Kinder erzählen vom Nikolaus
Heiliger mit vielen Gesichtern

In der Don-Bosco-Druckerei in Ensdorf wird das Büchlein "Wundervoller Nikolaus" hergestellt.
 
Anita Klatzl, Leiterin des Kindergartens St. Nikolaus in Ammerthal.
 
Petra Lefin, Illustratorin des Kinderbuches "Wundervoller Nikolaus".

Die Figur des heiligen Nikolauses ist viel mehr, als die eines rotbäckigen "Ho, ho, ho" rufenden, dicken Weihnachtsmannes aus der Werbung. Die AZ begab sich auf Spurensuche.

/Ensdorf/Ammerthal. In Ensdorf beispielsweise wird der heilige Mann regelmäßig durch Maschinen gejagt. In Ammerthal ist ein Kindergarten nach ihm benannt. Ein Raigeringer schlüpft seit Jahrzehnten in seine Rolle. Die Fragen rund um den Heiligen sind vielschichtig.

Wie wird der Nikolaus in Kinderbüchern dargestellt?

Petra Lefin aus Saulgrub in Oberbayern ist Illustratorin des Buches "Wundervoller Nikolaus", das in Ensdorf gedruckt wurde. "Ach ist das lange her", sagt die 50-Jährige. Vor mehr als sechs Jahren hatte sie den Auftrag erhalten, den heiligen Nikolaus für das Büchlein zu zeichnen. Ganz untypisch für die Figur legte Lefin Entwürfe vor, die den Mann mit schwarzem Bart zeigen. "Er sollte jünger dargestellt werden", erinnert sich die Illustratorin, "kein Greis und nicht wie eine Figur aus der Reklame, nicht als Weihnachtsmann".

Nachdem sie die Texte erhalten hatte, informierte sich Petra Lefin über den Herkunftsort des Bischofs, damit auch die Hintergründe dazu passten. Die Skizzen, die sie mit dem Bleistift macht, werden vom Lektorat abgesegnet. Petra Lefin malt am liebsten mit Buntstiften oder Aquarell. Nach einem Grafik-Design-Studium hängte sie ein Kunst-Studium dran - "ich wollte wieder Farben riechen". Für den Don-Bosco-Verlag illustrierte sie schon öfter Bücher, gerade den Heiligen schreibt sie interessante Persönlichkeiten zu. "Nein, das ist nicht nur ein Job, den ich mache. Man muss sich richtig hineinfühlen können."

Wie kommt der Nikolaus ins Kinderbuch?

Ist Text und Bild vom Lektorat freigegeben, landet das Material in Ensdorf in der Don-Bosco-Druckerei. Betriebsleiter Reinhard Graf (54) traf 2010 das erste Mal auf den "Wundervollen Nikolaus". Das (bislang) letzte Mal im September 2016: Die elfte Auflage wurde 6000 Mal gedruckt. Mittlerweile gibt es die Geschichte im gesamten deutschsprachigen Raum, in Österreich und der Schweiz zu kaufen. Ein Erfolg, der vor allem auch dem Erzähltheater Kamishibai zu verdanken ist: Bildkarten werden in einen Holzkasten, der einem Theater ähnelt, gesteckt. Die Erzieherin orientiert sich am Text auf der Rückseite, die Kinder begutachten die Bilder auf der Vorderseite - eine einfache Praxis. Am Anfang habe er gefragt, ob das überhaupt noch zeitgemäß sei, erzählt der 54-Jährige, oder ob man nicht besser etwas Digitales machen sollte. Die Antwort habe gelautet: "Graf, du hast zwar Ahnung von Technik, aber nicht von Pädagogik." Rückblickend mache der Erfolg dieser Reihe "stolz", "vor allem wenn man die Sinnhaftigkeit dessen sieht, was wir drucken". "Wir machen nicht nur plumpe Werbung, die im Papierkorb landet, sondern inhaltlich wertige Geschichten, von denen Kinder und Eltern etwas haben."

Darf mit dem Nikolaus gedroht werden?

Kindergartenleiterin Anita Klatzl (37) ist der Meinung, dass bei den Mädchen und Buben keine Angst geschürt werden sollte: "Nach dem Motto: Warte nur, bis der Nikolaus kommt, der wird dir dann den Hintern versohlen." Das hält sie für den falschen Ansatz. "Der Mann ist eine heilige Person und die Kinder freuen sich auf ihn."

