28.03.2017 - 11:38 Uhr
Oberpfalz

Einer der Straftäter von Schmidmühlen sitzt schon: Coup im Golfclub bleibt straflos

Wie kann es sein, dass jemand, der bei einem schadensträchtigen Einbruch mit dabei war, straflos davonkommt? Möglich ist das nur dann, wenn der Täter wegen anderer Verurteilungen noch mehrere Jahre hinter Gittern zubringen muss.

Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Amberg-Sulzbach. Der schmächtige und eher unscheinbare 23-Jährige ist ein Krimineller. Er hat eine Reihe von Vorstrafen und wurde im Juni vergangenen Jahres vom Landgericht Landshut zu knapp fünf Jahren Haft wegen räuberischer Erpressung verurteilt. Diese Strafe sitzt er nun in einer schwäbischen Vollzugsanstalt ab, lernt dort einen Handwerksberuf und hat wohl kaum eine Chance, vorzeitig entlassen zu werden.

Am Montag brachten ihn Zivilbeamte nach Amberg vor das Jugendschöffengericht. Der Grund: Hier stand für den aus dem Raum München stammenden Mann noch eine Rechnung offen. Es ging um einen spektakulären Einbruch beim Golf- und Landclub Schmidmühlen, der sich am Wochenende vor Weihnachten im Jahr 2015 ereignete.

Wie die Berserker

Die zunächst unbekannten Täter waren zur Winterzeit hinauf in das auf einer Anhöhe liegende Clubheim gekommen und hatten sich dort aufgeführt wie die Berserker. Sie drangen mit brachialer Gewalt vor und richteten dabei einen Sachschaden von über 12 000 Euro an.

Bei dem nächtlichen Beutezug nahmen sie einen zwei Zentner schweren Tresor mit. Daraus resultierte eine weiterer Schaden von rund 8000 Euro. Ob der entwendete Safe wieder gefunden wurde und welche Rolle der nun vor Richter Peter Jung geführte 23-Jährige dabei spielte, wurde im Prozess nicht näher erörtert. Sehr knapp äußerte Jung zu Beginn: "Es dürfte wohl zu einer Verurteilung kommen."

Fällt nicht ins Gewicht

Dieser vor dem eigentlichen Geschehen nur teilweise aufgezogene Vorhang aber schloss sich anschließend sofort wieder. Denn Staatsanwältin Christina Altenhofen stellte einen Antrag nach Paragraf 154. Er besagt: Wenn jemand noch längere Zeit hinter Gittern vor sich hat, kann es sein, dass eine weitere Ahndung nicht mehr gravierend ins Gewicht fällt.

So blieb für die Öffentlichkeit in den Einzelheiten ungeklärt, was sich kurz vor Ende 2015 droben auf dem Berg bei Schmidmühlen genau abgespielt hat. Fest stand nur: Der 23-Jährige war am Einbruch beteiligt. Die Rechtsanwälte Berthold Menacher (Taufkirchen) und Michael Schüll (Amberg) stimmten einer Verfahrenseinstellung zu. Das Jugendschöffengericht schloss sich an.

Über fünf Jahre Haft

Interessant am Rand: Wäre der Einbruch von seiner strafrechtlichen Konsequenz her nicht eingestellt worden, hätte das Jugendschöffengericht den gesamten Fall an das Landgericht verweisen müssen. Denn dann hätte dem 23-Jährigen eine Haft von über fünf Jahren gedroht. Das aber ist eine Grenze, über die nur Landgerichte befinden können.

Es dürfte wohl zu einer Verurteilung kommen.Richter Peter Jung
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.