06.09.2017 - 17:30 Uhr
Oberpfalz

Immer mehr Graffiti-Schmierereien verunzieren die Stadt Von Kunst keine Spur

Hammer und Sichel, ein erigierter Penis und viel unverständliches Gekritzel - an vielen Gebäuden der Stadt sind diese "Graffitis" zu finden. Oft unüberlegt hingeschmiert an private und öffentliche Gebäude oder Denkmäler. Doch immer öfter erwischt die Polizei die meist jugendlichen Täter.

Der sogenannte Wimmerstadl im Englischen Garten ist ein bei Sprayern sehr beliebtes Objekt. Künstlerisch wertvoll ist aber keines der "Werke", das sie dort hinterlassen. Bild: Stephan Huber
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Gleich zweimal in sechs Wochen ging ein junger Bursche der Polizei ins Netz. Er hatte an vielen Stellen der Stadt sein "Tag" hinterlassen, seine farbige Unterschrift. Wahllos hatte er freie Flächen im Parkdeck an der Marienstraße und an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet beschmiert. Von der Polizei gefragt, warum es das macht, blieb er eine Antwort schuldig. Es wisse es nicht, so sagte er. Ihm war einfach langweilig. Langeweile mit Folgen. Für die Hausbesitzer, die Steuerzahler und letztendlich auch für die Sprayer. Einer, der ein Lied davon singen kann, ist Erwin Besold, der im Baureferat mit dieser Problematik betraut ist. Auf seinem Computer finden sich zahlreiche Bildergalerien mit Schmierereien an städtischen Gebäuden.

"Da lasse ich gar nichts mehr machen", sagt er und zeigt ein Bild vom vollkommen zugesprayten Parkdeck an der Marienstraße. Es habe ja auch überhaupt keinen Sinn, die unzähligen Tags dort zu entfernen. "Wir wischen denen praktisch die Tafel und dann geht es von vorne los." Bild für Bild blättert er die Galerie durch: Dockenhansl, Wimmerstadel, Maltesergarten und Nabburger Tor sind nur einige der Stellen, an denen die zweifelhaften Unterschriften der selbst ernannten Graffiti-Künstler prangen. Übrigens inzwischen keine reine Männerdomäne mehr: "Mittlerweile wurden auch zwei Mädchen festgenommen", sagt Besold.

"Das Nabburger Tor lasse ich jetzt mal wieder streichen", kündigt er an und hofft, dass es möglichst lange unschuldig weiß bleibt. Letztendlich, so Besold, helfe nur noch eine Kameraüberwachung. "Die rechtliche Machbarkeit prüfen wir bereits." Der Bursche, den die Polizei zweimal verhaftet hat, hat übrigens inzwischen eine Stelle als Maler angetreten.

Das sind die rechtlichen Folgen

Entgegen der landläufigen Meinung, die besagt, dass die Hauseigentümer auf den von Graffiti verursachten Schäden meist sitzenbleiben, gibt es tatsächlich weitreichende rechtliche Folgen für die Sprayer - wenn sie denn erwischt werden. Denn abgesehen davon, dass Kinder ab 14 Jahren strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können, sind sie ab dem siebten Lebensjahr schadenersatzpflichtig.

Praktisch gesehen bedeutet das für die Geschädigten, dass sie vor Gericht einen Schuldtitel gegen den Täter erwirken können - allerdings nicht gegen die Eltern, die normalerweise nicht für ihre Kinder haften müssen. Dieses Recht auf Schadenersatz gilt übrigens 30 Jahre lang. Hat also ein Sprayer im Moment seiner Tat kein Geld, kann es ihm passieren, dass er Jahre später zur Kasse gebeten wird. Eine andere Möglichkeit ist der Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem außergerichtlich eine Einigung zwischen den Parteien erreicht wird. Eingeleitet wird er meist von der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht.

Versicherungen kommen übrigens meistens nicht für die Schäden durch Graffiti auf. Einige bieten allerdings spezielle Policen für diesen Fall an. (ass)

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