Wenn sich am Nikolaustag alle 75 Kleinen vom Kindergarten St. Nikolaus in der Turnhalle versammeln, dann gibt's lediglich mahnende Worte: "Zum Beispiel sagt er, dass sie besser aufräumen könnten oder keine Schimpfwörter benutzen sollen." Dann würde der Heilige aber der gesamten Gruppe ins Gewissen reden - und nicht einzelne herausnehmen. Zu Hause ist das naturgemäß anders. Klatzl findet es nicht sonderlich pädagogisch wertvoll, wenn Eltern mit dem Nikolaus drohen. "Wenn mich etwas stört, dann sollte ich es auch von meiner Seite sagen können." Auch im Kindergarten hätten manche sehr viel Angst vor dem Heiligen. "Wir versuchen dann, mit den Kindern ganz nah an der Tür zu sitzen, ganz weit weg vom Nikolaus, nehmen sie auf den Schoß und könnten jederzeit raus."

Wie soll die Rolle eines Nikolauses gespielt werden?

"Ich versuche, ehrwürdig zu klingen", sagt Richard Lengfelder (66). Der Raigeringer schlüpft in die Rolle des Nikolauses, seit er 15 Jahre alt ist. "Zuerst als Knecht Ruprecht, dann haben sie zu mir gesagt, du kannst doch gut mit Kindern, dir fällt immer was ein." Bei einem Nikolaus sei durchaus Spontanität gefordert. Hätten Eltern nichts vorbereitet, wende Lengfelder gerne einen Trick an: "Ich sage dann, dass der Zettel, den ich vom Christkind bekommen habe, vom Regen so verschwommen wurde, dass ich nichts mehr lesen kann. Dann sollen die Kinder von sich etwas erzählen."

Schauspielerisches Talent sei gefragt, erzählt er, der "seit Jahren" im Kindergarten St. Josef in Raigering den Heiligen mimt. "Ein gewisser Mythos und Respekt ist schon noch da. Und wenn einem die Kinder dann alle die Hand geben wollen, kommt einem das innerlich ein bisschen so vor, als wäre man selber der Nikolaus."

InterviewWer war eigentlich der Nikolaus?

Amberg/Ammerthal. (roa) Wenn es einer wissen muss, dann sie: Neun Mädchen und Buben vom Kindergarten St. Nikolaus aus Ammerthal erzählten im Interview, wie sie sich den Heiligen vorstellen. Quirin, Julian, Amrei, Fiona, Stefanie, Patrizia, Fabian, Julia und Lilly machten sich Gedanken, über das Leben des Mannes.

Wie denkt Ihr, schaut der Nikolaus aus?

Julia: Er hat einen weißen Bart.

Patrizia: Der ist ganz groß.

Ja, weil er immer als älterer Mann gezeigt wird. Wie schaute er früher aus? Blond, braun?

Amrei: Der hatte schon immer weiße Haare.

Stefanie: Nur einen Bart hatte er als Kind nicht.

Fiona: Und er hat immer eine Mütze auf.

Stefanie: Eine Bischofsmütze.

Warum hat er eine Bischofsmütze?

Quirin: Weil das ein Bischof ist.

Stefanie: Und ein Bischof ist ein guter Mann.

Warum ist er gut?

Amrei: Weil der Geschenke in die Stiefel der Armen gelegt hat.

Spielzeug?

Alle: Nein!

Fabian: Essen und Geld.

Stefanie: Der hat in Myra gelebt.

Und was ist das für ein Nikolaus, der immer in den Geschäften rumsteht?

Alle: Schokonikoläuse.

Quirin: So einen hatte ich mal. Dem hab als erstes den Kopf abgebissen.

Aber wer hat den Nikolaus schon mal in echt gesehen?

Fabian: Das weiß ich nicht mehr.

Amrei: Das war zu Hause. Und ich weiß ganz genau, dass die Geschenke von unseren Eltern sind.

Stefanie: Und ich hab ihn einmal in einem Restaurant mit Fußballspielern gesehen.

Lilly: Und ich hab ihn mal im Kindergarten gesehen.

Alle: Ich auch!

Was hat er im Kindergarten gemacht?

Julia: Er hat uns Geschenke gebracht.

Quirin: Schokolade, Nüsse.

Julian: Und eine Mandarine.

Und habt Ihr ihm auch ein Gedich aufgesagt?

Lilly: Ja. Wir haben gesungen. Lasst uns froh und munter sein.

Wie kommt der Nikolaus eigentlich zu Euch?

Stefanie: Mit dem Schlitten und Rentieren.

Und wenn es nicht schneit, dann kommt er vielleicht doch mit dem Auto?

Alle: Nein!

Stefanie: Der fährt doch nicht mit einem Auto vom Himmel.

Kommt er immer allein?

Quirin: Manchmal kommt er mit dem Knecht Ruprecht.

Fabian: Ja, der haut die bösen Kinder mit der Rute auf den Popo.

Stefanie: Ja, der hat so eine Rute. Und meine Oma hat gesagt, der hinterlässt ihr eine. Aber der braucht doch seine Rute selber.
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