11.03.2018 - 12:46 Uhr

Gericht verurteilt 56-jährigen Nachbarn zu sechs Monaten auf Bewährung Ohrfeige wegen lauter Musik

"Diese Musik ist der reine Wahnsinn", ärgert sich ein Nachbar und stellt die Belästigung auf seine Weise ab: Er sprengt die Türe auf und verpasst dem Verursacher einen harten Hieb ins Gesicht. Jetzt ist der Streit vor dem Amtsgericht Amberg gelandet. 

Bild: Oliver Berg/dpa
von Autor HOUProfil

Es ist ein nicht einfacher Fall für Amtsrichter Christian Frey und Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier. Vor ihnen saß ein 56-Jähriger, der laut Aktenlage, als nicht sehr verträglich gilt und eine Reihe von Vorstrafen mitbringt. Man hatte ihn in einer betreuenden Wohneinrichtung im nördlichen Landkreis untergebracht. Quasi an der Seite von anderen Menschen, die ebenfalls als Problemfälle gelten. Irgendwann geschah es. Der 56-Jährige wurde nach seinen Angaben nahezu regelmäßig durch lauten Musiklärm aus seinem Nachbarzimmer gequält.

"Welche Art Musik war das?", wollte Amtsrichter Christian Frey wissen. Der Angeklagte konnte es nicht näher definieren. Aber: "Der schiere Wahnsinn. Immer das Gleiche. Dumpf und eintönig. Zum Verrücktwerden." Der 56-Jährige schritt zur Selbstjustiz. Er drang ins Zimmer des Nachbarn ein und versetzte ihm nach eigenen Angaben "einen Wischer". Diese Beschreibung des Übergriffs nahm sich harmlos aus. Deswegen wurde eingehender nachgeforscht und herausgebracht: Es war wohl eher eine "ordentliche Ohrfeige". Aus der Nase des Musik-Freaks spritzte Blut.

Zudem stellte sich heraus: Die Zimmertür war vorher gewaltsam geöffnet worden. Das Intermezzo in dem Wohnheim hätte für den 56-Jährigen im Gefängnis enden können. Denn trotz seiner psychischen Auffälligkeiten gilt er im Sinn des Strafrechts als verantwortlich. Außerdem stand der zum Aufbrausen neigende Mann unter Bewährung.

Dennoch ließ es Richter Frey mit Zustimmung des Oberstaatsanwalts bei sechs Monaten Haft bewenden, die der Angeklagte nicht abzusitzen braucht. Der Mann ist unterdessen in einem anderen betreuenden Wohnheim untergebracht, fühlt sich dort wohl und hat bisher keinen Ärger bereitet.

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