Ehefrau erstochen: Schwurgericht erkennt auf Totschlag [Aktualisierung]
Elf Jahre Haft für 48-Jährigen

Der Angeklagte spricht mit seinem Verteidiger Michael Schüll (rechts). (Foto: dpa)

Er ist kein Mörder. Trotzdem traf das Urteil den Angeklagten wie ein
Keulenschlag: Wegen Totschlags, begangen an seiner 31 Jahre alten Ehefrau, muss ein Arbeiter aus Wernberg-Köblitz elf Jahre in Haft. Das Amberger Schwurgericht zog damit den finalen Strich unter ein Familiendrama, das blutig endete.

Die Tat musste juristisch eingeordnet werden. Ein äußerst schwieriges Unterfangen für die Richter. War es Mord, als die aus Thailand stammende Frau in einem engen Dachraum mit sechs Messerstichen getötet wurde? Oder Totschlag, weil letztlich die Mordmerkmale fehlten?

Das Schwurgericht beriet über Stunden hinweg. Lebenslänglich hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, auf fünf Jahre Haft die Verteidigung plädiert. Die unter Vorsitz von Rowitha Stöber tagende Strafkammer verschaffte sich ihr eigenes Bild von dem Übergriff, der am 20. März dieses Jahres das Leben einer Mutter von zwei Kindern auslöschte. "Es bestand Tötungsabsicht", attestierten die Richter dem auf der Anklagebank sitzenden Ehemann des Opfers. "Doch es war kein Mord", wurde hinzugefügt. Wegen Totschlags erhielt der in diesem Moment sichtlich konsternierte Beschuldigte elf Jahre Haft. Mit einer solchen Strafhöhe hatten weder er noch sein Anwalt Michael Schüll gerechnet.

Keine Anhaltspunkte für Mord

Nach dreitägiger Beweisaufnahme sah Richterin Stöber in ihrer Urteilsbegründung keine Anhaltspunkte für das Mordmerkmal der Heimtücke, sie verneinte auch das Ausnutzen von Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers.
Die mit ihrem Partner zehn Jahre verheiratete Frau habe kurz vor dem Verbrechen zum wiederholten Mal dazu angesetzt, ihre Koffer zu packen und mitsamt beider Kinder auszuziehen. Dazu sei sie in einen engen Dachraum gegangen.

Was sich dort zutrug, schilderte die Schwurgerichtsvorsitzende so: "Der Mann nahm ein Keramikmesser aus der Küche mit, folgte ihr die Treppe hinauf." Zuvor habe der 48-Jährige in der Küche des Wohnhauses zwei Ohrfeigen von der 31-Jährigen Frau aus Thailand erhalten. Als man sich dann gegenüberstand, habe sie gewusst, "dass es diesmal nicht so sein wird wie sonst und dass er nicht zurückstecken würde. Sie erkannte, dass er Ernst machen wollte." Von daher, so die Vorsitzende, entfalle das Ausnutzen von Arglosigkeit. Zudem habe sich das Opfer gewehrt, dem Partner einen Stoß versetzt.

Kindern die Mutter genommen

Kein Mord also. "Aber man muss den hohen Rang menschlichen Lebens sehen", ließ Roswitha Stöber anklingen. Allein schon von daher komme kein minderschwerer Fall des Totschlags in Betracht. Mit spürbarem Entsetzen kreidete sie dem Arbeiter an, "dass sich nur wenige Meter weiter seine beiden Kinder aufhielten." Eine Tochter im Babyalter und der sechsjährige Sohn. "Er hat mitbekommen, was sich zwischen Vater und Mutter zutrug." Das werde der Junge zeitlebens nie vergessen können. Schlichtweg unvorstellbar mit anhören zu müssen, wie er nach dem Tod der Frau in einem bei der Rettungsleitstelle eingegangenen Notruf verzweifelt "Mama, Mama!" gerufen habe.

Das Verbrechen von Wernberg-Köblitz (Kreis Schwandorf), hieß es weiter in der Begründung, sei unzweifelhaft "eine spontane und vorher nicht geplante Tat gewesen." Gleichwohl aber habe der Mann seinen Kindern die Mutter genommen. "Jemanden, den sie dringend brauchten."

Alle Artikel zur Bluttat in Wernberg finden Sie unter www.onetz.de/themen/bluttat-in-wernberg
2 Kommentare
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Konrad Huber aus Hahnbach | 08.12.2016 | 13:43  
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 08.12.2016 | 14:22  
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