Josef Dotzler feiert ein besonderes Jubiläum
Ein Leben lang an der Orgel

Auch am Klavier im heimischen Wohnzimmer gibt Josef Dotzler ein kleines Ständchen.
 
Als 13-Jähriger hat er angefangen - bis heute hat ihn das Instrument nicht losgelassen. Josef Dotzler ist seit 75 Jahren Organist. Bild: Privat

Ein 13 Jahre alter Bub wird ins kalte Wasser geschmissen: Er muss in der Kirche als Organist einspringen. 75 Jahre später sitzt der Junge von damals immer noch an der Orgel und zieht Bilanz.

Es ist der 1. April 1943. Inmitten des Zweiten Weltkriegs, der auch in Amberg seine Spuren hinterlässt, steht Josef Dotzler an diesem Tag an einem besonderen Platz in der Stadt. Besser gesagt, er sitzt. Mit seinen damals 13 Jahren als junger Bursch zum ersten Mal an der Kirchenorgel in der Amberger Dreifaltigkeit. Und begleitet dort die Messe musikalisch. 75 Jahre später, im April 2018, spielt Dotzler im Alter von 88 Jahren immer noch Orgel. Jetzt in Raigering - jeden Sonntag.

75 Jahre an der Orgel, 75 Jahre im Kirchendienst. Was hat sie damals bewegt, sich zum ersten Mal an die Orgel zu setzten?

Dotzler: Zu dieser Zeit waren die Männer im Krieg, teilweise schon gefallen. Da musste ich ran. Mit 13 Jahren. Ich hatte da schon ein paar Jahre Klavierunterricht. Üben konnte ich damals mit dem Klavier des Kindergartens, bis meine Eltern selbst eines gekauft haben.

Erinnern Sie sich, was sie damals als Erstes spielten?

Ich habe, wie zu dieser Zeit fast jeder Bub, ein Tagebuch geführt. Laut diesem war es eine "Heilige Stunde", zusammen mit einem Mädchenchor, den die Kindergartenschwester Ulrika leitete. Ihr Nachname ist mir aber leider nicht mehr geläufig. Diese Anbetungsandachten fanden jeden Donnerstag vor dem Herz-Jesu-Freitag statt.

Seitdem hat Sie das Orgelspielen nicht mehr losgelassen...

Stimmt, seitdem ist orgeln im Dienst der Liturgie mein Hobby, meine Freude. Bis 1986, 43 Jahre lang, habe ich in der Pfarrkirche Dreifaltigkeit gespielt. Die Orgel stammte aus Regensburg St. Cäcilia und wurde nach Amberg verkauft. Sie war, wie alle früher, noch pneumatisch, das heißt, nur mit Luft betrieben. Heute sind ja alle elektrisch.

An welche Begebenheit in ihrer langen Zeit als Organist erinnern Sie sich am liebsten?

Ein besonderes Ereignis war die Übertragung einer Festmesse im Bayerischen Rundfunk. Es war wohl das Fest Allerheiligen, es dürfte Anfang der 1970er Jahre gewesen sein, gefeiert von Stadtpfarrer Monsignore Leonhard Maier. Auch er war sehr musikalisch, ist immer bis zum Schluss der Gottesdienste mit seinen Ministranten am Altar sitzengeblieben, bis der Organist sein Ausspiel beendet hatte.

Warum haben Sie dann die Pfarrei gewechselt?

Für mich war es ein schwerer Abschied aus der Dreifaltigkeit. Einmal gab es einen neuen Chorleiter. Der glaubte, fehlerlos zu sein. Nur andere seien schuld, wenn mal Fehler gemacht wurden. Bloß er nicht. Das machte mich nervös, und so nahm ich 1986 nach 43 Jahren Abschied als Organist der Kirche Heilige Dreifaltigkeit.

Ihre neue Heimat war die Nachbarpfarrei...

Ich nahm den Auftrag, in Raigering zu spielen, gerne an, zumal dort auch ein guter Kirchenchor gesungen hat. Von Pfarrer Andreas Meckl wurde ich mit offenen Armen empfangen. Nun bin ich schon seit 32 Organist in der Pfarrei Sankt Josef.

Haben Sie auch andere Orgeln gespielt?

Ich habe sämtliche Orgeln in Amberg gespielt, aber auch auf den Reisen. Wie zum Beispiel in Norwegen und bei einer Reise nach Italien. Da habe ich das Instrument in der Klosterkirche von Monte Cassino gespielt.

Normalerweise gehen die Leute ja mit 65 Jahren in Rente. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?

Früher habe ich bis zu drei Messen in Raigering und Aschach gespielt. Seit kurzem spiele ich jetzt nur noch einmal in der Woche. Trotzdem ist über all die Jahre die Orgelbank meine zweite Heimat geworden, die ich auch in Zukunft nicht so schnell aufgeben werde.

Zu dieser Zeit waren die Männer im Krieg, teilweise schon gefallen. Da musste ich ran.Organist Josef Dotzler


Josef DotzlerAm 16. Juni 1929 im Amberger Dreifaltigkeitsviertel geboren und aufgewachsen, wurde für Josef Dotzler die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit zu einer zweiten Heimat. Er wurde als einer der ersten in der neuen Pfarrkirche getauft, war Ministrant, Hilfsmesner, Schaukastengestalter und Gruppenführer der Pfarrjugend und natürlich Organist. Josef Dotzler machte 1949 an der Oberrealschule Abitur, danach studierte er Mathematik und Physik in Regensburg, unterrichtete ab 1958 unter anderem am Gregor-Mendel-Gymnasium als Mathematiklehrer. (brü)
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