30.04.2018 - 20:50 Uhr
Oberpfalz

Juwelierüberfall: Prozessbeginn in Amberg Gefesselt, geschlagen, geknebelt

Die drei Angeklagten gehören zu einem Räderwerk der Schwerkriminalität.  Von ihrem Auftraggeber nach Amberg gebracht, um hier ein Verbrechen zu begehen. Jetzt sitzen drei Männer aus Litauen vor dem  Landgericht, weil sie ein Juweliersehepaar überfallen, traktiert und ausgeraubt haben.

von Autor HOUProfil

Wer ist Dimas? Die Antwort: Er heißt mit richtigem Vornamen Demetrius und hat mehrere seiner Landsleute von Kaunas in Litauen über Polen und Tschechien nach Amberg gebracht. Übernachtung in Arzberg, am  31. Juli 2017 weiter in die Vilsstadt. Vorgabe: Überfall auf das Juweliergeschäft Tsavaris an der Unteren Nabburger Straße. Kurz zuvor bekamen jene drei Männer, die den Raubzug starten sollten, einen Beutel
mit Utensilien überreicht: Softair-Pistole, Handschellen, Klebeband zum  Knebeln der Opfer. Demetrius wartete unterdessen und verschwand später spurlos.

Was dann geschah, war an Brutalität nicht zu überbieten: Valerijus S. (36), Arnas L. (29) und Tauras N. (19) betraten unmaskiert das Juweliergeschäft und fielen über Ioannis Tsavaris (67) her. Der Mann wurde mit Schlägen traktiert, man hielt ihm die Softair-Pistole vor, besprühte ihn mit Pfefferspray. Dann kam seine Ehefrau Evi hinzu. Auch sie durchlitt ein Martyrium: Gefesselt, geschlagen, geknebelt, auf den Steinboden geworfen von einem der Täter. Beide mochten Entschuldigungen jetzt nicht annehmen. Zu verdenken war es ihnen nicht.

Ioannis Tsavaris blieb nicht untätig. Mit der Gegenwehr des ehemaligen griechischen Fallschirmspringer-Offiziers hatten die Litauer offenbar nicht gerechnet. Die Gattin, der seine ganze Sorge galt, war dem Angriff hilflos ausgeliefert. "Ich habe bis heute panische Angst", sagte sie jetzt vor der Großen Jugendstrafkammer unter Vorsitz von  Landgerichtspräsident Harald Riedl. Sie mochte ihre Peiniger nicht sehen und wurde per Videoübertragung vernommen. Mit ihrem Überfall setzten die Gangster nicht nur optisch sichtbare Verletzungen, sondern auch  bleibende psychische Zeichen bei ihren Opfern.

Mit zwei Damenarmbanduhren im Wert von 35 000 Euro türmten die Männer.  Nicht lange darauf nahmen sie Polizeibeamte bei einer Großfahndung fest.  Jetzt sagten zwei von ihnen, sie hätten unter dem Einfluss von Heroin gehandelt und seien quasi von ihrem Lieferanten Demetrius alias Dimas wegen bestehender Drogenschulden in Kaunas gezwungen worden, an dem Coup  teilzunehmen.

Es gab am ersten Prozesstag keine lückenlose Geständnisse. Nur Erklärungen von den beiden älteren Angeklagten. Mit dem lapidaren Inhalt, sie seien dabeigewesen. Der dritte Beschuldigte, erst 19 Jahre alt, machte keine Angaben. Doch vor der Kripo hatten alle drei den Überfall gestanden.

Im Gerichtssaaal sitzt ein medizinischer Sachverstädiger. Er soll im weiteren Prozessverlauf sagen, ob zwei der Litauer drogenabhängig sind und von daher eine Therapie bräuchten. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

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