Gereon Gräf ist höchster Laienvertreter der Soldaten bei Militärbischof Overbeck
100 000 Katholiken hören auf sein Kommando

Oberstleutnant Gereon Gräf sagt, dass er sein Ehrenamt als Vorsitzender des Katholikenrats "aus dem Herzen heraus macht". Besonders ins Herz geschlossen hat er auch den Amberger Mariahilfberg, was nicht nur das eingerahmte Foto an seiner Bürowand dokumentiert, sondern auch die Tatsache, dass Gräf jedes Jahr die Soldatenwallfahrt der Bundeswehr während der Bergfestwoche mit organisiert. Bild: Hartl


Hintergrund"Durch meine jahrelange Tätigkeit bin ich bekannt", sagt Gereon Gräf und meint damit nicht nur seine Vorstandszugehörigkeit zum Katholikenrat seit 2005, sondern auch seine frühere Mitarbeit im Militärpfarrgemeinderat und als Moderator für die Dekanatskonferenzen beim Leitenden Militärdekan in München. Selbst Gräfs Frau Ulrike setzt sich für die Militärseelsorge ein - seit 2000, und damit eigentlich schon länger als der Oberstleutnant selbst, im Sachausschuss Ehe, Familie, Partnerschaft des Katholikenrats. Dass die beiden hier als Ehepaar so engagiert sind, ist eine weitere Besonderheit, auf die auch die Panzerbrigade 12 mit ihrem Kommandeur General Jörg See und Stabschef Stefan Eckl stolz ist. Aktuell hat der Katholikenrat am neuen Internetauftritt des Militärseelsorgendienstes "Krisenkompass" mitgewirkt. Als nächstes soll Gräf den Auftritt des Gremiums beim Katholikentag im Mai in Münster vorbereiten - mit einem Workshop und einer Podiumsdiskussion, an der unter anderem Ex-Bundespräsident Horst Köhler, Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan teilnehmen. (ath)

Fürs AZ-Bild wollte er das Foto vom Mariahilfberg im Hintergrund haben. Mit ihm bringen ihn viele Amberger, vor allem die Soldaten der Garnison und darüber hinaus, in Verbindung. Seit Jahren organisiert Oberstleutnant Gereon Gräf den Pilgerzug der Bundeswehr zu Ambergs Wallfahrtsort während der Bergfestwoche mit.

Er tat das bisher schon in seiner aktiven Funktion in der katholischen Militärseelsorge. Jetzt hat der 52-Jährige ein weiteres Amt, das ihn höher hinaushebt als der Mariahilfberg über Amberg und die Diözese strahlt. Gereon Gräf ist zum Vorsitzenden des Katholikenrats der Bundeswehr gewählt worden. Das macht ihn und die Oberpfalz-Brigade stolz, der der gebürtige Weidener seit 2011 als Nachschubstabsoffizier angehört. Tatsächlich verbirgt sich dahinter das höchste Ehrenamt der katholischen Militärseelsorge, das direkt beim für den Bund zuständigen Bischof Franz- Josef Overbeck in Berlin angesiedelt ist. Auch wenn der Oberstleutnant jetzt im Militärbischofsamt an der Spree öfter ein- und ausgeht, ist sein Dienstposten in Amberg geblieben.

Von der Leopoldkaserne aus kümmert sich Gereon Gräf weiter um seine Aufgaben im Brigadestab und fungiert gewissermaßen nebenher als Chef aller katholischen Laien in der Bundeswehr. Das sind immerhin rund 45 000 Soldaten plus deren Familienangehörige, so dass Gräf nach eigener Schätzung für gut 100 000 Menschen zuständig ist. Er vergleicht die Funktion des Katholikenrats mit einem Diözesanrat, der allerdings für ganz Deutschland und darüber hinaus verantwortlich ist. Die Bundeswehr hat nämlich inzwischen neben ihren 80 heimischen auch vier Militärpfarrämter im Ausland: in Neapel, im belgischen Mons, im türkischen Izmir und in Hollowman in den USA. Gerade durch die Einsätze in anderen Ländern, vor allem auch in Krisengebieten, ist die Bedeutung der Militärseelsorge in den vergangenen Jahren stark gewachsen, bestätigt Gräf. Das fängt nach seinen Worten bei den katholischen und evangelischen Pfarrern an, die jede Mission in voller Dauer vor Ort begleiten. Und es setzt sich "zu Hause" mit der Begleitung der Familien der Soldaten fort. Gräf nennt hier als Beispiel die Familienseminare, die von der Militärseelsorge angeboten und dem Katholikenrat mitgestaltet werden.

Das ist überhaupt das Stichwort für die Aufgabe des Vorsitzenden und seines siebenköpfigen Vorstands, der aus Vertretern aller vier nach den Himmelsrichtungen aufgestellten Militärdekanate besteht: Seelsorge und ihre Rahmenbedingungen in der Bundeswehr mitgestalten. Diese Arbeit hat Gereon Gräf nun als neuer Vorsitzender mit der ersten Sitzung des Gremiums am Wochenende in Berlin aufgenommen. Er gehörte dem Katholikenrat schon seit zwölf Jahren an, was ein guter Grund für seine Wahl an die Spitze war.

Dabei musste der Oberstleutnant, der in Sulzbach-Rosenberg wohnt, durchaus ein "Auswärtsspiel" bestreiten, wie er sagt. Sein Gegenkandidat kam aus Berlin, ist rund zehn Jahre jünger und hatte ebenfalls keine schlechten Chancen. 30 der 53 anwesenden Delegierten aus den 80 Militärpfarrämtern entschieden sich am Ende für den Organisator der im Heer nicht unbekannten Soldatenwallfahrt auf den Mariahilfberg. Genau genommen ist sie mit über 1000 Teilnehmern die größte des Bundeswehr. Selbst die Teilnahme der Deutschen an der internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes in Frankreich fällt meistens kleiner aus.
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