Hotel Fronfeste in Amberg wird erweitert
Neue Zellen für die Gäste

Gerald Stelzer und Manuela Pabst sorgen sich mit viel Einsatz um das Wohl der Gäste.
 
Der Hochsicherheitstrakt im ehemaligen Gefängnis. Auch für die neuen Themenzimmer haben sich die Eigentümer des Hotels Fronfeste wieder witzige und oft sehr zweideutige Namen einfallen lassen. Bilder: Hartl (2)

Mit dem großen Schlüsselbund in der Hand klimpert Gerald Stelzer den ehemaligen Zellentrakt entlang. Fast erinnert er an die Wärter, die hier lange Dienst taten. Gefangene gibt es aber schon längst keine mehr. Seit einigen Jahren heißen sie Gäste und bezahlen sogar für den Aufenthalt im "Knasthotel".

Sie heißen "Schiebehaft" oder "Hochsicherheitstrakt" - für die acht neuen "Zellen" in ihrem außergewöhnlichen Hotel am Paradeplatz haben sich die drei Gesellschafter Gerald Stelzer, Peter Voss und Thomas Roidl wieder pfiffige Namen einfallen lassen. "Aber die Bezeichnung Nasszelle für dieses Zimmer hier gefällt mir überhaupt noch nicht", stellt Gerald Stelzer fest und schließt die schwere Eichenholztür auf. Hier muss noch nachgearbeitet werden, zumindest was den Namen betrifft.

So nach und nach haben Stelzer und seine Mitgesellschafter in den vergangenen Jahren aus der gruselig kalten Fronfeste, dem ehemaligen Landgerichtsgefängnis, ein wohnliches Hotel mit dem ganz besonderen Flair gemacht. Seit einigen Wochen ist es geschafft: Die letzten acht Zimmer sind bezugsfertig, mittlerweile können im Hotel bis zu 50 Gäste untergebracht werden. "Das ist eine ganz gute Größe", sagt Stelzer und verweist darauf, dass die Fronfeste seit ihrer Eröffnung beinahe ständig "bis zum Anschlag" ausgebucht ist.

Konzept kommt an

Kein Wunder, das Konzept der "Rast im Knast" kommt bei einem sehr breiten Publikum an. Hier nächtigen Radler, die auf dem Fünf-Flüsse-Radweg unterwegs sind, neben Mitarbeitern von großen Firmen, die ein intensives Teambuilding betreiben, und Privatleuten, die sich den Prickel des Gefängnislebens geben wollen. Umso wichtiger war es Stelzer, der inzwischen die meiste Zeit seines Lebens hinter schwedischen Gardinen verbringt, die letzten der verbliebenen Zellen bewohnbar zu machen.

Wieder klimpert Stelzer mit dem großen Bund, findet den richtigen Schlüssel und öffnet das neue Paradezimmer im frisch renovierten Gebäudeflügel: Hochsicherheitstrakt. Hier nächtigt der Gast im wahrsten Sinne des Wortes hinter Gittern. Das Bett befindet sich in einem großen Käfig, der auf Stelzen steht. Damit konnte nicht nur zusätzlicher Raum unter dem Bett geschaffen werden, die Gäste können auch aus den hoch angebrachten Fenstern in den Stadtgraben schauen. "Entspricht natürlich alles der gängigen Feuerschutzverordnung und den Anforderungen des Denkmalschutzes", sagt Stelzer und schmunzelt dabei.

Ja, so gibt er unumwunden zu, manchmal versteht er sie einfach nicht, die unzähligen Paragrafen, an die er sich nichtsdestotrotz eisern hält. Viermal im Jahr wird die Brandmeldeanlage auf Herz und Nieren getestet, einmal die Rauchtüren. Selbstverständlich mussten auch die Gitter vor den Fenstern so umgebaut werden, dass sie im Notfall von außen durch die Feuerwehr geöffnet werden können.

