21.08.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Hohe Konzentration von Radon-Gas im Boden - Lungenkrebsrisiko steigt um 40 Prozent: Gefahr in Oberpfälzer Kellern

Amberg/Weiden. Sie riecht nicht, man kann sie nicht sehen und sie tut - vorerst - auch nicht weh: radioaktive Strahlung. Nur ein kleiner Teil entsteht durch den Menschen, etwa bei der Kernspaltung oder beim Röntgen - der Großteil ist natürlichen Ursprungs und bahnt sich, transportiert vom Edelgas Radon, vom Erdinneren aus seinen Weg an die Oberfläche.

Radonbelastung in Häusern: Die Konzentration des Stoffes nimmt nach oben hin ab.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Als ob es dafür keine geeigneteren Flächen auf dem Globus gegeben hätte, tritt Radon ausgerechnet in der östlichen Oberpfalz aus: Der Oberpfälzer Wald ist, neben dem Erzgebirge und dem Alpenrand, die deutsche Radon-Gefahrenzone. "Das ist kein Grund zur Panik", sagt Professor Dr. Heinz-Erich Wichmann vom Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in Unterschleißheim. "Aber durchaus ein Grund zur Besorgnis."

Eine Studie des GSF hat nachgewiesen, dass das Lungenkrebsrisiko mit zunehmender Radon-Konzentration in den den Wohnungen steigt. Professor Wichmann und ein ganzer Stab von Kollegen stellten die Radonwerte aus Wohnungen von 3000 Lungenkrebs-Patienten, den Radonwerten aus Wohnungen von gleich vielen gesunden Personen gegenüber.

Ergebnis: Dort, wo die Radon-Konzentration am höchsten ist, ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um 40 Prozent höher. Natürlich wurden bei der Untersuchung andere Faktoren, wie zum Beispiel der Wohnungswechsel eines Probanden, ob er Raucher oder Nichtraucher ist, mit einbezogen. Wichmann: "Radon führt sowohl bei Rauchern, als auch bei Nichtrauchern zu einer Erhöhung des Lungenkrebsrisikos."

Der Professor hat eine Richtgröße herausgefunden, nach der die Gefahr abgeschätzt werden kann. Demnach steigt das Lungenkrebsrisiko je 100 Becquerel pro Kubikmeter um rund zehn Prozent an. Das entspricht einer Verdoppelung des Risikos bei einer Konzentration von 1000 Becquerel pro Kubikmeter. Karl Dietl aus Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) hat im Keller seines Hauses 4329 Becquerel pro Kubikmeter gemessen, in der darüber liegenden Wohnung immer noch einen Wert von 222.

"Ich war ziemlich geschockt von diesem Ergebnis", erklärt der 63-jährige baubiologische Fachberater. Er zog einen neuen Estrich in den Keller ein, dichtete Risse und Fugen ab und baute einen Abzug über einen stillgelegten Kamin ein - und siehe da, die Werte sanken auf 494 Bq/m? im Keller und 58 Bq/m? in der Wohnung.

"Man kann das Radon-Gas weit gehend aus dem Haus draußen halten", sagt der Neunburger. Voraussetzung sei eine absolut dichte Bodenplatte, eine undurchlässige Grundmauer und eine Querlüftung im Keller. Grundsätzlich sei es wichtig, das Haus gut zu lüften. Dietl geht davon aus, dass die Gegend um Neunburg mit am stärksten betroffen ist. Grundsätzlich gilt die Naab als Frontlinie des Radon-Gebietes.

Östlich davon ist mit höheren Konzentrationen zu rechnen. Natürlich kann das Gas auch im Westen der Oberpfalz zum Problem werden. Vornehmlich in Gebieten mit granithaltigem Untergrund. Genaue Aussagen lassen sich ohnehin nur nach individuellen Messungen treffen.

Stichwort: Radon

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das im Erdboden beim Zerfall von Uran entsteht. Für den Menschen ist es besonders dann gefährlich, wenn es in hohen Konzentrationen über längere Zeit eingeatmet wird.

Die Alphateilchen können die Lunge massiv schädigen. Die Zerfallsprodukte von Radon sind ebenfalls radioaktiv. Bei ihnen handelt es sich nicht um Gase, sondern um Feststoffe. Als Staub kann man sie einatmen und sogar permanent in der Lunge einlagern. Wenn ein Haus gebaut wird, wird zuerst das Erdreich für den Keller ausgehoben, dann werden die Anschlüsse für Strom und Wasser verlegt.

Danach wird Schotter eingebracht und die Betonplatte gegossen. Zwischen die Kellerwände und das Erdreich wird in der Regel Granulat oder ein ähnlich poröses Material gefüllt. In diese "Störungszonen" dringt das Radon aus dem umgebenden Erdreich leicht ein. Der Luftdruck im Erdreich um ein Haus herum ist oft höher als in dem Haus selbst. Dadurch wird radonhaltige Bodenluft regelrecht in das Haus hineingesaugt.

Dies geschieht umso leichter, je weniger Widerstand die Fundamente des Hauses dem Luftstrom bieten. Normalerweise besteht in gut isolierten Häusern die Atemluft nur zu etwa einem Prozent aus der Luft aus dem Boden. Wenn aber keine Isolation vorhanden ist, wenn zahlreiche Risse in Wänden und Böden sind, dann können bis zu 20 Prozent der Raumluft eines Hauses aus dem Erdreich stammen.

(Quelle: www.wikipedia.de).

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