23.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Interreligiöser Trialog Wort Gottes aus christlicher Sicht

Im Namen Gottes und seines Wortes geschieht zuweilen Ungeheuerliches. Die derzeitige Situation sei keineswegs allein ein Problem der Muslime, denn radikale jüdische Siedler besetzen Palästinensergebiete unter Verweis auf ihre heiligen Schriften. Und im vergangenen Jahrhundert hatten getaufte Christen ganze Völkerschaften ausgelöscht.

Dr. Böttcher zeigte in seinem Vortrag nicht nur die christliche Position für ein angemessenes Verständnisses des Wortes Gottes auf, sondern nahm auch immer wieder Bezug zu den beiden anderen monotheistischen Religionen Judentum und Islam.
von Adele SchützProfil

Diese bedrückende Gemengelage nahmen das Evangelische Bildungswerk und die Katholische Erwachsenenbildung zum Anlass, das Thema "Wort Gottes" im interreligiösen Trialog aufzunehmen. In der Synagoge der jüdischen Gemeinde widmete sich zunächst Rabbiner Elias Dray diesem Thema, in der neuen Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde dann der muslimische Religionslehrer Erhan Cinar aus Fürth. Dr. Reinhard Böttcher, Pfarrer und theologischer Referent im Evangelischen Bildungswerk, rundete den interreligiösen Trialog ab und erläuterte bei einer Matinee im evangelischen Paulaner-Gemeindehaus die Thematik aus christlichen Sicht.

Als Schöpfer der Welt

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen bestritt er auf provozierende Weise seinen Glauben an die Bibel, um seinen Glauben an den zu bekennen, der die Bibel "bezeugt" - Jesus Christus. Wobei Böttcher in Jesus Christus die entscheidende Offenbarung Gottes als Schöpfer der Welt und als Gott des ersterwählten Volkes Israel sah.

Damit zeigte er den "unauflöslichen Zusammenhang" zwischen christlicher Kirche und Israel aufgezeigt: "Jesus von Nazareth war und ist Jude. Und wer diesen Tatbestand leugnet und nicht ernst nimmt, verfehlt den Kern des christlichen Glaubens." Offen markierte der Theologe eine weiche Flanke des christlichen Glaubens: Was Christen ihrer heiligen Schrift dennoch gewiss sein ließen, sei die jahrtausendalte Erfahrung, dass Gott dieses Buch dazu gebraucht habe, sich selber kund zu tun, und dabei auch der Kirche immer wieder kritisch in die Parade zu fahren. Diese Erfahrung ist laut Böttcher verbunden mit dem Vertrauen auf Gottes Geist, der die Kirche immer wieder nähre und leite. "Muslime stünden da auf sichererem Boden mit der Überzeugung, der Qumran sei dem Propheten Muhammad von Allah direkt eingegeben."

"Der eine Gott"

Böttcher spielte auch auf zahlreiche gemeinsame Grundüberzeugungen an, vor allem im Bereich religiöser Moral und Ethik: "Vielleicht ist das ja ein Hinweis darauf, dass hinter allem Geschichtswalten der eine Gott steht, uns immer wieder entzogen als Geheimnis der Welt und unseres individuellen wie kollektiven Lebens." Im anschließenden Gespräch, in das sich immer wieder die muslimischen Teilnehmer einschalteten, gab es auch kritische Fragen. Zum Beispiel, ob der Referent mit der Vorstellung der Bibel als "Zeugnis" des Wortes Gottes nicht einer autoritären Grundfigur folge.

Andere wollten von Böttcher wissen, wo Gemeinsamkeiten in der Sicht auf Jesus liegen. Im Koran werde er als herausragender Prophet Allahs vorgestellt und von Muslimen hoch geschätzt. Aber es gebe auch Unterschiede zum christlichen Verständnis - zum Beispiel, was seinen Tod und dessen Bedeutung betreffe.

Offensichtlich elektrisierten die angeschnittenen Fragen und das benutzte Format so sehr, dass spontan der Wunsch aufkam, den interreligiösen Trialog mit einem anderen Thema fortzusetzen.

Jesus von Nazareth war und ist Jude. Und wer diesen Tatbestand leugnet und nicht ernst nimmt, verfehlt den Kern des christlichen Glaubens.Reinhard Böttcher

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