08.04.2018 - 16:22 Uhr
Oberpfalz

Holzeinschlag am Mariahilfberg sorgt für Unmut und Erklärung des Forstamts Bäume bringen auf die Palme

"Was treibt Ihr da? Ihr macht ja den ganzen Wald kaputt!" Solche Vorwürfe, teils noch harscher formuliert, kriegen die Waldarbeiter am Mariahilfberg seit Wochen um die Ohren gehauen. Sie werden kritisiert für ihre Wirtschafts- und Pflegemaßnahme im Baumbestand - zu Unrecht, sagt das Forstamt.

Haufenweise dicke gefällte Bäume: Dieser Anblick auf einem der Hauptfußwege über die verlängerte Lindenallee zur Bergkirche hat bei etlichen Spaziergängern Fragen ausgelöst, die das zuständige städtische Forstamt nun beantwortet. Bilder: Stephan Huber (3)
von Thomas Amann Kontakt Profil

Martin Seits, der Leiter der städtischen Behörde, ist froh, als ihn die AZ anruft und nach den Hintergründen der seit Februar laufenden Aktion fragt. Tatsächlich ist er mancher Anfeindungen, denen er und seine Männer von Spaziergängern und selbst ernannten Schützern des Bergwalds ausgesetzt sind, langsam überdrüssig. Nicht, weil er müde wäre, sich der Diskussion zu stellen, sondern weil die Gesprächspartner meist keine Lust hätten, zuzuhören. Sie bleiben laut Seits in der Regel bei ihrer nur nach Augenschein gebildeten Meinung, wollen sich nicht von anderen Tatsachen überzeugen lassen und sind so von der Palme meist nicht mehr herunterzubringen, auf die sie emotional geklettert sind - obwohl die Tropenhölzer am Mariahilfberg gar nicht wachsen.

"Um nicht noch mehr Ärger zu haben", drückt der Forstamtsleiter mittlerweile das eine oder andere Auge zu, spart einzelne weitere Bäume aus, die bei der Maßnahme eigentlich auch zum Fällen vorgesehen gewesen wären. Trotz solch kleiner Zugeständnisse stellt er aber eines klar: "Wir wollen doch unserem eigenen Wald nicht schaden" - und zum Beweis nennt er eine ganze Reihe von Gründen für die gegenwärtige Aktion. Um aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen, schickt er voraus, dass am Mariahilfberg ein Wirtschaftswald steht, der der kommunalen Waldverordnung unterliegt. Als solcher müsse er nach diesen Vorgaben bewirtschaftet werden, was eben nicht nur Pflege, sondern auch Durchforstung einschließt.

Dabei geht es keineswegs nur um den schnöden Mammon, schildert Seits, selbst wenn er einräumt, dass die Stadt natürlich auch Holz aus ihren Wäldern verkauft. Hauptziel ist nach seinen Worten ein Mehrgenerationenwald aus alten, mittelalten und jungen Bäumen. Diese Mischung erreiche man nur, wenn gerade den nachwachsenden Stämmen genügend Licht, Wasser und Nährstoffe blieben. Von Letzterem ziehen alte, große Bäume laut Forstamtschef in ihrer Umgebung sehr viel aus dem Boden, so dass den jüngeren Konkurrenten für ein gesundes und schnelles Wachstum oft buchstäblich das Wasser abgegraben werde. Um sie jedoch "mitkommen" zu lassen, müsse eben in entsprechenden Aufwuchszonen eingegriffen werden.

Doch auch dabei schauen die Forstleute laut Seits selbstverständlich genau hin, nehmen nur solche größeren Stämme heraus, die "in der Entwicklung zurückgeblieben sind". Alte gesunde und bis zur Krone hinauf schöne Bäume blieben unangetastet. "Für uns ist wichtig, dass wir die Dynamik mitnehmen", erläutert der Amberger den natürlichen Hintergrund. "Der Wald will sich ja verjüngen, wir müssen schauen, dass wir ihn hochbringen." Dass forstliche Eingriffe der Fachleute dabei helfen, dafür wirbt Seits um Verständnis: "Wir kennen unseren Wald, wir wissen genau, wie er aufgebaut ist und reagiert." Angemerkt/Hintergrund

Generationensache

Forstamtsleiter Martin Seits erinnert an den "Generationenauftrag" seiner Behörde, die seit mehr als 25 Jahren konsequent an einem naturnahen Mischwald am Mariahilfberg arbeitet. Dazu gehöre zum Beispiel auch, dass Totholz teilweise bewusst liegen gelassen wird, um Lebensräume für Mikroorganismen zu schaffen. Auch sogenannte Biotopbäume würden nicht abgeholzt, wenn sie Spechthöhlen haben oder Pilzkonsolen Heimat bieten.

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