07.07.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Interview mit dem Museumsleiter Geschichtspark doppelt mit aufgebaut

Amberg/Bärnau. Die Amberger Gymnasiasten führten auch ein Interview mit Museumsleiter Stefan Wolters, M.A.

Stefan Wolters zeigt, wie man mit dem Bogen umgeht. Bild: hfz
von Redaktion OnetzProfil

Wie gelingt es Ihnen, Kinder und Jugendliche von Geschichte zu begeistern?

Stefan Wolters: Wir versuchen immer, unseren Besuchern den Menschen in der Geschichte zu zeigen. Geschichte sind nicht Urkunden und Jahreszahlen, sondern Menschen, die Dinge tun, Probleme bewältigen, die sich in allen Zeiten eine lebenswerte Umgebung schaffen - so wie wir. Wenn es gelingt, die Entwicklung aufzuzeigen, von damals bis heute und die Besucher entdecken, wie das Mittelalter die heutige Welt beeinflusst hat, beginnt das Verständnis und Interesse bei den Schülern.

Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht als Archäologe in diesem Park arbeiten würden und wie kam es dazu, dass Sie in Bärnau arbeiten?

Ich habe viele Jahre als Archäologe auf Ausgrabungen gearbeitet, das ist mein Traumberuf und ohne den Geschichtspark würde ich das noch heute tun. Manchmal fehlt es mir, aber nur bei gutem Wetter! In Bärnau arbeite ich, weil mich der Trägerverein um Rat und Hilfe gefragt hat, weil sie keine rechte Vorstellung vom "echten" Mittelalter hatten und nichts falsch machen wollten. Ich hörte mir Ihre Ideen an, "gab meinen Senf dazu" und bin dabei geblieben.

Sind Sie schon von Anfang an in Bärnau dabei gewesen? Wenn ja, wie war es dann, die Entwicklung des Geschichtsparks zu sehen?

Tatsächlich habe ich mir das Konzept mit den drei Zeitfenstern überlegt, habe die Ausgrabungen zu den Häusern rausgesucht, die man nachbauen könnte, habe die Zeichnungen gemacht, alles mit den Architekten besprochen und bei fast allen Häusern auch selbst mitgebaut. Am Anfang der Konzeptarbeit war gar nicht klar, ob wir es wirklich jemals bauen können. Als es dann wahr wurde, war es natürlich großartig zu sehen, wie aus einer Idee eine mittelalterliche Welt wird.

Nun zu sehen, wie gut wir in der deutschen Museumslandschaft angesehen sind und wie sehr auch andere Wissenschaftler - Archäologen und Historiker - unsere Arbeit zu schätzen wissen, das freut einen natürlich gewaltig. Wir Vereinsmitglieder haben ja über 50 000 Stunden Arbeit in die Häuser und die Landschaft gesteckt, das ist natürlich auch ein besonderes Erlebnis. Und ich habe hier tolle Menschen getroffen.

Wieso kam es zu einem Geschichtspark und nicht zu einem Museum oder Ähnlichem?

Wir wollten etwas Lebendigeres schaffen als ein "normales" Museum, man sollte die Häuser benutzen und betreten können und mit unseren Vereinsmitgliedern wollten wir Handwerk und mittelalterliche Lebens- und Arbeitsweisen vorführen. Wir wollten auch Menschen ansprechen, die Museen langweilig finden und ihnen helfen, einen Zugang zur Geschichte zu finden, für den sie nicht irgendwelche Kunstschätze in gläsernen Vitrinen anschauen müssen. Zudem braucht ein Museum, um sich als solches zu bezeichnen, echte alte Artefakte in einer großen Sammlung - solche wertvollen Stücke kann man natürlich nicht benutzen und muss sie teuer versichern. Darum wollten wir so etwas nicht und haben uns das Konzept des Geschichtsparks ausgedacht.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für den Geschichtspark Bärnau in der Zukunft?

Die weitere Entwicklung fängt gerade schon an: Im Moment starten wir eine Zusammenarbeit mit den Universitäten von Prag, Pilsen und Bamberg. Wer dort Archäologie studiert, wird künftig auch nach Bärnau kommen und hier mitbauen, mithelfen und forschen. Ein Archäologe, der mal ein Haus oder einen Ofen in Originaltechnik gebaut hat, der wird natürlich auf einer Ausgrabung die Reste viel besser erkennen und zuordnen können. Wie das alles ganz richtig und original gemacht werden muss, das finden die Studenten dabei auch noch in Versuchen heraus und bringen so die Wissenschaft weiter voran. Diese Versuche und Vorträge und Workshops sind übrigens öffentlich für jeden zugänglich, auch wenn man nicht Archäologie studiert!

Teilt Ihre Familie Ihre Begeisterung für Geschichte?

Ähm, nicht so richtig. Zwar finden sie das schon auch alles interessant und der Erfolg freut sie für mich - aber sie sehen natürlich auch, wie viel Zeit das alles braucht und wie viele Wochenenden ich nicht zu Hause bin.

In welcher Epoche der Geschichte würden Sie selbst gern leben?

Ich kann mich sehr für das frühe Mittelalter des 9.Jahrhunderts begeistern. Tatsächlich finde ich aber auch die Zeit um 1880 toll und bin ein großer Fan der Zeit der Siedler und Cowboys im amerikanischen Westen - aber leben möchte ich heute, weil ich mir meine Arbeit selber aussuchen kann, meine Hobbys ausleben kann, weil ich forschen kann und manchmal reisen und weil wir immer sauberes Trinkwasser und eine gute Krankenversorgung haben. Wer sich in der Geschichte auskennt, der weiß, dass es uns heute ganz schön gut geht - obwohl natürlich auch andere Zeiten ganz besondere Vorzüge hatten.

Uns hat das Bogenschießen und Speerwerfen großen Spaß gemacht. Was bevorzugen Sie eher? Speer oder Bogen?

Ich schieße schon sehr lange Bogen und glaube, ich kann gut damit umgehen. Würde ich meine Nahrung selber erlegen müssen, wäre der Bogen meine erste Wahl, damit ist man effektiver und erfolgreicher. Aber gefallen tun mir Speere und ich habe mittlerweile eine schöne kleine Sammlung, ich übe damit und wenn ich manchmal in Mittelalterklamotten wandere, nehme ich gerne einen mit, weil es toll ist, damit herum zu laufen. Irgendwie ein urtümliches Gefühl, mit einem Speer unterwegs zu sein.

Klasse 8c des Gregor-Mendel-Gymnasiums Amberg

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