10.01.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Jugendkammer des Landgerichts verhandelt Vorfall vom 6. April 2017: Messerattacke in Asylbewerberunterkunft

Es ist zweifellos eines der an betriebenem Aufwand umfangreichsten Verfahren seit langem. Vor der Jugendkammer des Landgerichts sollen die Hintergründe einer tätlichen Auseinandersetzung im Asylbewerberheim an der Kümmersbrucker Straße geklärt werden. Neun Prozesstage sind angesetzt.

Die Polizei musst am 6. April vergangenen Jahres zur benachbarte Asylbewerberunterkunft an der Kümmersbrucker Straße ausrücken. Bild: Jürgen Masching
von Autor HWOProfil

Landgerichtspräsident Harald Riedl und die vier weiteren Mitglieder der Großen Jugendstrafkammer sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Vor ihnen liegen dicke Aktenordner, in denen alles niedergeschrieben ist, was sich im Zusammenhang mit einem Ereignis gegen 20.30 Uhr am 6. April vergangenen Jahres in der Asylbewerberunterkunft an der Kümmersbrucker Straße an Fakten ergab. Schon beim Prozessauftakt verdeutlichte sich: Dolmetscher verschiedener Sprachen hatten bereits während der umfangreichen Ermittlungen eine Art Großeinsatz. Sie müssen jetzt wieder kommen.

Fast schon, wie man den Eindruck hat, eine Art babylonisches Sprachgewirr, da Menschen der verschiedensten Nationalitäten im Erststadium vernommen wurden und jetzt auch wieder als Zeugen gehört werden müssen. Auf der Anklagebank sitzt ein 20-Jähriger. Er kam aus einem arabischen Land in die Bundesrepublik und wird nun von Leitendem Oberstaatsanwalt Joachim Diesch des versuchten Totschlags beschuldigt. Begangen mutmaßlich mit einem Küchenmesser vor einem Zimmer im zweiten Stockwerk der Unterkunft. Der Beschuldigte, den der Amberger Anwalt Ekkehard Zink verteidigt, hat am ersten Verhandlungstag übersetzen lassen, dass er nie ein Messer in der Hand hatte und folglich auch nicht zustach. Das Opfer, 21 Jahre alt und aus Afrika stammend, hatte Schnitt- und Stichwunden erlitten.

Mehrere dieser offenbar wuchtig ausgeführten Stiche trafen das Brustbein und prallten ab. Genau darin erkennt der Anklagevertreter die Tötungsabsicht des mutmaßlichen Täters. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte die Polizei eine Großaktion eingeleitet. Sie ging einher mit einem riesigen Aufwand an Spurensicherungen. Bei ersten Ermittlungen stellte sich auch heraus: An der Auseinandersetzung waren insgesamt sieben Männer beteiligt. Sie alle und noch etliche andere stehen jetzt auf der Zeugenliste. Bei der Vernehmung des Beschuldigten, der nach seiner Festnahme in U-Haft kam, ließ der Kammervorsitzende Riedl erkennen, dass es diverse Versionen von dem Geschehen zur Tatzeit und dazu auch zum gesamten Tagesverlauf in der Unterkunft gebe. Detail dazu: Ein Landsmann des später von Stichen getroffenen Afrikaners hatte bereits vorher einen Nasenbeinbruch erlitten. Warum? Von wem? Bei welchem Anlass?

Ein schier heilloses Durcheinander für die Jugendkammer. Dazu gehört auch, dass man später zwar die mutmaßliche Tatwaffe fand, sich an dem Messer aber die DNA-Spur eines Menschen fand, der nicht zu denen gehörte, deren genetische Merkmale man bei den Nachforschungen ermittelte. Nun hat es sich die Kammer zum Ziel gesetzt, bis 9. Februar ein Urteil zu finden. Ein langer Weg.

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