10.12.2017 - 11:02 Uhr
Oberpfalz

Feuerwehr löscht, Polizei findet Drogen Rauschgift im Brandqualm

Der Stadtlöschzug im Anmarsch, Rauch aus Wohnungsfenstern und ein am Herd vergessener Topf mit Spinat. Tür aufgebrochen, Ursache abgestellt und Suche nach Personen. Dabei wird Rauschgift gefunden.

von Autor HWOProfil

Amberg. (hwo) Auf dem Weg zur Arbeit fiel es ihm ein: Da stand noch ein Topf mit Spinat auf dem eingeschalteten Herd. Also radelte der 37-Jährige im Eiltempo zurück zu seiner Wohnung im Dreifaltigkeitsviertel. Zu spät allerdings. Vor dem Haus stand die Feuerwehr, auch Polizisten waren bereits vor Ort. Die Einsatzkräfte mussten handeln. Eine Tür wurde aufgebrochen, anschließend die Ursache des qualmenden Übels abgestellt und nach Personen gesucht. Völlig normal in einer solchen Lage. Der Spinat glich einem Stück Kohle, der Topf war im Eimer.

Doch dann geschah Außergewöhnliches: Als sich die Schwaden lichteten, fand ein Uniformierter am Wohnzimmertisch ein Blatt Papier, auf dem sich Anhaftungen von Marihuana erkennen ließen. Unter dem Tisch lag eine Box, die kleine Mengen Amphetamin und Cannabis zum Inhalt hatte. Also schritt der Ordnungshüter zur Sicherstellung und später zu einer Anzeige.

Vor Amtsrichterin Sonja Tofolini entbrannte nun ein heftiger Meinungsunterschied im Hinblick darauf, wie dieser eher kleine Fund von jeweils 0,3 Gramm Drogen über die Bühne ging. Das sei ja wohl eine Art Durchsuchung gewesen, die mit dem eigentlichen Anlass des Eingreifens nichts zu tun gehabt habe, monierte Verteidiger Jörg Jendricke. Von daher könne man aus rechtlicher Sicht den Rauschgiftfund nicht verwerten und müsse das Verfahren möglichst umgehend einstellen.

Dieser Vorstoß fand kein Gehör. Zumal der als Zeuge vernommene Polizist klar machte, dass es sich um einen reinen Zufallstreffer gehandelt habe. Dieser Ansicht waren auch Staatsanwältin Christine Apfelbacher und die Richterin. Vonseiten der Vorsitzenden aber kamen noch ganz andere Argumente. Sie wusste aus den Akten und aus eigener Kenntnis, dass der 37-Jährige schon seit vielen Jahren gerne mal Rauschgift konsumiert und deswegen "noch zwei Bewährungsstrafen offen hat."

Zu diesem Zeitpunkt waberten die sprichwörtlich dunklen Wolken eines Bewährungswiderrufs durch den Sitzungssaal. Anwalt Jendricke zog die Notbremse und veranlasste seinen Mandanten zu einem Geständnis. Gleichwohl zeigte die Anklagevertreterin nach insgesamt sechs Rauschgift-Vorahndungen des 37-Jährigen kein Verständnis. Sie verlangte drei Monate Haft ohne Bewährung.

Der Anwalt riet der Richterin zu einer Geldstrafe. 70 Tagessätze zu je 30 Euro schlug er vor. So sah auch das Urteil aus. Womit es, zumindest momentan, nicht brandgefährlich für den allein lebenden Arbeiter wird. Auf den Weg aber bekam er mit: "Ihre Bewährungen sind am Kippen."

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