Frau bezieht zu Unrecht Geld vom Jobcenter
Vater Staat um 12 000 Euro geprellt

(Foto: Volker Hartmann/dpa)

Die Behörden erhalten einen anonymen Brief. Sie beginnen zu ermitteln und bringen bei intensiven Nachforschungen heraus: Eine heute 37 Jahre alte Frau hat nahezu 12 000 Euro Unterstützung zu Unrecht vom Jobcenter bezogen. Ein Fall für das Schöffengericht.

Eigentlich hätte neben der Angeklagten auch ihr Ehemann sitzen sollen. Doch der ist schwer krank und nicht verhandlungsfähig. Gleichwohl nahm er eine Rolle in dem Gefüge ein, das auf betrügerische Weise Geld in die Familienkasse spülte.

Vier Kinder, die Mutter ohne Einkommen. Die heute 37-Jährige aus Amberg stellte mehrfach Anträge auf Arbeitslosengeld II beim Jobcenter und bekam Zahlungen bewilligt. Sie verschwieg allerdings: Ihr Mann war als nirgends angemeldeter Altstoffsammler zusammen mit anderen Leuten in der Gruppe unterwegs und erzielte regelmäßige Einnahmen beim Verkauf an Vewertungsstellen. Das hätte durchaus den Lebensunterhalt gesichert, hieß es.

Irgendwann bekamen die Behörden ein Schreiben ohne Absender. Darin verdeutlichte sich, dass staatliche Unterstützungsleistungen völlig zu Unrecht bezogen würden, da das Familienoberhaupt ja permanent unterwegs auf Altmaterialsuche sei. Der Zoll in Weiden, zuständig für solche Delikte, begann nachzuforschen.

Das geschah umfangreich und mit dem Ergebnis, dass die Sammlerkolonne im Verlauf mehrerer Jahre rund 200 000 Euro beim oberpfalzweiten Verkauf ihrer Ware an Händler erzielt hatte. Partiell entfielen dabei auf den heute schwer kranken Familienvater etliche Tausender.

Vor dem Schöffengericht ließ die Frau jetzt über ihren aus Mannheim angereisten Anwalt Manfred Döring einräumen, dass sie von der Arbeit ihres Gatten gewusst habe. Gleichzeitig offenbarte sich, dass die sechsköpfige Familie heute wieder von Unterstützung lebt. In diesem Fall zu Recht. Denn es gibt keinen, der momentan etwas verdienen könnte.

Noch etwas erfuhr das Schöffengericht. Der beim Job-Center angerichtete Finanzschaden ist unterdessen bis zum letzten Cent zurückerstattet. Angehörige des Mannes legten wohl zusammen, um den offenen Betrag auszugleichen.

An sich hätte der vierfachen Mutter eine Freiheitsstrafe mit Bewährung gedroht. Doch die Richter unter Vorsitz von Markus Sand ließen es im Einklang mit Staatsanwalt Wolfgang Doblinger bei einer Geldahnung bewenden. Die Frau muss ratenweise 120 Tagessätze zu je 15 Euro zahlen.
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