27.11.2017 - 17:50 Uhr
Oberpfalz

Freispruch für 18-Jährigen Vergewaltigung nicht beweisbar

Nach mehrtägiger Verhandlung konnte der junge Angeklagte als freier Mann gehen. Dem 18 Jahre alten Asylbewerber konnte eine Vergewaltigung, angeblich erfolgt heuer im April vor dem Kirchweihbierzelt in einem Amberger Stadtteil, nicht nachgewiesen werden.

Nach dem Urteil wurde der Angeklagte, der seit dem Frühjahr in U-Haft gesessen hatte, sofort auf freien Fuß gesetzt. Symbolbild: Uli Deck/dpa
von Autor HWOProfil

Die Jugendkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Christian Frey führte den Prozess sehr intensiv. Sie vernahm zahlreiche Zeugen, hörte auch Sachverständige. Das geschah teilweise hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So auch während der Befragung einer 17-Jährigen, die als Opfer des mutmaßlichen Verbrechens galt.

Im Bierzelt kennengelernt

Staatsanwältin Barbara Tutsch hatte sich in ihrer Anklage auf umfangreiche Ermittlungen der Behörden gestützt. Im April dieses Jahres sollte es demnach bei einem Kirchweihfest am Amberger Stadtrand zu heftigen sexuellen Übergriffen des 18-Jährigen gekommen sein. Er und das vermeintliche Opfer lernten sich im Bierzelt kennen. Später gingen sie hinaus, um ein Zigarette zu rauchen.

Im Umfeld des Zeltes startete der 18-Jährige dem Ergebnis der Nachforschungen zufolge heftige sexuelle Attacken, die nach Auffassung der Ermittler einer Vergewaltigung gleich kamen. Danach kehrten beide ins Zelt zurück. Nicht lange danach kam es zu einer Anzeige, wurde der Asylsuchende festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Dort saß er seither. Auf Anraten seiner Nürnberger Anwältin Sandra Rothschild schwieg der 18-Jährige jetzt in dem mehrtägigen Verfahren vor der Jugendkammer.

Weil der Prozess streckenweise nichtöffentlich ablief, mussten nach geltendem Gesetz auch die Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten werden. Von daher wurde nicht bekannt, was Staatsanwaltschaft und Verteidigung forderten. Am Montag in den Nachmittagsstunden verkündete Richter Frey das Urteil. Es lautete auf Freispruch.

Angaben zu verschieden

"Ein Tatnachweis ist nicht zu führen", sagte der Vorsitzende in seiner Begründung. Denn die im Verlauf des Verfahrens gemachten Angaben zum Hergang des mutmaßlichen Verbrechens seien "zu unterschiedlich im Kerngeschehen" gewesen. Christian Frey meinte damit Äußerungen der 17-Jährigen, die vor Gericht, bei der Polizei und kurz nach dem Geschehen vor einer Ärztin fielen.

"Ein entgegenstehender Wille war nur schwer erkennbar", unterstrich der Kammervorsitzende. Die Konsequenz daraus habe nur ein Freispruch für den Beschuldigten sein können. Der 18-Jährige wurde noch im Gerichtssaal aus der U-Haft entlassen und auf freien Fuß gesetzt. Er muss nun für die im Gefängnis verbrachte Zeit entschädigt werden.

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