18.02.2018 - 09:38 Uhr

Grippefälle nehmen zu - Tipps für Erkrankte Amberg surft auf der Grippewelle

Die Grippewelle ist in dieser Saison bundesweit noch nicht so hoch wie im vergangenen Winter. Die Zahlen der an Influenza erkrankten Patienten in Amberg verdoppeln sich zwar wöchentlich, doch der Höhepunkt müsste derzeit erreicht sein.

Medikamente und ein Fieberthermometer liegen auf einem Nachttisch. Viele Menschen leiden zur Zeit an einer Grippe, auch einige, die sich dagegen impfen ließen. Archivbild: Maurizio Gambarini/dpa
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Amberg/Berlin. (roa/esa) In der ersten Kalenderwoche im Januar fing alles noch ganz harmlos an: Im Gesundheitsamt Amberg waren drei Influenza-Fälle gemeldet. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Die Woche drauf waren es fünf, dann acht, schließlich 25 und so weiter. In der siebten Kalenderwoche lag die Zahl bei 136. "Wir steuern auf den Höhepunkt zu", prognostizierte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Roland Brey. "Das kalte und trockene Wetter begünstigte die Grippe." Dazu der Fasching - hier kamen die Menschen zusammen und steckten sich gegenseitig an. Leichte Entspannung brachten die Ferien dennoch: "Meistens ist es so, dass erst die Kinder die Krankheit durchmachen und dann breitet sie sich in der Familie aus." Insgesamt waren beim Gesundheitsamt bis Freitagmittag 294 Fälle gemeldet. Die Zahlen ändern sich stündlich. Und sie spiegeln nur die Spitze des Eisbergs wider: "Die tatsächliche Zahl der Erkrankten ist weit höher, da nicht alle den Arzt aufsuchen und viele Patienten nicht getestet werden", sagte Brey.

Diesmal der mildere Typ

Rund 12 bis 16 Wochen dauere eine Grippewelle. Doch das Ausmaß, das die Krankheit im vergangenen Jahr angenommen habe, werde heuer nicht erreicht. Dies liege unter anderem auch am unterschiedlichen Typ. Vergangenes Jahr war Influenza-Typ A verbreitet. "Heuer ist es Typ B, der von Anfang an etwas milder verläuft." 88 Prozent der an das Gesundheitsamt Amberg gemeldeten Fälle sind vom Typ B. Dies bestätigte Stephan Röckelein, Leiter der Abteilung Krankenhaushygiene am Klinikum St. Marien. Aktuell werden 15 bis 20 Patienten stationär wegen Influenza behandelt. Seit Jahresbeginn waren es insgesamt rund 90. "Natürlich muss nicht jeder zur Behandlung ins Krankenhaus", so Röckelein.

Für die Mitarbeiter gelten im Umgang mit den Patienten bestimmte Regeln wie das Tragen von Handschuhen oder Mundschutz. "Und ganz wichtig: Alle Besucher des Klinikums sollen sich die Hände desinfizieren", sagte Röckelein, der übrigens die Vierfachimpfung empfiehlt.

Konsequente Hygiene

Falls sich jemand trotz Impfung einen Virus einfängt, hustet und schnieft, weiß Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Rat. "Wer an einer Atemwegsinfektion erkrankt ist, kann durch konsequente Hygienemaßnahmen dazu beitragen, Familienmitglieder und Kontaktpersonen im Freundes- und Kollegenkreis vor Ansteckung zu schützen. Eine Weiterverbreitung von Erregern über Luft, Hände und Gegenstände lässt sich reduzieren, wenn Erkrankte in dieser Zeit enge Kontakte wie Umarmen oder Küssen vermeiden, auf das richtige Husten und Niesen in Einmaltaschentücher achten und insbesondere regelmäßig die Hände waschen", heißt es in einer Presseinfo der Bundeszentrale.

Im Haushalt helfen einfache Verhaltensregeln, sich und andere zu schützen: So sollten Erkrankte Trinkgläser und Handtücher nicht gemeinsam mit gesunden Personen benutzen und auf besondere Hygiene im Haushalt achten.

Bei hochansteckenden Atemwegsinfektionen sollten Kontakte eingeschränkt werden, indem man sich zu Hause erholt und - wenn möglich - auch ein separates Zimmer zum Schlafen nutzt. Bei starken Beschwerden oder Fieber sollten Patienten zum Arzt gehen, teilt die Bundeszentrale mit. Da Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen wirksam sind, helfen sie bei den durch Viren verursachten Erkältungskrankheiten allerdings nicht.

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Weitere Informationen zur Arbeitsgemeinschaft Influenza:

https://influenza.rki.de/

Dreifachimpfstoff wirkt nicht?

