05.03.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Keine Nachfolger: Amberger Landsmannschaft löst sich auf: Sudetendeutsche Ortsgruppe stirbt aus

Friedrich Nitschmanns Herz blutet. Der Amberger musste einen Teil seines Lebenswerks zu Grabe tragen: die Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die nun offiziell aufgelöst wurde. Aus Personalmangel, nachdem Nitschmann selbst zuletzt gleich drei Ämter im Vorstand bekleidet hatte. Er war Vorsitzender, Schriftführer und Schatzmeister in einer Person. Ein Zustand, der dem 85-Jährigen selber nicht gefallen hatte und den er nur aus Not mangels Alternativen so herbeiführen musste.

Schweren Herzens hat Friedrich Nitsch-mann, der gelernte Diplomkaufmann und Handelslehrer, die 28 Akten seiner geliebten Ortsgruppe der Sudetendeutschen vom Büro in seiner Wohnung in den Keller transportiert. Dort warten sie samt Wappen in Kartons auf ihre Abholung durch die Kreisgruppe, die verbliebene Mitglieder und Material übernimmt. Bild: T. Amann
von Thomas Amann Kontakt Profil

Nitschmann in drei Ämtern

Denn sowohl nach dem Tod des einen wie des anderen Vorstandsmitglieds gelang es nicht, für die freigewordenen Posten Nachfolger zu finden. Um die Führung dennoch funktionsfähig zu halten, schlüpfte der Vorsitzende auch in diese Rollen. Etwas, das er nicht aufs Geratewohl und auch nur in enger Abstimmung mit dem Landesverband tat, der ihm das in dieser Ausnahmesituation gestattete, wie Nitschmann rückblickend informierte. Wobei er hervorhebt, dass es nicht daran lag, dass die zuletzt immer noch regelmäßig an den Treffen teilnehmenden Mitglieder nicht in die Verantwortung treten wollten. Vielmehr konnten sie das nicht - aus Alters- und/oder Gesundheitsgründen.

Das ist bei vielen Vertriebenenverbänden gerade auf Ortsebene, die nicht viele personelle Ressourcen und Ersatzmöglichkeiten haben, ein Grundproblem. Sie sind akut vom Aussterben bedroht - im wahrsten Sinn des Wortes. So bitter das klingt, aber es ist die Wahrheit, räumt der einstige Amberger Vorsitzende ein, der dieses Amt - neben weiteren beim übergeordneten Bund der Vertriebenen - fast 25 Jahre innehatte.

Vor wenigen Tagen ging er aus der Sicht des engagierten Funktionärs der Sudetendeutschen den schwersten Gang seines Lebens. Er hatte die Mitgliederversammlung im Altstadt-Hotel anberaumt, die die Ortsgruppe auflösen sollte. Nicht nur Wochen oder Monate, sondern schon Jahre zuvor hatte Nitschmann nach eigener Auskunft immer wieder versucht, diesen Schritt abzuwenden. Er appellierte mehr oder weniger ständig, dass er selbst "nicht ewig" den Job an der Spitze machen könne. Vor allem, als die anderen zwei Ämter hinzukamen - zusätzlich zu weiterem ehrenamtlichen Engagement -, sei die Belastung immer größer geworden.

"Kann mich nicht zerreißen"

"Man tut es ja gern, aber ich kann mich nicht zerreißen - und ich bin 85", warb Nitschmann um Verständnis. Im Grunde habe er das schon vor acht Jahren so gesagt und sich aus Liebe zur Ortsgruppe und ihrer Anliegen trotzdem immer wieder breitschlagen lassen, erneut anzutreten und schon mangels Gegenkandidat jedes Mal wieder gewählt zu werden.

Beim letzten Mal allerdings habe er eindeutig klargemacht, dass er definitiv für die nächste Periode nicht mehr zur Verfügung stehe. "Wer weiß, wie lange ich noch ...", lässt Nitschmann den Satz mit traurigem Unterton unvollendet - wohlwissend, dass "die Zahl derer, die es machen könnten, schon vor Jahren immer geringer wurde" und nun praktisch bei Null liegt. (Hintergrund)

 

 

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