13.03.2018 - 15:50 Uhr

Iraker verkauft Drogen auch an Minderjährige Viele Kunden in Abduls Drogenladen

Abduls Drogenhandel ist praktisch immer geöffnet. Dass der 40-Jährige Haschisch verkauft, spricht sich rasch herum. So geben sich dann seine Kunden im Asylbewerberheim an der Kümmerbrucker Straße quasi die Klinke in die Hand.

von Autor HWOProfil

Abdul ist ein Pseudonym. Unter diesem Decknamen firmierte der 40-Jährige aus dem Irak bei Facebook, auch seine Abnehmer nannten ihn so. Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts hat der Araber, der seit 2009 in Deutschland lebt, seine Deals zugegeben.

Drei Pfund Haschisch

23 einzelne Verkäufe hielt ihm Staatsanwältin Franziska Denk in ihrer Anklageschrift vor. Doch in Wirklichkeit dürften es während der Jahre 2016 und 2017 weitaus mehr gewesen sein. Denn immerhin verhökerte Abdul meist grammweise insgesamt nahezu drei Pfund Haschisch. Auch das ist eine fiktive Zahl. Es könnte auch mehr gewesen sein. Die Ware war eingetütet, sie kostete zehn Euro pro Gramm. In der Stadt Amberg und der ganzen Region sprach sich das offenbar rasch herum. Abnehmer, darunter auch 16- und 17-Jährige, wussten: Der Iraker hatte stets etwas in seinem Zimmer, das sich zum Drehen eines Joints eignete.

Lieferant aus Syrien

Nach seiner Festnahme im Juni vergangenen Jahres hatte der Mann vor Kriminalbeamten reinen Tisch gemacht, seine Kunden genannt und einen 21-jährigen Syrer als Lieferant bezeichnet. Der wohnte zu dieser Zeit allerdings nicht mehr an der Kümmersbrucker Straße und hielt sich längst in Weiden auf.

Was danach in Weiden geschah, nahmen die Amberger Richter jetzt interessiert zur Kenntnis. Drogenfahnder kümmerten sich um den Mann und brachten heraus, dass er in Weiden einen umfangreichen Rauschgifthandel aufgezogen hatte. Im April gibt es nun einen Prozess gegen ihn, bei dem über 80 einzelne Deals zur Debatte stehen werden. Auch er sitzt in Untersuchungshaft.

Eine Kommunikationspanne der Behörden führte wohl dazu, dass sich beide Männer unterdessen in der Weidener Justizvollzugsanstalt trafen. Was dabei geschah, weiß keiner. Deutlich aber wurde jetzt: Der 40-Jährige aus dem Irak wollte den Syrer plötzlich nicht mehr kennen. "Eine andere Person als derjenige, der mich in Amberg beliefert hat", ließ er übersetzen. "Aber Sie haben ihn doch als Lieferanten klar genannt. Auch mit seinem Namen", wunderte sich Kammervorsitzende Roswitha Stöber. Doch der Angeklagte blieb dabei: "Der war es nicht."

Mahnende Worte

Der Syrer sollte als Zeuge gehört werden. Wegen des gegen ihn laufenden Verfahrens musste er keine Angaben machen. Er sagte auch nichts. Nur das: "Ich wüsste nicht, was ich hier mitteilen sollte." Die Drogendeals können zwischenzeitlich als weitgehend erwiesen gelten. Doch die Vorsitzende machte den 40-Jährigen wiederholt darauf aufmerksam: "Es ist ein gravierender Unterschied, wenn man hier alles sagt oder plötzlich etwas verschweigt, das bereits in Vernehmungsunterlagen steht."

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