Hilfe wegen fehlender Barrierefreiheit nötig
Bedarf steigt um ein Drittel

Im monatlichen Durchschnitt werden die ehrenamtlichen Helfer der beiden Amberger BRK-Bereitschaften 31 Mal angefordert, um mobilitätseingeschränkte Bahnreisende den Zustieg zum Zug zu ermöglichen. Selbst eine barrierefreier Bahnsteigzugang dürfte daran nur wenig ändern. Foto: BRK

Unumwunden räumt die Amberger BRK-Bereitschaft ein, dass dieser Hilfsdienst nicht zu ihren eigentlichen Kernaufgaben gehört. Dennoch entwickelt sich der Mobilitätsservice auf dem Bahnhof zu einem wahren Renner.

Vor fast genau zwei Jahren zum 1. Januar 2015 haben die beiden Amberger Bereitschaften diesen Service für in ihrer Mobilität eingeschränkte Reisende im Auftrag der Deutschen Bahn AG übernommen. Nun liegen die ersten Vergleichszahlen vor, wird in einer Presseerklärung mitgeteilt.

Im abgelaufenen Kalenderjahr 2016 wurden mithin insgesamt 439 Ein- und Aussteigehilfen am Amberger Bahnhof durch Kräfte der BRK-Bereitschaften geleistet. Durchschnittlich 37 Mal pro Monat waren damit die Ehrenamtlichen vor Ort. Gegenüber 2015 mit 334 entsprechenden Hilfeleistungen kann deshalb binnen eines Jahres eine Steigerung der Inanspruchnahme dieser sozialen Dienstleistung von 31 Prozent registriert werden. Wer den hiesigen Bahnhof kennt, kann sich gut vorstellen, wie schwer es für mobilitätseingeschränkte Reisende ist, dort im Wortsinne "zum Zug zu kommen". Insbesondere die Zustiegsmöglichkeiten in Richtung Nürnberg sind aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit des Tunnelzugangs zum Gleis 2 nicht nutzbar. Speziell hier wird deutlich, wie nötig - respektive eigentlich unverzichtbar - dieser Hilfsdienst der beiden Bereitschaften letztendlich ist.

Der nötige Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Er beginnt damit, dass die geplanten Reisen der Kunden rechtzeitig beim Mobilitätsservice der DB angemeldet werden müssen. Dort wird geprüft, ob für die gewählte Reiseroute am Start- und Zielbahnhof notwendige Hilfsangebote vorhanden sind oder eine bauliche Barrierefreiheit vorliegt. Wenn alles geklärt ist, bekommen die zwei Amberger BRK-Bereitschaften einen Einsatzauftrag mit allen nötigen Informationen von der DB. Für die Reisenden bedeutet das eine erhebliche Vorlaufzeit.

Ist all das geklärt, muss bei Zügen Fahrten Richtung Nürnberg sich der Betroffene bereits gut 20 Minuten vor der Abfahrt des Zuges am Bahnhof einfinden. Denn um auf Gleis 2 zu gelangen, ist im Bahnhofbereich ein Queren von Schienen nötig. Damit dass gefahrlos möglich ist, müssen die eingesetzten Helfer Kontakt mit dem zuständigen Fahrdienstleiter im Stellwerk Amberg aufnehmen, um eine Sperrung der Gleise zu beantragen. Erst wenn diese Sicherheitsvorkehrung bestätigt wurde, dürfen die Schienen überquert werden.

Aber nicht nur das Erreichen des Bahnsteigs stellt ein Problem dar. Auch das Ein- und Aussteigen in die auf dieser Strecke verkehrenden Dieseltriebwagen ist mit einen Rollstuhl nahezu unmöglich. Daher stehen an beiden Bahnsteigen mechanische Hublifter bereit, mit denen die Rollstuhlfahrer in die Züge hinein- und wieder herausgehoben werden können. Auch mit dem für das Jahr 2020 geplanten barrierefreien Umbau des Amberger Bahnhofs wird das Problem wohl nicht ganz gelöst sein, zeigen sich die eingesetzten Kräfte aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen überzeugt.

Zwar ist dann ein hindernisfreier Zugang zu den Bahnsteigen möglich, aber das Ein- und Aussteigen in die Züge dürfte immer noch nicht problemlos funktionieren. Das würde sich erst mit einer Elektrifizierung der Strecke und dem Einsatz von neuem Zugmaterial ändern.
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