen zu Krebserkrankungen ab: "Lungenkrebserkrankungs- und Sterberaten sind bei den Amberger Männern und Frauen deutlich erhöht im Vergleich zu den bayerischen Durchschnittswerten."

Einen Zusammenhang mit dem Rauchen sieht der Medizinaldirektor zudem bei den in unserer Region erhöhten Herzinfarkt-Krankenhausfällen. Neben Lungenkrebs werden für Amberg/Amberg-Sulzbach (wie in Ostbayern insgesamt) vergleichsweise viele Krebserkrankungen des Dick- und Mastdarms gemeldet. Nach Breys Einschätzung hängt das nicht zuletzt mit dem Lebensstil zusammen, also speziell ungesunder Ernährung oder zu wenig Bewegung.

Das Positive

Das Gesundheitsprofil der Region weist nicht nur negative Aspekte auf:

Seit einigen Jahren ist ein Anstieg bei den Geburten zu beobachten, vor allem in Amberg.

In Amberg ist die Säuglingssterblichkeit sehr niedrig.

Im Landkreis treten vergleichsweise wenige vorzeitige (unter 65 Jahren) Todesfälle bei Frauen auf.

Im Gegensatz zum Herzinfarkt sind in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach keine überdurchschnittlichen Schlaganfallraten zu verzeichnen.

Der Anteil stark übergewichtiger Kinder bei der Einschulungsuntersuchung liegt in unserer Region im Bereich des bayerischen Durchschnitts. Dieser ist entgegen dem weltweiten Trend rückläufig.

Kinder werden bei uns zuverlässig und besser als in Südbayern gegen Masern geimpft.

Die medizinische Versorgung unserer Region - ambulant, stationär, Apotheken - ist gut, die Verlaufsentwicklung gibt keine Hinweise auf die befürchtete Verschlechterung der ambulanten ärztlichen Betreuung infolge des Haus- und Fachärztemangels auf dem Land. (ll)

Lungenkrebserkrankungs- und Sterberaten sind bei den Amberger Männern und Frauen deutlich erhöht.Dr. Roland Brey

 

 

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