03.05.2018 - 15:42 Uhr
Oberpfalz

Juwelier-Prozess in Amberg: Zeugen erzählen, wie die Fahndung verlief Räuber unter den Kirwaleuten

Wie ein Mosaik. Der Raubüberfall auf das Juweliergeschäft Tsavaris wird von den Richtern bis in die letzte Nische hinein ausgeleuchtet. Als die drei jetzt auf der Anklagebank sitzenden Männer aus Litauen am 31. Juli 2017 aus dem Laden an der Unteren Nabburger Straße flüchteten, türmten sie in Richtung Bahnhof. Nach ihnen lief eine Großfahndung an, die mit exzellenter Arbeit der Polizei einher ging. Das führte zur ziemlich raschen Festnahme von zwei der Räuber. Sie wollten wohl mit einem Zug in Richtung Nürnberg und wurden herausgeholt.

Die Fahndung im Juli 2017 war rasch erledigt. Bild: Huber
von Autor HOUProfil

Clevere Schülerinnen

Was aber fehlte, waren die zwei geraubten Damenuhren. Die Festgenommenen trugen sie nicht bei sich. Tags darauf standen zwei 15-jährige Mädchen auf dem Bahnsteig. Eine von ihnen blickte in den Schotter der Gleise und sah "etwas Funkelndes". Was folgte, war clever. Eine Reinigungskraft der Bahn kam zufällig hinzu und wusste, dass da wohl etliche Stunden zuvor ein Überfall gewesen sei. Das "Funkelnde" stellte sich als einer der dabei entwendeten Chronometer heraus. "Keine Spuren verwischen", war man sich sofort einig. Folglich streifte eines der Mädchen einen Einweghandschuh über und hob das Fundstück heraus. Die Schülerinnen suchten eine halbe Stunde lang weiter und fanden tatsächlich auch noch die zweite Uhr. Dann wurde die Polizei verständigt, nicht ohne vorher Handy-Aufnahmen von den insgesamt 35 000 Euro kostenden Stücken gemacht zu haben. Die Fotos präsentierte jetzt eine der jungen Frauen dem Vorsitzenden Richter Harald Riedl. Eine satte Leistung.

Es gab ein weiteres Ereignis, das Lob verdiente. Vor der Großen Jugendstrafkammer erschien eine 20-Jährige, die ausführlich schilderte, wie das war, als die Dorfjugend von Wolfsbach am 31. Juli Kirwa feierte und fröhlich durch den Ort zog. Plötzlich gesellte sich ein Fremder zu ihnen. Er marschierte in der Clique mit und sprang bei Sommerwetter auch mit den Kirwaleuten in die Vils, als das einige der Burschen taten. "Wir haben gedacht, es sei ein Asylbewerber", sagte die Zeugin. Doch dann er war er plötzlich fort. Zurück blieb, was über Rundfunk gelaufen war. Nämlich: Da wurde ein Mann nach einem Raubüberfall dringend gesucht. Eine Polizeistreife machte sich auf den Weg und machte den Verdächtigen an einer Bushaltestelle in Schmidmühlen dingfest. Es war der 19-jährige Litauer, der nun mit auf der Anklagebank sitzt.

Sperrige Handschellen

Auch das wurde am dritten Prozesstag erörtert: Der überfallene,  misshandelte und ausgeraubte Ioannis Tsavaris (67) kam nach dem Verbrechen mit erheblichen Verletzungen ins Klinikum. Seine Handschellen ließen sich nicht entriegeln. Sie stammten aus Polen und dafür besaßen Amberger Polizisten keinen Schlüssel. Deshalb musste die Feuerwehr mit Spezialisten kommen, um mit Werkzeug seine Fesseln zu lösen. Bei seiner Ehefrau ebenfalls. Das Verfahren wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Dann könnte es sein, dass zwei mutmaßliche Mittäter, die erst jüngst in Litauen verhaftet und ausgeliefert wurden, vor der Strafkammer als Zeugen erscheinen.

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