Historisches Video der Verkehrswacht von 1965 sorgt im Netz für Furore
Im knallroten Opel durch die 60er-Jahre

So sah der Paradeplatz 1965 aus: Fahranfänger Fischer zeigt die Gefahren an dieser Engstelle im Film auf.
 
Herr Fischer hat die "Fahrprüfung" bestanden. Jetzt geht die Fahrt los.

Im Internet kursiert ein fast schon historisches Video: Für Schulungen ließ 1965 die Verkehrswacht einen Film produzieren. Zu sehen sind teilweise vergessene Ansichten der Stadt und der Region. Die Amberger Zeitung ist die Strecke noch einmal mit der Kamera im Auto abgefahren. Vorher sprachen wir mit dem "Fahranfänger" im Film, Erhard Heidinger.

Es war einmal im Jahr 1965. Da suchte die Amberger Verkehrswacht nach einem Statisten für einen verkehrserzieherischen Film. Und sie wurde fündig bei der Polizei. "Der damalige Chef der Landpolizei hat mich gekannt", erinnert sich Erhard Heidinger. "Er hat zu mir gesagt: Sie machen da jetzt mit. Zunächst hatte ich nicht so große Lust darauf."

Das ist nun 53 Jahre her. Vor einigen Wochen fand die Enkelin des 77-jährigen Ambergers eine Kopie des fast schon historischen Videos der Verkehrswacht im Internet. Sie erzählte ganz aufgeregt ihrer Mutter davon. "Sie hat ihr erklärt, dass in dem Film ihr Opa zu sehen ist", sagt Heidinger mit einem schelmischen Grinsen. Kommt Erhard Heidinger etwa zu späten Ehren?

Auch der Vorsitzende der Verkehrswacht, Gernot Schötz, ist etwas überrascht: Von vielen Seiten sei er auf das Video angesprochen worden. "Wie das im Internet auftauchen konnte, weiß ich nicht. Die Rechte an dem Film hat auf jeden Fall unser Verein."

Kamera auf Rücksitzbank

Doch um was geht es überhaupt? Ein Herr Fischer, der von Erhard Heidinger gemimt wird, besteht den Führerschein. Sein Fahrlehrer ist Thomas Fleischmann, der auch in Wirklichkeit jungen Leuten den Weg zur Fahrerlaubnis ermöglicht hat. Fischer kauft sich ein Auto bei einem Händler in der Bayreuther Straße und beginnt eine Tour durch die Region mit einem knallroten (geliehenen) Opel Rekord B. Immer mit dabei ist der Mann mit der Kamera auf der Rücksitzbank. Fischer startet in der Amberger Innenstadt - dort hat sich im Vergleich zu heute einiges verändert. Viele Häuser stehen nicht mehr, einige Straßen wurden zu Einbahnstraßen. Vor allem das damals neu entstandene Bahnhofsgelände hat das Stadtbild geprägt.

Von Amberg geht es auf der B 85 nach Sulzbach-Rosenberg, Hahnbach, Gebenbach und schließlich nach Hirschau. Am Monte Kaolino endet der knapp halbstündige Film damit, dass Herr Fischer - kein Bier -, sondern ein Glas Cola bestellt. Interessant ist, dass der Produzent Rudolf Steinfelder auch das Freizeitvergnügen rund um den Monte Kaolino mit der Super-8-Kamera einfängt. Kinder toben vergnügt im Freibad, braun gebrannte Männer in schwarzen Badehosen sonnen sich auf dem Bergplateau.

Nach Dreh in den Dienst

25 Jahre alt war Erhard Heidinger, als das Video gedreht wurde. "Ich war ein junger Kerl. Den Führerschein hatte ich schon etwa fünf Jahre vorher bei der Bereitschaftspolizei gemacht." Trotzdem spielte er den Fahranfänger. Mehrere Tage lang war er mit seinem Fahrlehrer und dem Kameramann unterwegs. Nur bei schönem Wetter wurde gedreht. "Das war notwendig, damit man am Schluss keinen Unterschied von den Lichtverhältnissen erkennt." Das bedeutete auch, dass Heidinger in seinem Spind bei der Polizei stets die gleiche Kleidung hängen hatte. "Kam ein Anruf: ,Das Wetter passt.' Dann musste ich mich umziehen und los ging es." Nach Drehschluss kehrte Heidinger in die Dienststelle der Polizei zurück - er musste ja weiterarbeiten. Die Kollegen fanden das filmische Engagement Heidingers indes amüsant. "Sie haben mich ab und zu aufgezogen."

Im Einsatz ist der Film zur Verkehrserziehung heute natürlich nicht mehr. "Allein schon der Ton des Sprechers im Hintergrund mit dem erhobenen Zeigefinger, ist nicht mehr zeitgemäß", erklärt Schötz von der Verkehrswacht. Ab und zu zeige er den Film aber zur Belustigung der Mitglieder. Ein Verein dieser Größe würde keinen eigenen Film mehr in Auftrag geben. "Da gibt es vom Landesverband genügend Material." Außerdem habe sich der Schwerpunkt verändert. "In den 1960er Jahren war das Auto auf der Straße wirklich etwas Neues. Wer konnte sich schon ein Fahrzeug leisten?" Die Situation heute sei daher nicht mehr vergleichbar. Vielmehr gehe es nun um ältere Verkehrsteilnehmer bei den Schulungen der Verkehrswacht. "Wir beschäftigen uns mit Senioren, Rollatoren und E-Bikes im Verkehr. Da schlägt der demografische Wandel voll durch."

Heidinger feiert demnächst seinen 78. Geburtstag. Noch einmal abgefahren ist der nette, ältere Herr die Strecke von damals nicht. Weite Touren möchte er nicht mehr fahren. Dafür hat sich die Amberger Zeitung in das Redaktionsauto gesetzt. Wie 1965 haben zwei Kolleginnen die Kamera bei der Fahrt laufen lassen. Was dabei herausgekommen ist, sehen Sie im Video, das oben in der Geschichte eingeblockt ist.
2 Kommentare
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Ulrich Dr. Strobl aus Amberg in der Oberpfalz | 11.02.2018 | 16:37  
Stephanie Wilcke aus Amberg in der Oberpfalz | 12.02.2018 | 10:08  
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