22.12.2017 - 11:53 Uhr
Oberpfalz

Hirschauer sucht Erfolgsgeschichten in Kambodscha Was Armut bedeutet

Wie arbeitet die Deutsche Entwicklungshilfe in Kambodscha? Das hat sich der Hirschauer Maximilian Högl drei Monate angeschaut. Er hat Beispiele großer Erfolge gesehen. Ihm ist aber auch bewusst geworden, was Armut wirklich bedeutet.

Max Högl hat sich in Kambodscha erfolgreiche Entwicklungshilfeprojekte angesehen. Dabei traf er Reisbauer Lorn Lim. Mit Hilfe eines Trommelsäers konnte Lim seinen Ertrag verzehnfachen.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Amberg/Siem Reap. Für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fuhr Maximilian Högl durch die Provinz Siem Reap. Er suchte nach Chancen für den wirtschaftlichen Aufstieg der Kambodschaner. Einerseits sollte dies durch mehr Tourismus, andererseits durch eine produktivere Landwirtschaft geschehen. Manche Begegnungen sind ernüchternd.

Siem Reap ist vor allem für die "Angkor Wat" bekannt. Die buddhistischen Tempel aus dem 12. Jahrhundert sind das beliebteste Touristenziel Kambodschas. Doch die Bevölkerung könnte laut GIZ vom Fremdenverkehr noch mehr profitieren. In der Region liegt etwa auch der größte Süßwassersee Südostasiens. Der Tonle-Sap-See verdreifacht im Jahresverlauf seine Größe. Fremdenführer bieten Bootstouren durch die Mangrovenwälder an. Max Högl spricht mit ihnen, versucht, herauszufinden, was die Touristen interessiert und wie erfolgreich die Bootstouren sind. Er nimmt auch mit Familien Kontakt auf, die in ihren Bauernhöfen Fremdenzimmer vermieten.

"Dabei ist mir bewusst geworden, was Armut eigentlich bedeutet", sagt der gebürtige Hirschauer. "Wenn du fragst, 'Wie viele Gäste hattet ihr im letzten Monat?', dann dauert es, bis eine Antwort kommt, dann unterhalten die sich, dann vergehen 5, 10, 15 Minuten, dann bekommst du eine Antwort 'ja keinen'." Er habe dann nach dem vergangenen Jahr gefragt. "Und dann unterhalten sie sich noch einmal 15 Minuten."

Die Armut entstehe nicht nur aus den schlechten Verhältnissen in dem Land, das lange vom Bürgerkrieg zerrütet war: "Es ist diese Ahnungslosigkeit. Das Wissen fehlt, wie man sich selbst helfen kann. Aber das ist auch eine Chance. Das war eine der größten Erkenntnisse für mich." Auch die lokalen Regierungen wüssten sich oft nicht zu helfen: "Die wissen nicht, wie man einen Antrag auf Hilfsgelder stellt."

https://vimeo.com/236859145

Es gibt aber auch Beispiele spektakulärer Erfolge: So etwa die Arbeit der Gemüsebäuerin Phoeur Pha. Vor acht Jahren begann sie, Schulungen der GIZ zu besuchen. Dort lernte sie mit Dünger, Samen und Pflanzenschutzmitteln richtig umzugehen. Zuvor hatte Pha Kohl angebaut und etwa 50 Euro pro Jahr verdient. Nach der Fortbildung vergrößerte sie ihre Ackerfläche und begann, verschiedenes Gemüse anzubauen. So konnte sie viermal im Jahr ernten. Ihr Einkommen durch den Gemüseanbau stieg laut GIZ-Bericht von 50 auf 8000 Euro pro Jahr. Pha wurde zum Vorbild für ihr Dorf.

Auch Lorn Lin profitierte von der GIZ. Högl berichtet, dass der Bauer bis zum Jahr 2007 Reis auf traditionellem Weg ausgesät hat. Er warf ihn einfach aufs Feld. Sein Ertrag war gering. Mit Hilfe eines Trainings und Kontakt zu anderen Bauern im GIZ-Netzwerk gelang ihm 2013 eine bahnbrechende Entwicklung: Er erfand einen Trommelsäer, mit dem er zehnmal weniger Arbeitsaufwand beim Reisaussäen hatte. Zuvor hatte Lin etwa 575 Euro im Jahr durch den Reisanbau verdient. Mittlerweile hat er seine Anbaufläche verzehnfacht und den Ertrag pro Hektar verdreifacht. Heute verdient er etwa 15 000 Euro im Jahr. Alle vier Töchter der Familie werden studieren können. Lokale Unternehmer haben den Trommelsäer inzwischen über hundertmal nachgebaut. Wenn das Wissen da ist, gibt es also durchaus Potenzial für Wachstum in Kambodscha.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.