Ein Nachmittag bei der Polizei in Amberg
Mit Sicherheit keine Routine

Auf geht es zum nächsten Einsatz: Polizeiobermeisterin Stefanie Amann und ihr Kollege Polizeimeister Patrick Holland fahren auf Streife. Bilder: Wilcke (2)
 
Wenn es bei der Polizei klingelt, geht er ans Telefon: Fabian Wolf (links) bespricht einen Einsatz mit Polizeioberkommissar Achim Kuchenbecker.

Bei kaum einem Beruf liegen Freude und Hilfe so nah bei Tragik und Gewalt: Polizeibeamte haben einen abwechslungsreichen Job. Einen Nachmittag lang haben sich die Mitarbeiter der Polizeiinspektion Amberg über die Schulter schauen lassen.

Tatort Kümmersbrucker Straße 1a: Hinter der Fassade aus Ziegelsteinen arbeiten die Beschäftigten der Polizeiinspektion Amberg. Sie sorgen an sieben Tagen pro Woche, 24 Stunden am Tag für die Sicherheit in der Region. Und die ist ganz schön groß: Sie reicht im Norden bis Massenricht bei Ehenfeld, im Süden bis Emhof, im Osten bis Schnaittenbach und im Westen bis Kastl. Die Stadt Amberg gehört freilich auch dazu - das macht etwa 90 000 Einwohner.

Einer von ihnen ist Fabian Wolf. Der 31-jährige Beamte sitzt an diesem Nachmittag an einer Art Knotenpunkt der Polizeiinspektion. Er und ein weiterer Kollege nehmen an einem großen Schreibtisch mit drei Monitoren und einer Funkanlage die Notrufe von draußen an. Die Anrufe bei der Dienststelle laufen hier auf. Vor Wolf sind Mikrofone, Lautsprecher und noch weitere Telefone aufgebaut. Eines davon hat ständige Verbindung zur Polizeieinsatzzentrale in Regensburg, wo Anrufe des Notrufs 110 ankommen.

Einbrecher im Keller

15.20 Uhr, einer der Apparate klingelt. Ein Mann aus der Nähe von Schnaittenbach fürchtet sich: Der ältere Herr in der Leitung erklärt, dass er ein Geräusch in seinem Keller wahrgenommen hat. Er habe im Garten gearbeitet. Als er zurückkam, sei die Haustür geschlossen gewesen. Nun vermutet er einen ungebetenen Gast in seinem Haus. Er traue sich aber nicht, selbst nachzusehen. Wolf notiert sich die Nummer des Schnaittenbachers und schickt zwei Streifen - eine zivile und eine uniformierte - zu ihm. "Es kann nur eine Katze im Keller sein, natürlich kann auch ein Einbrecher am Werk sein", erklärt der Polizist. "Wir nehmen jeden Hinweis ernst. Routine darf da nicht einkehren."

Die zivile Streife fährt auch deshalb nach Schnaittenbach, weil die möglichen Einbrecher durch das blaue Einsatzfahrzeug aufgeschreckt werden könnten. Etwa eine Viertelstunde später meldet sich eine Kollegin aus Schnaittenbach in der Polizeiinspektion. Tatsächlich haben die Beamten Spuren gefunden, die darauf schließen lassen, dass jemand im Haus war. "Allerdings war der Unbekannte schon weg", sagt Wolf. Die Polizisten vor Ort versuchen nun unter anderem, Spuren an der Türklinke zu sichern. "Vielleicht führen uns diese Spuren mit einem Abgleich in der Datenbank zu dem Unbekannten", erklärt der Funksprecher.

Apropos Zivilbeamte: Wieder klingelt das Telefon. Diesmal berichtet eine Frau, dass ihr heute von Beamten an der Haustür Bilder von gesuchten Personen gezeigt wurden. Sie will wissen, ob die Polizisten echt waren. "Auch solche Anrufe nehmen wir sehr ernst", sagt Wolf. "Schließlich gibt es derzeit genügend Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben." Der 31-Jährige kann die Anruferin beruhigen - tatsächlich waren Kollegen am Vormittag in der Nähe.

Mangelnder Respekt

Wolf mag seinen Beruf. "Draußen ist es aber noch schöner. Denn es ist toll, Kontakt mit Menschen zu haben und zu helfen." Letztlich seien das auch die Gründe gewesen, warum er sich für eine Polizistenlaufbahn entschieden habe. "Ich gehe hier jeden Tag mit Spaß und Freude rein. Und das, obwohl man nicht immer der Gute bei den Menschen draußen ist. Leider fehlt immer häufiger bei manchen der Respekt vor Polizisten", bemängelt er.

Gewalt gegen Einsatzkräfte, das kritisiert auch der Chef der Amberger Inspektion, Polizeidirektor Robert Hausmann. Oft sei es der übermäßige Alkoholkonsum der Menschen, der den Anstand vergessen lasse. "Dabei wünschen wir uns, dass eine solche Situation erst gar nicht entsteht." Wer sich aber so gar nicht zu benehmen weiß, der landet im Keller der Polizeiinspektion: in der Arrestzelle. Damit soll verhindert werden, dass diese Personen sich selbst oder anderen Schaden zufügen. "Die Zellen sind übers Wochenende teilweise gut belegt", sagt Hausmann. Die spartanisch eingerichteten Räume mit abwaschbaren Fliesen, die bis zur Decke reichen, machen schnell wieder vernünftig. "Vielen tut es leid, was sie gemacht haben, wenn sie wieder nüchtern sind."

Wesentlich freundlicher sieht es indes für die Besucher der Inspektion ein Stockwerk weiter oben aus: Wer eine Anzeige aufgeben muss, weil er seinen Führerschein verloren hat, oder weil jemand etwas beschädigt hat, sitzt erst im neuen Wartebereich und trifft dann auf die Beamten in der Wache. Präsent und ansprechbar wolle die Polizei für ihre Bürger sein, sagt Hausmann. "Man muss nicht nervös sein, wenn man kommt. Es gibt keinen Sachverhalt, über den man sich nicht unterhalten kann."

Polizei-NachwuchsDie bayerische Polizei feiert heuer einen Einstellungsrekord. Laut Innenminister Joachim Herrmann sind zum 1. März 963 Polizisten neu eingestellt worden. Im Herbst werden zusätzlich mehr als 800 weitere Nachwuchspolizisten folgen, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Trotz der hohen Einstellungszahlen ist es Herrmann wichtig: "Wir werden unsere Nachwuchsbeamten weiterhin auf höchstem Niveau ausbilden."

Im Frühjahr haben 28 junge Beamte ihre Ausbildung im Bereich der Polizeiinspektion Amberg aufgenommen, erklärt der hiesige Einstellungsberater Jörg Pfab. Laut dem Polizeihauptkommissar liegen die Vorteile einer Ausbildung auf der Hand: Sie biete die Sicherheit einer Beamtenlaufbahn, die Arbeit sei sehr abwechslungsreich, die Arbeitszeit wegen des Schichtbetriebs flexibel und "man weiß nie, was einen erwartet", sagt Pfab. "Mir ist es passiert, dass ich eine Schwangere mit Wehen und Blaulicht ins Krankenhaus begleitet habe, bis hin zum Überbringen von Todesnachrichten." Damit lerne man umzugehen. "Wer gerne mit Menschen zu tun hat, der ist absolut richtig bei der Polizei." Die Bewerbungsfrist für den Einstellungstermin März 2019 läuft im Übrigen noch bis 30. April. Mehr Informationen gibt Jörg Pfab, unter Telefon 09621/890 305.
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