Günther Linke stürzt mit Auto fünf Meter in die Tiefe
Ganzes Heer an Schutzengeln

Zwei Tage musste Günther Linke aus Amberg im Weidener Klinikum bleiben, an Heiligabend durfte er nach Hause. Am Donnerstagabend war er mit seinem Cabrio von einer Autobahnbrücke fünf Meter in die Tiefe gestürzt. Dankbar ist der 47-jährige Amberger seinen Schutzengeln, die ihm vor schlimmen Verletzungen bewahrt haben. "Ich hätte tot sein können", sagt er über den Unfall. Bild: Schönberger
 
Die Brücke in der Pressather Straße.

Ein Schutzengel? "Nein, das müssen schon mehrere gewesen sein", sagt Günther Linke. An Heiligabend wurde der Amberger aus dem Weidener Klinikum entlassen. Zwei Tage vorher war er verunglückt, sein Cabrio stürzte fünf Meter von einer Autobahnbrücke. Der 47-Jährige hätte auch tot sein können.

22. Dezember, noch zwei Tage bis Heiligabend. Günther Linke ist auf dem Heimweg, er kommt aus Hof. Dort hat er seinem Sohn einen Besuch abgestattet. Gegen 21 Uhr fuhr er am Donnerstagabend los. Weil im Radio permanent gewarnt wurde, dass Blitzeis auftreten könnte, schaltete Linke den Tempomaten ein, stellte das Gerät auf 120 km/h. Für die Autobahn ist das keine Geschwindigkeit, doch der Handelsvertreter will auf der sicheren Seite sein, wohlbehalten nach Hause kommen. "Auf der A 93 war wenig los", erinnert er sich. "Ich denke, die Leute sind wegen des befürchteten Eisregens lieber zu Hause geblieben."

Reifen gerät aufs Bankett

Günther Linke schießen so einige Gedanken durch den Kopf, er hat noch viel zu tun, dieses und jenes muss noch erledigt werden - in zwei Tagen ist schließlich schon Weihnachten. "Da bist du nicht zu 100 Prozent konzentriert", gibt er am Tag nach seinem Unfall zu. Eineinhalb Stunden nach der Abfahrt ist Linke schon bei Weiden, kurz vor der Ausfahrt West. Doch plötzlich gerät eines der Räder seines Cabrios aufs Bankett. Der 47-Jährige bemerkt dies zwar sofort und erschrickt. Er versucht, einen Unfall zu verhindern, indem er das Lenkrad nach rechts zieht. Der Handelsvertreter schafft es nicht mehr, das Auto auf die Fahrspur zurückzubringen. "Da ist man machtlos", erklärt er.

In ihrem Pressebericht schildert die Polizei, was danach geschieht. Das von der Straße abgekommene Cabrio gerät auf den Grünstreifen zwischen dem Wildschutzzaun und der Leitplanke. Der Tempomat ist immer noch eingeschaltet, so dass der Wagen weiter beschleunigt. An der Böschung hebt das Auto regelrecht ab, fliegt über den Schutzzaun und stürzt auf die darunter liegende Fahrbahn der Pressather Straße - rund fünf Meter tief.

All dies bekommt Günther Linke bei vollem Bewusstsein mit. Er bemerkt, wie das Auto die Leitplanke durchbricht und wie es mit dem Dach auf der Pressather Straße aufschlägt. Er spürt, wie sein Cabrio nochmals einen Überschlag macht und auf den Rädern landet. Auf dem Gehweg der Pressather Straße endet die Horrorfahrt.

Der Amberger steigt aus dem Cabrio aus. Auf der Beifahrerseite fällt ihm ein viereckiges Loch in der Türe auf. "Da muss es eine Eisenstange durchgeschlagen haben", denkt er sich. Ein Ersthelfer kommt angerannt. Er fragt, was er tun könne. Linke bittet ihn, einen Notarzt zu holen. Jetzt bemerkt er, dass Blut über sein Gesicht rinnt. "Mir ging es soweit gut, aber ich stand natürlich unter Schock." Der 47-Jährige lobt am Tag nach seinem Unfall vor allem die Rettungskräfte, die schnell zur Stelle waren und ihn hervorragend versorgten, sowohl draußen am Unglücksort als auch später im Weidener Klinikum. "Dort lief sofort die ganze Maschinerie an, als ich eingeliefert wurde", erzählt er. "Mensch, dass man das überlebt", sagt der Amberger. Es klingt, als könne er noch gar nicht fassen, welch großes Glück er hatte.

Der 47-Jährige ist leicht verletzt. Er hat wegen der Splitter von gebrochenen Scheiben kleinere Schnittwunden an Händen, im Gesicht und am Kopf, eine Rippenprellung wegen des Gurtstraffers und an der Stelle, an der der Sicherheitsgurt über die Schulter führte, ein Hämatom. "Mich hat's ja in den Sitz zurückgepresst", erinnert er sich. Er weiß auch, dass alle Airbags des Cabrios aufgegangen sind. Es kommt ihm wie ein Wunder vor, dass er keinen einzigen Bruch und auch keine inneren Verletzungen hat. "Ich hab nicht mal eine Gehirnerschütterung, sondern nur eine Beule am Kopf."

Zwei Tage nach dem Unfall wird Günther Linke aus dem Krankenhaus entlassen, an Heiligabend darf er nach Hause. Der 47-Jährige ist froh, dass er überlebt hat, nicht schwer verwundet wurde - aber auch keine anderen Menschen verletzt hat.

Er will sich gar nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn sich an der Stelle, an der das Auto aufkam, jemand aufgehalten hätte. Noch in der Nacht waren seine Frau und sein Sohn von Amberg aus ins Weidener Klinikum gefahren, um Mann und Vater zu besuchen. Sie sind natürlich ebenso erleichtert. Der in Hof lebende Sohn erfuhr von Papas Unfall erst am nächsten Morgen.

Besonderer Heiliger Abend

Klar, dass Günther Linke und seine Familie ein ganz besonderes Weihnachten feierten. "Für mich ist das wie ein zweiter Geburtstag", sagt er und ist seinen überirdischen Beschützern unendlich dankbar. Und er bleibt dabei: "Das war nicht nur ein Schutzengel, das müssen mehrere gewesen sein." (Angemerkt)

Für mich ist das wie ein zweiter Geburtstag.Günther Linke
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