Viele Menschen, die sich gegen die Grippe haben impfen lassen, sind in diesem Jahr vielleicht trotzdem nicht optimal geschützt. Warum ist das so? Die wichtigsten Antworten. Was genau ist das Problem?

  • Die Impfung mit dem Dreifachimpfstoff wirkt nach einer ersten Einschätzung von Experten in dieser Saison nur bedingt. Denn mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle wurde durch Influenza-B-Viren der sogenannten Yamagata-Linie verursacht. Diese Viren werden aber durch den Dreifachimpfstoff nicht abgedeckt, wie Marieke Degen vom Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt.
Gibt es einen besseren Impfstoff ?
  • Ja. Seit einigen Jahren gibt es einen Vierfachimpfstoff, der aber teurer ist und bislang wesentlich seltener verabreicht wird. Dieser deckt mehr Viren ab - auch den Influenza-B-Virus der Yamagata-Linie. Seit kurzem empfiehlt die Ständige Impfkommission am RKI diesen Vierfachimpfstoff. Die Entscheidung ist laut RKI aber noch so jung, dass noch nicht klar ist, ob die Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. Das müsse jeder Versicherte abklären.
War eine Impfung mit dem Dreifachimpfstoff umsonst?
  • Nein. "Die Impfung schützt ja immer noch vor allem gegen die A-Viren, die in dieser Saison noch verstärkt auftauchen können", sagt Marieke Degen. Sie ergänzt: "Die Yamagata-Linie, die im jetzigen Dreifach-Impfstoff fehlt, war allerdings im Dreifachimpfstoff der Saison 2015/16 enthalten." Wer sich jedes Jahr habe impfen lassen, sei möglicherweise noch geschützt.
Kann ich mich jetzt noch impfen lassen?
  • Bei Menschen, die sich noch nicht haben impfen lassen, ist das Immunisieren mit dem Vierfachimpfstoff laut RKI jetzt schon noch sinnvoll.
Wie gut können Grippeimpfungen überhaupt schützen?
  • Der Schutzwirkung ist nicht so hoch wie bei anderen Impfungen. "Eine Grippeimpfung hat bei älteren Menschen eine Wirksamkeit von etwa 40 bis 60 Prozent. Es gibt aber auch Jahre, in denen die Schutzwirkung noch geringer ausfällt, weil die Zusammensetzung des Impfstoffs nicht gut zu den zirkulierenden Viren passt", sagte Degen. Eine Impfung wird für Menschen ab 60 Jahren, Bewohner von Altenheimen, chronisch Kranke wie Diabetiker, Schwangere und medizinisches Personal empfohlen.
Warum ist es so schwer, einen wirksamen Grippe-Impfstoff anzubieten?
  • Das Problem an Grippeviren ist, dass sie extrem wandelbar sind. Jede Saison kann ein anderes Virus am häufigsten vorkommen. Die Viren selbst können sich immer wieder verändern. Experten beobachten genau, welche Viren unterwegs sind und ziehen Rückschlüsse für die Zusammensetzung des Impfstoffs. (dpa)

Zahlen

Seit Anfang des Jahres häufen sich die Grippefälle. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) zählt in Kalenderwoche 6 (5. bis 11. Februar) in Deutschland 18 336 Viruserkrankungen. Die Einrichtung am Robert-Koch-Institut registriert Grippefälle und grippeähnliche Atemwegserkrankungen mit Fieber. In Süddeutschland weiß die AGI von 7584 Fällen. In Bayern gibt es in der Saison 2017/2018 bisher nicht so viele Fälle wie im vergangenen Winter, aber etwas mehr als 2015/2016. Besonders oft sind Säuglinge und Kinder bis vier Jahren betroffen. Von 100 000 Einwohnern dieser Altersgruppe waren in der Kalenderwoche 6 etwa 8000 krank. Bei älteren Personen ab 60 Jahren litten nur 1000. Das war in der Grippesaison 2016/2016 noch ganz anders: Damals waren vor allem Senioren betroffen. Die Zahlen erhält die Arbeitsgemeinschaft von Arztpraxen und eigenen Überwachungssystemen der Bundesländer.

In der Saison 2017/18 beobachtet die AGI in einzelnen Altersgruppen einen unterschiedlich hoher Anteil der zirkulierenden Influenzavirustypen. Bei Kindern würden anteilig deutlich mehr Influenza A als bei Erwachsenen gemeldet, teilt die Arbeitsgemeinschaft in ihrem wöchentlich aktualisierten Bericht mit. (esa)

Die tatsächliche Zahl der Erkrankten ist weit höher, da nicht alle den Arzt aufsuchen und viele Patientennicht getestet werden.Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey
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