15.12.2017 - 18:10 Uhr
Oberpfalz

Karmensölden: Traditionswirtschaft "Bayrisches Brückl" schließt: Zapfenstreich nach Weihnachten

Eine so unspektakuläre wie geradlinige Wirtschaft wie das von unzähligen Stammgästen geliebte Bayrische Brückl in Karmensölden wird nicht nachfolgen. Ausgebaut wird das Gebäude - mehr Fremdenzimmer werden zu buchen sein. Ein Stück echte Oberpfälzer Wirtshaus-Kultur ohne jeglichen Schnickschnack und Zeitgeist geht verloren.

Norbert Beier hinter der Theke, während es in der Küche schnell gehen muss. Eines der letzten Male, bevor das Bayrische Brückl schließt.
von Dagmar WilliamsonProfil

Karmensölden. Warm ums Herz wird es einem, wenn man aus der Kälte durch die Tür in das Wirtshaus tritt. Es duftet nach Braten und Soße wie bei Oma. Norbert Beier steht an der Theke und grüßt jeden seiner Gäste mit einem einladendem Lächeln. Gleichzeitig türmen sich die Getränkebons vor ihm. Mittagessen an einem Adventssonntag - jeder Tisch ist reserviert. "Hier kennt man sich halt. Das Brückl hatte Seele", bedauert ein Gast. Und obwohl es so scheint, als ob alles seinen normalen Gang nachkommt, liegt ein Hauch von Bedrückung in der Luft.

Traurig ist sie schon. Die Wirtin Manuela Beier schluckt und verkneift sich die Tränen, während sie einen großen Krustenbraten aus dem Ofen holt. Mit einem elektrischen Messer schneidet sie gleich große Stücke und drapiert sie auf die Teller mit den dampfenden Knödeln. Schweinelende und Roulade gibt es auch; etwa 20 Beilagensalate stehen für Bedienung Gabi Neiswirth bereit.

"Gestern haben wir erst nachgezählt - 25 Küchenhilfen hatten wir in all der Zeit, aber die Neiswirths waren uns immer treu", erzählt die 59-Jährige. "Ohne Sebastian, Tobi, Gabi und Rosa hätten wir das niemals geschafft." Eine Träne löst sich wohl doch und kullert über ihre Wange. "Anekdoten gibt es viele - bis zur Polizei haben wir schon alles erlebt." Einmal hat sich ein unbekannter "Gast" wohl über Tage hinweg heimlich eingemietet und den gesamten Biervorrat leer getrunken. Darüber gelacht haben sie schon immer.

Ein Blick ins Gästebuch verrät vor allem eines: Alle Besucher waren dankbar für die zuvorkommende und liebevolle Art der Beiers. Ob Junggesellen aus Hamburg, eine Familie mit Hund aus Prag oder eine Gruppe Australier, die eine Europa-Tour machte. "Lecker Essen - Danke!" Eine junge Langschläferin war überrascht, dass Manuela Beier an sie dachte und ihr Frühstück auch noch nach 10 Uhr servierte.

Viele Hunderte Geburtstage und Hochzeiten, Kommunionfeiern und Beerdigungen hat das Ehepaar bewirtschaftet. Viel Fröhliches und Trauriges und manchmal auch das eine oder andere Drama hat sich im Karmensöldner Traditionsgasthaus abgespielt. "Jetzt wird es a weng fad, moan i", sagt ein Stammgast. Er wisse noch nicht, wo er ab dem neuen Jahr einkehren wird. "Aber mei, des is der Lauf der Zeit - alles hat einmal ein Ende." Vor 20 Jahren kamen die Beiers aus Thüringen in die Oberpfalz. Kurzerhand entschloss sich das Ehepaar, zu Wirtsleuten aus Leib und Seele zu werden, und übernahm die Nachfolge der Familie Hopf, der Eigentümer. "Das hat von Anfang an wunderbar geklappt - wir haben uns einfach den Oberpfälzer Gepflogenheiten angepasst." Norbert Beier lacht mit einem Zwinkern.

Aber irgendwann müssen die beiden auch zur Ruhe kommen können. Ein paar Herzenswünsche wollen sie sich erfüllen. "Etwas reisen. Das werden wir auf jeden Fall", sagt die Wirtin etwas wehmütig und wendet sich ihrer warmen Küche zu.

Das hat von Anfang an wunderbar geklappt - wir haben uns einfach den Oberpfälzer Gepflogenheiten angepasst.Wirt Norbert Beier
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