Die Mühe hinter dem Erfolg sehen die Wenigsten. Aber so soll es auch sein. Die Gäste bekommen die leichte Seite des vergitterten Hotellebens zu sehen. Firmen wie Audi, Siemens, Adidas oder Datev wissen das zu schätzen und buchen regelmäßig für Tagungen. Aber auch "Leute vom Fach" finden ihre Freude am Übernachten in der ehemaligen Fronfeste. Erst kürzlich besuchte der 1. Senat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe das frisch renovierte Landgericht - genächtigt wurde selbstverständlich im Hotel Fronfeste. Dort quartiert sich unter anderem auch die Schweizer Sicherheitsfirma ein, die dafür sorgen soll, dass aus dem "echten" Knast in der Werner-von-Siemens-Straße niemand entkommt.

Die schweren Jungs

"Hier waren anscheinend die ganz schweren Jungs untergebracht", sagt Gerald Stelzer und öffnet gleich zwei der massiven Eichentüren, die ebenso aufwendig restauriert wurden, wie das übrige noch erhaltene Interieur. "Jedes unserer Zimmer ist anders, das macht uns aus", sagt er voller Stolz. "Viele der Einrichtungsgegenstände entwerfen die Chefs ja gleich selbst", ergänzt Manuela Pabst, die sich seit einiger Zeit liebevoll um das Marketing kümmert. Stelzer winkt nur ab und klimpert wieder mit seinem Schlüsselbund.

"Zwei Dinge kannst du in der Hotellerie niemals richtig machen: die Matratzen in den Betten und den Kaffee", stellt Gerald Stelzer trocken fest und lacht schon wieder. Und wie auf Kommando strahlt die Sonne vom Paradeplatz her durch die Fenster und taucht alles in ein helles Licht.

Ein großer Wunsch wäre noch offenEs existiert nichts Gutes, das nicht noch besser gemacht werden könnte. Nach diesem Motto werkelt und tüftelt Gerald Stelzer beinahe ununterbrochen am Hotel Fronfeste. Alte Sachen müssen auf Flohmärkten aufgetrieben und neue Dinge auf alt getrimmt werden, um die Einrichtung möglichst authentisch erscheinen zu lassen. Trotzdem bleibt Stelzer immer noch genug Zeit, um sich mit seinem größten Wunsch derzeit zu beschäftigen: Er würde sehr gerne die freie Fläche zwischen Hotel und Zwingermauer mit einer Glaskonstruktion überdachen und so in einen zusätzlichen Tagungsraum verwandeln. Selbstverständlich ganz vorsichtig und den Gegebenheiten des Denkmalschutzes angemessen - versteht sich.

Alle helfen zusammen

Angemerkt von Andreas Ascherl

Wer vor Jahren darauf gewettet hätte, dass es Gerald Stelzer und seine Kompagnons allen Unkenrufen zum Trotz schaffen, aus dem damals schon etwas gruseligen ehemaligen Landgerichtsgefängnis am Paradeplatz ein gut gehendes Hotel zu machen - er wäre schlicht ausgelacht worden. Aber die Drei vom Knast haben sich von den Unkenrufen nicht beirren lassen und - Bauvorschriften hin, Feuerschutzverordnung her - ihr Ding gegen alle bürokratischen Hemmnisse durchgezogen. Jetzt ist das Hotel Fronfeste ein Besuchermagnet für die Stadt Amberg, und alle haben es natürlich schon im Vorfeld gewusst, dass es ein Erfolg werden wird. Aber so laufen sie nun mal, die Dinge, das ist ja nur menschlich.

Schön wäre es da freilich, Gerald Stelzer könnte sich auch seinen vorläufig letzten Wunsch erfüllen, was sein Lebenswerk angeht: die lichte Überdachung und künftige Nutzung des bisher brachen Freiraums zwischen Fronfeste und äußerer Zwingermauer. Dem Hotelier wäre damit sehr geholfen und der Schönheit unserer Stadtansicht auch nicht wesentlich geschadet. Das wäre doch mal ein Punkt, an dem alle zusammenhelfen können, die es in der Hand haben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nur zum Wohle unserer Stadt natürlich.
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