10.09.2017 - 10:20 Uhr
Oberpfalz

Gotteshaus wurde vor 50 Jahren gebaut Erlöserkirche feiert Geburtstag

"Ich weiß, dass mein Erlöser lebt": Von diesem alttestamentarischen Spruch des Propheten Hiob leitet sich der Name der Kirche und ihrer Gemeinde ab. Vor 50 Jahren wurde das Gotteshaus errichtet. Dieses Jubiläum wird natürlich gefeiert, aber nicht nur am eigentlichen Geburtstag.

Die Erlöserkirche kurz nach ihrer Errichtung. Mit einem Festgottesdienst feiert die jüngste evangelische Gemeinde Ambergs den 50. Geburtstag des Gotteshauses. Bild: exb
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Bevor die Erlöserkirche gebaut wurde, gehörten die in diesem Stadtteil lebenden evangelischen Christen zur Paulanergemeinde, deren Einzugsgebiet sich bis Moos und Kümmersbruck erstreckte. Die Menschen hatten allerdings den Wunsch nach einer ortsnahen Kirche, weiß Johannes Blohm, seit 2006 Pfarrer der Kirchengemeinde Erlöserkirche. "Die Wege zu Paulaner waren doch sehr weit", so Blohm. Erst sei geplant gewesen, eine Filialkirche zu errichten. "Dann aber hätte es keine eigene Gemeinde gegeben."

Schließlich fiel die Entscheidung doch zugunsten einer eigenen Gemeinde - diese wurde ein Jahr vor der Einweihung des Gotteshauses gegründet. Den Namen für die Kirche hatte übrigens der Kirchenvorstand von Paulaner festgelegt, ausgehend vom Hiob-Zitat "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt". Anfangs wuchs die neue Gemeinde kräftig an, vor allem durch den Zuzug zahlreicher Flüchtlinge, das Entstehen zahlreicher Neubauten in diesem Stadtteil und den neu geschaffenen Wohnungen am Bergsteig. Mit 1800 Mitgliedern war es laut Blohm eine mittelgroße Gemeinde. Bis in die 1970/1980er-Jahre sank die Zahl auf 1300 bis 1400.

Durch Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion wuchs die Gemeinde allerdings wieder an, aktuell hat sie 2200 Mitglieder. Im Vergleich: Der Paulanergemeinde gehören rund 7000 evangelische Christen an, allerdings verteilt auf vier Sprengel. "Momentan sinkt die Zahl unserer Gemeindemitglieder wieder", erklärt Blohm. "Pro Jahr so um die 20 bis 30." Seine Gemeinde ist zwar die jüngste evangelische Kirchengemeinde im Stadtgebiet, die Erlöserkirche ist aber nicht die jüngste Kirche. "Das ist das Martin-Schalling-Haus", informiert Blohm. Die Feierlichkeiten zum Kirchenjubiläum hatten bereits im vergangenen Jahr begonnen, mit dem Gedenken an den 50. Jahrestag der Grundsteinlegung. Dazu war als Festprediger der Sohn des ersten Pfarrers der Erlösergemeinde, Dr. Alfred Eckert. Über das Jahr verteilt fanden bereits einige Veranstaltung zum 50. Geburtstag des Gotteshauses statt.

"Unser Jubiläum ist natürlich auch eng mit dem Jubiläumsjahr zur Reformation verwoben", so Blohm weiter. Deshalb habe es auch einen Themengottesdienst zu Martin Luther gegeben. Er würdigt auch die ökumenischen Kontakte, insbesondere zu den katholischen Pfarreien Heilige Dreifaltigkeit und Heilige Familie, und freut sich, dass die "Katholiken offen dafür sind, den Glauben gemeinsam zu leben". Auch die Kirchenmusik spielt laut Werner Mutterer, Vertrauensmann des Kirchenvorstands, eine große Rolle in der Gemeinde. Der Kirchenchor, den es seit 40 Jahren gab, ist inzwischen in einen Projektchor übergegangen. Um die Kirchenmusik hat sich Hannelore Zapf, seit 35 Jahren Organistin der Gemeinde, sehr verdient gemacht.

Am 16. September 1967 war die Erlöserkirche eingeweiht worden, das eigentliche Festwochenende steht der evangelischen Kirchengemeinde also unmittelbar bevor. Auftakt ist am Freitag, 15. September, mit einem Taizé-Gebet. Für Samstag, 16. September, wäre eigentlich ein Orgelkonzert geplant gewesen, doch dieses entfällt, weil Organistin Yvonne Kortmann aus Herne erkrankt ist.

Mit Dekan Karlhermann Schötz feiern die evangelischen Christen am Sonntag, 17. September, den Festgottesdienst. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Amberger Chorgemeinschaft. Ein Gemeindefest schließt sich an. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum klingen im Herbst aus, am Samstag, 7. Oktober, mit dem Auftritt der Don Kosaken und am Sonntag, 8. Oktober, mit dem Konzert des Ensembles Con Brio.

Eine Kirche für alle

Erbauer der Erlöserkirche war Gustav Gsaenger. Über seine Tätigkeit als Kirchenarchitekt schrieb er einst: "Das Gotteshaus soll ein Refugium sein aus dem lärmenden und hastigen Getriebe unserer Zeit, wo der einzelne Mensch zur Ruhe, Entspannung kommen und andächtig sein kann." Kirche hat auch für die heutigen Menschen noch eine Bedeutung, für die einen mehr, für die anderen weniger. "Für unsere älteren Gemeindemitglieder, also ab 60 oder 65 aufwärts, gehört die Kirche noch zum Leben dazu", weiß Pfarrer Blohm. Sie gehen regelmäßig zu den Gottesdiensten, vor allem zum Sonntagsgottesdienst. Werner Mutterer, Vertrauensmann des Kirchenvorstands, ergänzt, dass dies vor allem auch für Spätaussiedler gilt. Familien haben laut Blohm häufig den "kleineren Bezug zur Kirche, in Form von Kindergarten oder Kindertagesstätte". Die Altersgruppe zwischen 30 und 60 komme vor allem zu Veranstaltungen, die sie interessiere. Konzerte zum Beispiel. Werner Mutterer erwähnt das große Angebot für Kinder und Jugendliche, dafür verantwortlich ist eine junge Diakonin. "Das haben wir ziemlich ausgebaut", freut sich auch Blohm und die gute Zusammenarbeit mit den Schulen. (san)

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