07.02.2018 - 16:24 Uhr

Für 6,7 Millionen Euro saniertes historisches Wagenhaus neuer Bestimmung übergeben: Stolzer Stadl, super Stadtarchiv

Gastronomie, Markthalle, Kulturtempel oder doch Archiv: Die Ideen für den Schießl-Stadl sind vielfältig und die Diskussionen darum lang. Am Ende steht laut OB Michael Cerny die"weise Entscheidung" für den Umzug des Stadtarchivs mit Komplettsanierung des historischen Wagenhauses. Jetzt ist es eingeweiht und macht Amberg mächtig stolz.

von Thomas Amann Kontakt Profil

Zu Recht. Und das nicht nur wegen der Kosten von insgesamt rund 6,7 Millionen Euro. Sie sind Ausdruck dafür, was der Stadt ihr Archiv und die Erhaltung historischer Bausubstanz aus Kurfürsts Zeiten wert sind. Schließlich ging es in zweifacher Hinsicht um Geschichte: die eigene mit Friedrich V. - Erbauer des Stadls und Ambergs Aushängeschild als "Winterkönig" - und die Historie in Form von Tausenden Dokumenten seit der Stadtgründung um 1270/80 (verbrieft nachgewiesen per Urkunde von 1294).

"Das Archiv ist das Gedächtnis einer Stadt", verdeutlichte der Oberbürgermeister am Mittwoch bei der offiziellen Einweihungsfeier am Paulanerplatz. Es bewahrt nach seinen Worten die Vergangenheit und schärft den Blick für die Zukunft, die den Archiven mit dem digitalen Wandel und einer Flut von elektronischen Daten, allein schon Milliarden Mails täglich, neue Herausforderungen bringt. Cerny verglich sie im Rückblick von der Dimension her mit der Einführung des Buchdrucks.

Die Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns, Margit Ksoll-Marcon, pflichtete ihm bei, sprach ihrerseits von der zusätzlichen Schwierigkeit immer mehr personenbezogener Daten, die meist sensibel behandelt werden müssten. Bei der Auswahl müssten die Archive deshalb umso sorgfältiger vorgehen, weil ihr Ziel, Informationen nachvollziehbar zu sammeln und zur Verfügung zu stellen - zum Beispiel für die Familienforschung -, erhalten bleiben müsse. Gerade in Amberg sei das wichtig, "weil das Stadtarchiv zu den bedeutendsten kommunalen Archiven in Bayern und in der Oberpfalz, gleich nach Regensburg, zählt". Sowohl von seinem Quellenwert als auch der Geschlossenheit der Überlieferungen - beginnend vom Mittelalter über die Zeit als Residenz- und Hauptstadt der Oberpfalz bis in die Gegenwart -, vom Sammelgut und seinen großen Fotobeständen her räumte die Generaldirektorin Amberg einen hohen Stellenwert bei. Umso dankbarer war sie der Stadt für ihre Investitionsbereitschaft inklusive der modernen Archivausstattung, wo Technik, Temperatur und Klima im doppelten Wortsinn stimmten.

Auf die Entwicklung des Stadtarchivs durch die Jahrhunderte blickte sein Leiter Johannes Laschinger zurück, wobei er gerade zu den Ortswechseln witzige Parallelen zu den Festtagen Martin Luthers fand (nicht umsonst werden schließlich einige Luther-Briefe in Amberg verwahrt). Als die Einrichtung 1983 beim Raseliushaus einzog, lief in den neuen Räumen gleich eine Ausstellung zum 500. Geburtstag des Reformators. Und ebenso "unerklärlich" zog das Archiv kurz vor Ende des 500. Reformations-Jubiläumsjahrs an den Paulanerplatz um. Insofern steht wohl die nächste räumliche Veränderung 2046 zu Luthers 500. Todestag an, prophezeite Laschinger schmunzelnd. Und er versicherte, dass die neuen Kapazitäten im Schießl-Stadl bis dahin ausreichen, nachdem sie im alten Gebäude schon seit zehn Jahren nicht mehr genügt hatten.

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