09.11.2017 - 14:22 Uhr
Oberpfalz

"Getwitterwarnung" für den Journalismus 4.0 Roboter gegen Redakteur

Print, Hörfunk, Fernsehen. Das war der Journalismus. In der Stufe 1.0 - vor Jahren. Doch mittlerweile befindet sich die Medienlandschaft bei 4.0. Das war der Tenor der Veranstaltung "Getwitterwarnung" an der Hochschule.

von Andreas Brückmann (brü)Profil

Amberg. (brü) Eingeladen dazu hatte die Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik, abgekürzt EMI. Präsidentin Andrea Klug zeigte sich erfreut: "Mit diesem heutigen Thema bieten wir Ihnen einen breiten, aktuellen und konstruktiven Einblick in das Thema Journalismus." Ausgehend von den einst vorhandenen drei öffentlichen Sendern, dem Radio und der Zeitung, landete EMI-Dekan Maximilian Kock bei Stufe 2.0. Sie sei vor zehn Jahren erreicht worden, als mit der Präsentation des ersten I-Phone plötzlich jeder sein eigener Übertragungswagen sein konnte.

Professor Volker Banholzer vom Studiengang Technikjournalismus an der Technischen Hochschule Nürnberg präsentierte danach einen weiten Überblick über die technischen Möglichkeiten, die Jahr um Jahr unerschöpflicher würden. Dabei blieben die Redakteure auf der Strecke.

Roboter-Journalismus habe Einzug gehalten. Dieser ersetze die persönliche Berichterstattung. Mobile Daten und Social Media führten dann zur Stufe 3.0. Der Journalismus sei nun mit allem, was auf internetbasierten Daten aufbaut, bei 4.0 angekommen. "Was früher im Print die Schlagzeilenoptimierung war, ist jetzt die Optimierung der Suchmaschinen-Schlagwörter." Danach war Sigmund Gottlieb, ehemaliger Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, an der Reihe: "Die Geschwindigkeit, die hier beschrieben wird, ist atemberaubend schnell. Und das Ziel ist für mich ungewiss, lässt viele Möglichkeiten offen." Er erläuterte das an einem Beispiel. "Wir haben in Passau einen Versuch gewagt. Kann man es unterscheiden, ob ein Sportartikel von einem Roboter geschrieben worden ist oder von einem erfahrenen Sportreporter? Es war uns nicht möglich."

Für die Interessierten an der OTH in Amberg hatte er eine Botschaft: "Wir brauchen mehr Peter Scholl-Latour. Tiefgründige Journalisten. Bei vielen Journalisten, nicht nur in den die Republik übergreifenden Medienhäusern, ist es heutzutage so: Wir haben Ahnung so breit wie ein Meer. Und dies so tief wie eine Pfütze. Übertrieben gesagt."

Wichtig sei, dass Journalisten den Journalismus nach bestem Wissen und Gewissen betreiben. "Problematisch wird es, wenn es anders rum wird. Mit bestem Wissen ohne Gewissen." Denn in vielen deutschen Medienhäusern habe die Vertriebsweg-Diskussion den Inhalt längst überlagert. Live sei die Währung, mit der im derzeitigen Journalismus alles bezahlt werde. "Im Wahn der Geschwindigkeit" ist es nach Gottliebs Worten ein Riesenproblem, ein Riesenthema, "die wirklich wichtigen Nachrichten gut zu recherchieren".

Denn wer zu spät online gehe, zum Beispiel mit einer Meldung zu einem Unfall, der verliere. Bei den Klicks im Web. Aber: Wer etwas später veröffentliche und gut hinterfrage, was einem Journalisten am wichtigsten sein sollte, gewinne bei der Suche nach Wahrheit an Glaubwürdigkeit.

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