12.07.2017 - 14:12 Uhr
Oberpfalz

Im Langerichtsgebäude stehen zwei absolute Unikate und Hingucker Dienstkutsche und Nomoi-Stele

4000 Jahre Rechtsgeschichte auf einer Nomoi-Stele und die alte Kutsche, die einst der Leiter der Amberger Justizvollzugsanstalt als "Dienstwagen" nutzte: Das passt gut zusammen und steht jetzt im Gebäude des Landgerichts.

Wolfgang Schmalzbauer schuf diese Nomoi-Stele. Bilder: gf (2)
von Autor GFRProfil

Es sind zwei absolute Unikate, wobei das Kunstwerk vom früheren Präsidenten des Hauses, Wolfgang Schmalzbauer, geschaffen wurde. Sein Nachfolger Harald Riedl betonte bei der Vorstellung beider Schätze, dass die Kutsche aus dem Fundus des Gefängnisses im Landgericht an der Regierungsstraße besser aufgehoben sei, als in irgendeinem Depot eines Museums in München.

300 Jahre alt und restauriert

Dem stimmte auch Leitender Regierungsdirektor Peter Möbius, der Chef der JVA, zu und sprach von einer Leihgabe auf unbestimmte Zeit. Zumal in seinem Haus Platzmangel herrsche und die sehenswerte Kutsche, die vor knapp 300 Jahren tatsächlich als Dienstfahrzeug für den Gefängnisleiter angeschafft worden war, aufwendig restauriert wurde. In der JVA bliebe sie dennoch unbeachtet, weshalb das schmucke Stück im alten Eingangsbereich des Landgerichts viel besser aufgehoben sei.

Mit seiner Nomoi-Stele hat Wolfgang Schmalzbauer 4000 Jahre Rechtsgeschichte dokumentiert. Wie er erläuterte, hat er vier Holzböcke übereinandergestellt und auf den jeweiligen Außenseiten historische Abbildungen angebracht, so den Codex Hammurabi aus der Zeit um 1700 vor Christus. Er ist in Akkadisch abgefasst, im Original in Diorit eingemeißelt und gelte als das älteste quellenbelegte Dokument einer der Gerechtigkeit verpflichteten Staats- und Rechtsordnung.

Dekret der alten Ägypter

Das Nauri-Dekret sei um 1287 vor Christus im alten Ägypten entstanden, stellt laut Schmalzbauer aber ausschließlich Einzelfallregelungen dar. Der Friedensvertrag von Kadesch aus dem Jahr 1259 vor unserer Zeitrechnung zwischen dem ägyptischen Pharao Ramses II. und dem Hethiterkönig Hattusili III. gelte als der älteste Friedensschluss der Weltgeschichte. Solons Gesetze (590 vor Christus) sollten ferner dem rücksichtslosen Gewinnstreben führender Familienclans in Athen ein Ende setzen und allen Bürgern Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit sichern. Das Zwölftafelgesetz der Römer um 450 v. Chr. fasst Prozess-, Zivil-, Straf- und allgemeines Verwaltungsrecht zusammen, informierte der Ex-Landgerichtschef. Aus China und der Zeit um 300 vor Jesus stamme Daodejing, eine Sammlung von Spruchkapiteln und einer humanistischen Staatslehre. Die Thora sei um 440 v. Chr. erstellt worden und bilde in der jüdischen Religion den Hauptteil des Tanach. Mit dem Ashoka-Edikte aus dem dritten Jahrhundert vor Christus hat Buddha "Frieden für alle Wesen" verlangt, skizzierte Schmalzbauer weiter, die Didache sei im ersten Jahrhundert in Syrien abgefasst worden und enthalte Vorgaben zur Gottes- und Nächstenliebe.

Germanen, Römer, Koran und die USA

Die Nomoi-Stele befindet sich im Treppenhaus zum zweiten Obergeschoss des Landgerichts. Sie zeigt auch germanische, römische und iberische Rechtsvorstellungen, die die Leges Visigothorum (5. bis 8. Jahrhundert) enthalten und in Spanien noch bis ins 20. Jahrhundert existierten. Der Taschkenter Koran ist laut Schmalzbauer im neunten Jahrhundert zusammengefasst worden und habe lange Zeit als die aus Medina verbrachte Fassung gegolten. Im 16. Jahrhundert sei das 3. Litauenstatut erstellt worden und etwa 100 Jahre später habe Hugo Grotius das Völkerrecht und dessen wissenschaftliche Basis begründet. Die Verfassung der USA ist laut Schmalzbauer 1787 entwickelt worden und im Code Napoleon seien 1804 die Gesetzeswerke Napoleons dokumentiert worden. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 festgehalten und ist ebenfalls Teil der Stele. (gfr)

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