20.03.2018 - 20:00 Uhr

Justiz mischt mit Drogenprozessen Dealerkreise ordentlich auf Marihuana zum Dumpingpreis aus Regensburg?

Wenn alles so stimmt, wie es der Angeklagte sagt, dann hat er ein knappes Kilo Marihuana zum unschlagbar niedrigen Preis von einem Euro pro Gramm erworben. "Ich glaube kein Wort", ist der Standpunkt von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier.

von Autor HWOProfil

Die Justiz ist momentan dabei, in Dealerkreisen aufzuräumen. Vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts läuft ein Verfahren gegen vier Männer, denen der Handel mit 13 Pfund Marihuana, Haschisch und einer größeren Menge Kokain vorgeworfen wird. Einige Sitzungssäle weiter hat am Dienstag das Verfahren gegen einen 24 Jahre alten Mann aus Syrien begonnen. Er soll knapp zwei Pfund Marihuana in Regensburg erworben und bei seiner Freundin im Dreifaltigkeitsviertel gebunkert haben.

Der Araber, bis zu seiner Festnahme in einer Bad Abbacher Unterkunft wohnhaft, will seine in Amberg deponierte heiße Ware am 10. Juni 2017 von einem Albaner in Regensburg gekauft haben. Fast ein Kilo für sagenhafte 900 Euro. "Das glauben Sie doch selbst nicht", hielt ihm Strohmeier vor. Doch der Syrer blieb dabei: das Gramm zu einem Euro. Üblicher Verkaufspreis: zehn Euro pro Gramm. Wer war der Albaner? Mario vielleicht oder so ähnlich, gab der Angeklagte zu Protokoll.

Die Behörden hatten offenbar Wind von der Transaktion bekommen. Sie durchsuchten am 13. Juni vergangenen Jahres eine Wohnung im Dreifaltigkeitsviertel. Dabei stellte sich heraus: Der 24-Jährige hielt sich in den Räumen seiner Freundin auf und hatte 822 Gramm Marihuana in einem Schrank deponiert.

Die Beamten fanden ferner ein verbotenes sogenanntes Einhandmesser. "Es gehörte meiner Freundin", ließ der Mann nun vor Richterin Roswitha Stöber wissen. Sie konterte: "Aber eine Frau hat doch so etwas in der Regel nicht." Fest steht unterdessen: Der relativ gut Deutsch sprechende Syrer ist selbst abhängig von Cannabis. Es könnte gut sein, dass er einer Entzugstherapie bedarf.

Strittig ist, wie ein Albaner in Regensburg dazu gekommen wäre, fast ein Kilo Marihuana für 900 Euro abzugeben. Ferner wird intensiv diskutiert, wie es der Araber schaffte, Hunderte Euro auf den Tisch zu legen, obgleich er von Unterstützung lebte. Dazu hörte man: "Mein Onkel, der in Holland lebt, hat mir Geld geschickt."

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