04.01.2018 - 10:00 Uhr
Oberpfalz

Gesetzgeber möchte es so Analog hat beim Strom ausgedient

Der gute alte Stromzähler irgendwo im Keller hat ausgedient. So will es der Gesetzgeber unter Verweis auf nicht aufhaltbare digitale Zeiten und neue Möglichkeiten des Energiesparens. Die Stadtwerke setzen gezielt weit vorher an.

Technischer Leiter Martin Malitzke, Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl und Tamara Schulz (von links) mit Modellen der neuen, digitalen Messeinheiten: vorne links ein Smart-Meter mit Kommunikationsmodul, rechts daneben die Standardausführung. Fotos: Wolfgang Steinbacher (3)
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Schon das Wortungetüm lässt nichts Gutes erahnen: Gesetz über den Messstellenbetrieb und die Datenkommunikation in intelligenten Energienetzen (Messstellenbetriebsgesetz - MsbG). Es hat 77 Paragrafen und umfasst in seiner aktuellen Fassung 37 Seiten. Seit Jahren begleitet Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl diese Neuerung. Er hat in einem Pressegespräch jedoch einige Mühe, den tieferen Sinn dieses Regulariums zu ergründen. Zumal die Praktiker der Branche über Jahrzehnte hinweg die Zuverlässigkeit der bisherigen analogen Zähler zu schätzen gelernt haben.

Doch jetzt brechen neue Zeiten an, selbst wenn laut Prechtl bisher noch keine zertifizierte Messeinrichtung auf dem Markt ist, die einem Teil der privaten Stromkunden künftig ab 2020 als Neuerung verpflichtend aufs Auge gedrückt wird. Im Stadtgebiet von Amberg sind es rund 500. Grundsätzlich muss laut der gesetzlichen Vorgaben jeder Haushalt auf elektronische Zähler umgerüstet werden. Das geht im Regelfall kostenneutral über die Bühne. Mit Mehrkosten von 80 Euro pro Jahr müssen hingegen jene privaten Anschlussnehmer rechnen, deren Jahresverbrauch über 6000 Kilowattstunden (kWh) liegt. Oder wenn sie über eine Anlage zur regenerativen Stromerzeugung mit einer Nennleistung von 7 Kilowatt Peak (kWp) und mehr verfügen. Hinzu kommen noch Sonderverbrauchseinrichtungen wie Nachtspeicheröfen.

Die 6000er-Grenze

Diese Eckdaten stehen laut Prechtl fest. Werbewirksam appelliert sein Haus deshalb "Jetzt handeln - Energie und Geld sparen". Denn zum 1. Januar hat eine Drei-Jahres-Frist (2018 bis 2020) begonnen, in der die Haushalte verbindlich ermittelt werden, deren Verbrauch über 6000 kWh liegt und die deshalb mit einem sogenannten Smart-Meter mit Kommunikationsmodul (elektronischer Zähler, angeschlossen an ein Datenerfassungs- und Steuerungsnetz) ausgestattet werden müssen.

Nachdem sich Prechtl lange genug mit dem MsbG befasst hat, brach offenbar der Kaufmann und Betriebswirtschaftler in ihm durch. Als durchaus realistisch stuft er ein, dass in den Haushalten, die über dem 6000-kWh-Wert liegen, kurzfristig Verbrauchseinsparungen erzielt werden können, die einen unter dieses Niveau drücken. "Ein neues Gefriergerät reicht da schon", nennt der Stadtwerke-Geschäftsführer nur ein Beispiel. Und wer binnen der vorgegebenen Drei-Jahres-Frist einmal unter den 6000 kWh liege, für den entfalle die Umrüstungspflicht auf einen Smart-Meter mit Kommunikations- und Steuerungsmodul.

Dieser Einsparungseffekt dürfte im Verbrauchsspektrum zwischen 6000 und 7000 kWh spürbar über dem liegen, was ein geregeltes Smart-Meter erzielen könne, ist sich Prechtl ziemlich sicher. Schließlich würden die niedrigeren Verbrauchskosten und nicht anfallenden zusätzlichen 80 Euro jährlich für das Mess- und Steuerungsmodul als Kostenminderung zu Buche schlagen. Prechtl möchte es nicht bei einem bloßen Appell belassen. Zusammen mit dem Technischen Leiter der Stadtwerke, Martin Malitzke, und Tamara Schulz aus dem Marketingbereich hat er eine Kampagne entwickelt, um dafür zu werben, zielgerichtet und effektiv zu sparen.

Konkrete Vorschläge

Demnach erhalten in den nächsten Wochen Kunden, die für die Installation eines Smart-Meters mit Kommunikationsmodul in Frage kommen könnten, von den Stadtwerken Post. Darin wird ihnen ihr aktueller Jahresverbrauch (ein durchschnittlicher Privathaushalt liegt zwischen 3500 und 4000 kWh im Jahr) mitgeteilt und auf die neue Gesetzeslage verwiesen. Parallel lädt der Energieversorger für Mittwoch, 21. Februar, 19.30 Uhr, zu sich in die Gasfabrikstraße 16 zu einer Informationsveranstaltung ein, in der auch konkrete Einsparungsvorschläge vorgestellt werden. Die Organisatoren bitten um eine Anmeldung (09621/60 3-4 01, kundeninfoabend[at]stadtwerke-amberg[dot]de), um sich ein Bild vom Andrang zu machen. Bei Bedarf soll es eine zweite Infoveranstaltung geben.

Eckpunkte der Neuregelung

Zwei Hauptziele verfolgt das neue Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Die Umrüstung der bisherigen analogen Zählereinheiten auf elektronische Geräte und die Vernetzung von privaten Verbrauchs- sowie Produktionseinheiten ab einer bestimmten Größenordnung. Das hat zur Folge:

Austausch

Jeder private Stromkunde - unabhängig vom Anbieter - bekommt eine neue, digitale Messeinheit. Der Geräteaustausch ist kostenneutral.

Dialog-Gerät

Unter bestimmten Voraussetzungen werden auch Privathaushalte verpflichtet, die neue, digitale Messeinheit um ein Kommunikationsmodul zu erweitern. In einem anonymen Netzwerkverbund soll dieses Zusatzgerät, das jährlich 80 Euro kostet, Verbrauchs- und Angebotsströme aufeinander abstimmen, um so in der Summe Energie einzusparen. In diese Kategorie fallen Haushalte

- mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden (kWh) über die Zeitspanne von drei Jahren hinweg;

- mit einer regenerativen Stromerzeugungsanlage, beispielsweise einer Photovoltaik-Einheit mit einer Nennleistung von mehr als 7 Kilowatt Peak,

- oder einer sogenannten unterbrechbaren Verbrauchseinrichtung wie etwa Nachtspeicheröfen, bei Wärmestromzählern für Wärmepumpen oder Elektro-Direkt-Heizungen. (zm)

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