22.02.2018 - 13:56 Uhr

Fortsetzung im Prozess gegen Bundeswehrzahnarzt wegen Falschaussage Spitzfindigkeiten und Erbsenzählerei

Bisher ist kein Ende in Sicht im Verfahren um einen Zahnarzt der Bundeswehr, dem Falschaussage und Missbrauch von Befehlsbefugnis vorgeworfen wird. Fest steht: Es wird einen dritten Verhandlungstag geben.

Bild: Oliver Berg/dpa
von Autor HOUProfil

(hwo) Der militaristische Laie erfährt vieles in dem Verfahren, das er für unglaublich und aus der Zeit von Kaiser Wilhelm II. hält. Zum Beispiel, dass eine junge Soldatin Vorgesetzte in Serie haben kann. Etwa ihren Kompaniefeldwebel, den sogenannten "Spieß".

Dann aber auch die Leiterin eines truppeneigenen medizinischen Zentrums in Amberg und zusätzlich einen disziplinarrechtlich Verantwortlichen. Als sich die 22-Jährige beim "Spieß" schriftlich über einen Oberfeldarzt (41) beschwerte, musste auch ein für das Personal zuständiger Hauptmann informiert werden. Es kam hinzu: Der Oberfeldarzt, nun auf der Anklagebank, war ebenfalls ihr Vorgesetzter. Da tauchte wohl gleichsam die biblische Frage auf: Wohin soll ich mich wenden?

Start außerhalb der Truppe

Unterdessen ist in der Verhandlung deutlich geworden: Der als Dentist dienende Oberfeldarzt ist nicht mehr bei der Bundeswehr. Er schied zur Jahreswende aus und will nun außerhalb der Truppe neu beginnen. "Für mich geht es hier um viel", hat der 41-Jährige am zweiten Prozesstag wissen lassen.

Die persönlichen Folgen könnten weitaus härter werden als eine mit ihm in enger Bindung stehenden Verurteilung. Zeugen in Uniform, Zeugen in Zivil. Vor allem Frauen, die als Untergebene (auch dieses Wort kommt in jedem dritten Satz vor) des Zahnarztes arbeiteten. Es geht nach wie vor um Privatpatienten, die auf dem Stuhl des Dentisten behandelt wurden und es dreht sich vieles um die Frage, in welcher Weise seine weiblichen Untergebenen dabei tätig werden mussten.

Zwischenzeitlich dominieren Spitzfindigkeiten und Erbsenzählerei. Zum Beispiel darum, was der 41-Jährige genau aussagte, als er 2017 in einem Prozess wegen falscher Verdächtigung gegen jene Frau Angaben machte, die sich truppenintern über ihn beschwert hatte. Diese Beschwerde, schriftlich weitergeleitet an den Kompaniefeldwebel, hatte sich allerdings mehr um den barschen Umgangston im Haus als um die Beiziehung als Handlanger bei Behandlungen von Privatpatienten gedreht. "Ich habe eigentlich genug gehört", sagte Amtsrichterin Julia Taubmann nach acht Stunden am zweiten Verfahrenstag. Doch dem Zahnarzt war das längst nicht genug. Jetzt müssen am 28. Februar drei weitere Zeugen aus dem Umfeld des Behandlungsstuhls kommen.

Lawine losgetreten

Eine Bemerkung wird im Ohr bleiben: Der Dentist hatte Wind von der Beschwerde seiner offenbar zutiefst verärgerten Mitarbeiterin bekommen. Er sprach mit einem Arztkollegen im gleichen Dienstrang. Der soll geäußert haben: "Da kommt sowieso nichts raus." Doch das ließ den Zahnarzt nicht ruhen. Er schrieb an die Staatsanwaltschaft, weil er sich - wir verwenden einen Begriff aus dem Roman vom braven Soldaten Schwejik - diese "Inbsubordination" nicht gefallen lassen wollte. Damit trat er eine Lawine gegen sich selbst los.  Lesen Sie hier den zweiten Verhandlungstag.

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