23.04.2018 - 12:24 Uhr
Oberpfalz

Gymnasiasten als Schauspielschüler Schuhe aus, Froschhüpfen

Bitte die Schuhe
ausziehen, heißt es gleich
zur Begrüßung. Ein Gefühl
der Unsicherheit breitet
sich aus. Manche schauen
sogar peinlich berührt zur
Seite.Was soll das werden?
Wozu machen wir das?

von Redaktion OnetzProfil

Amberg/Regensburg. Die Antwort ist
eigentlich ganz einfach: Es ist Teil ei-
nes Theaterworkshops am Stadtthea-
ter Regensburg, den wir, die Schüler-
zeitungsredaktion des Gregor-Men-
del-Gymnasiums Amberg, von der
Bayernwerk AG gesponsert bekamen.
Natürlich hatten viele von uns da-
runter etwas anderes erwartet: Füh-
rung durch das Theatergebäude,
langweilige Vorträge.Aber es kommt,
unter der Anleitung von Marianna
McAven und Marcel Klein, ganz an-
ders. Beide sind Schauspieler des
„Jungen Theaters Regensburg“ und
wollen klarmachen, dass Schauspie-
ler „ein echter Beruf ist“. Dazu geben
sie uns einen kleinen Einblick in ihre
Arbeit, bei dem wir selbst aktiv wer-
den können. Uns ist bewusst, das be-
tonen auch die Referenten, dass uns
an diesem Tag keine Übung peinlich
sein darf.
Nach dem Ausziehen der Schuhe be-
ginnt als erste Aktivität ein wildes
Gezappel: Wir machen Auflocke-
rungsübungen für den ganzen Kör-
per. Dies sei, so die Referenten, für
echte Schauspieler sehr wichtig, da
beim Spielen ganz andere Muskeln
belastet würden als im normalen All-
tagsleben. Wir fühlen uns ein biss-
chen wie vor einer Sportstunde.
Anschließend fahren wir mit einer
ganz anderen Übung fort. Es geht da-
rum, uns zu zeigen, welche Probleme
Sprache für Schauspieler bergen
kann, beziehungsweise darum, zu
beweisen, dass eine klare Artikulati-
on besonders wichtig ist.Wir bekom-
men Karten mit Zungenbrechern
und scheinbar einfachen Sätzen aus-
geteilt. Überraschend viele scheitern.
Es gelingt ihnen nicht, das Geschrie-
bene, auch nach einigen Übungsver-
suchen, vor dem Plenum schnell vor-
zulesen. Laut McAven stünden auch
professionelle Darsteller bei neuen
Rollen vor diesem Problem. „Wir
sprechen den Text dann zuerst ganz
langsam und werden dann immer
schneller“, präsentiert sie auch die
Lösung.
Gut beobachten
Als weitere Schwierigkeit stellt Klein
das Darstellen anderer Charaktere,
etwa einer älteren Altersgruppe, dar.
Er geht extrem locker, Oberkörper
und Arme bewegend, durch den
Raum. „Der amerikanische Präsident
würde so nicht laufen“, gibt er zu be-
denken. Deshalb lernten Schauspie-
ler typische Verhaltensweisen von
Personen zu beobachten und zu imi-
tieren.
Auch wir sollen es an diesem Tag
versuchen, indem wir uns in Zweier-
paaren zusammentun. Der eine Part-
ner läuft diagonal durch den Raum,
der andere hinterher. Beide fühlen
sich dabei komisch. Der eine, weil er
sich unsicher ist, ob er den anderen
richtig imitiert, der andere, weil es
komisch ist, nachgemacht zu wer-
den.
An dieser Stelle wird klar, dass
Schauspiel nicht nur ein lustiges
Hobby ist, sondern auch kompliziert
und anstrengend sein kann. Marian-
na McAven sagt: „Der Spaß ist nur
die Spitze der Pyramide“. Um die Py-
ramide aber überhaupt zu erreichen,
ist es ein langer, steinigerWeg. Unse-
re Coaches erklären, dass es in
Deutschland 13 staatliche Schau-
spielschulen gebe, und außerdem
noch private Schulen, teilweise mit
staatlicher Anerkennung. Auf einen
Kurs mit 10 Plätzen könnten den-
noch durchaus 500 Bewerber kom-
men. Dies erfordere einen Auswahl-
prozess mit dreimaligem Vorspielen,
um das perfekte Ensemble zusam-
menzustellen.
Wer dies erfolgreich durchlaufen
habe, könne dann aber mit erstklas-
sigem Unterricht in den sieben Fä-
chern Bewegungslehre, Sprechbil-
dung, Filmgeschichte, Dramaturgie,
Musik und Gesang, Szenisches Ler-
nen sowie Improvisationstheater
rechnen. Auf einen Dozenten kämen
im Durchschnitt nur zwei Studenten.
Viele Übungen, die wir im Workshop
machten, stammten aus ihrer eige-
nen Ausbildung. Eine ist die Aufgabe,
Mitschüler dazu zu animieren, All-
tagstätigkeiten pantomimisch darzu-
stellen. Auch sonst zurückhaltende
Mitschüler fühlen sich frei, kreativ zu
werden, und treten aus sich selbst
hervor. Das letzte Eis scheint gebro-
chen zu sein.
Improvisationskunst
Dies schafft optimale Voraussetzun-
gen für die letzte Aktivität. Es ist die
Königsdisziplin des Workshops: Wir
spielen selbst Improvisationstheater.
Die Handlung beginnt mit einem vor
sich hin hüpfenden Frosch, führt
über Seilhüpfen ohne Seil und ein
Fußballspiel mit schlechtem Torwart
bis hin zu einem Heiratsantrag, der
aber, hiermit endet das spontan er-
dachte Spiel auch, abgelehnt wird.
Theater zu spielen ist nicht nur ein
Hobby, sondern auch ein richtiger,
anstrengender Beruf. Dennoch:
Theater als Hobby kann Spaß ma-
chen. Und das wirklich überall und
jedem. von Christoph Lösch, 10b, Schülerzeitung
„Grün auf Weiß“ des Gregor-Mendel-Gym-
nasiums Amberg

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