02.03.2018 - 15:36 Uhr

Gericht: 60-jähriger Landwirt baut Marihuana zum Eigenkonsum an Cannabis auf der Öko-Ranch

Warum denkt man bei solchen wie ihn an "Easy Rider"? Ein Öko-Freak, der zwischendrin einen Joint raucht und ansonsten keinem etwas tut. 60 Jahre alt, in Ehren ergraut und nie vorbestraft. Und dann kommt aus Zufall plötzlich die Polizei ins Haus.

Foto: Oliver Berg/dpa
von Autor HOUProfil

Der Mann hat nie mit Ermittlern zu tun gehabt. Er bewirtschaftet seinen Boden im Kreis Amberg-Sulzbach, tut es als Landwirt und meidet Unannehmlichkeiten. Dann tauchen Fahnder auf seiner "Ranch" auf. Nicht wegen ihm. Sie wollen eigentlich einen der Angehörigen des 60-Jährigen auf Drogen überprüfen. Was folgt, ist peinlich: Die Beamten sehen sich auf dem Hof um und machen einen Zufallsfund. Im Gewächshaus sprießen Cannabispflanzen und auch im Außengelände wuchert Hanf. Eine Art kleine Plantage mit den Ergebnis von rund 300 Gramm getrockneten Marihuanablättern. Ausreichend für viele Rauschgiftjoints. Überraschung am Bauernhof.

Die Aufzucht wurde behördlich abgeerntet, das vorhandene Marihuana mitgenommen, sichergestellt und der Staatsanwaltschaft gemeldet. Die schickte ihren Behördenleiter Joachim Diesch in eine Sitzung des Schöffengerichts und ließ ein Jahr Haft mit Bewährung nebst 1000 Euro Geldauflage für den Öko-Bauern beantragen.

Der Landwirt räumte alles ein. Seinen Angaben ließ sich entnehmen: Kein Weiterverkauf der Cannabisprodukte, alles nur zum Eigenverbrauch. Ansonsten Reue und Einsicht in sein Fehlverhalten. Beides ist unterdessen soweit gegangen, dass sich der Mann in Drogenberatungsstunden begeben hat. Das müsse man honorieren, legte Verteidiger Jörg Jendricke dem unter Vorsitz von Markus Sand tagenden Schöffengericht nahe. Neun Monate mit Bewährung hielt Jendricke für ausreichend. Parallel dazu bat er, von einer finanziellen Auflage abzusehen. Denn der Mann schlage sich samt Angehörigen mehr recht als schlecht durch.

Die Richter verhängten zehn Monate, die der Angeklagte allerdings nicht abzusitzen braucht. Dafür muss der 60-Jährige "Alt-Junkie" 600 Euro an den Bund Naturschutz zahlen. Das will er tun, der Öko-Freak. Dabei stand fest: Mit seinem Hanfanbau hat er keinem geschadet. Nur sich selbst.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp