Klösterliche Weihnacht dreht sich wieder um Hildegard von Bingen
Sie war ihrer Zeit weit voraus

Wer kleine Geschenke oder Süßigkeiten suchte, war beim Weihnachtsbasar im König-Ruprecht-Saal genau richtig. Bilder: gf (2)
 
Honig ist ein nahezu unbegrenzt haltbares Naturprodukt, das gezielt verfeinert werden kann, erläuterten Johanna Eisner und Imker Roland Singer.

Bei einem gesunden Hildegard-Frühstück lud Johanna Eisner, Expertin zur Person der Hildegard von Bingen, am Samstag im König-Ruprecht-Saal zur "Sprechstunde" ein. Das Leben der sehr gebildeten Benediktiner-Nonne zog sich wie ein roter Faden durch den Klösterlichen Weihnachtsmarkt.

Im 12. Jahrhundert lebte Hildegard von Bingen, sie war in Sachen Emanzipation ihrer Zeit weit voraus, denn dass sich eine Frau mit Medizin und Ethik befasst, war in der von Männern dominierten Gesellschaft nahezu unmöglich. Die Benediktinerin hatte umfassende Kenntnisse über die menschliche Anatomie, wusste aber auch, dass Geist und Seele auf die Gesundheit Einfluss nehmen können. Ihr Wissen hat nach fast einem Jahrtausend immer noch Bestand und fließt in alternative Medizin und Heilbehandlung ein. Wie Dr. Sabine Morgenschweis unterstrich, können aus einem Klostergarten nach dem Vorbild der Hildegard von Bingen auch ohne Chemie Essenzen für Wohlbefinden und Schönheitspflege gewonnen werden.

Unbegrenzt haltbar

Den Honig behandelten Johanna Eisner und Imker Roland Singer. Gut 25 000 Flugkilometer müsse eine Biene zurücklegen, um ein Glas Honig zu füllen, so Singer. Das sei dann aber bei richtiger Lagerung auch ohne Konservierungsstoffe unbegrenzt haltbar. Trocken sollten die Honiggläser aufbewahrt werden, außerdem dunkel, ja sogar der Gefrierschrank komme infrage. Wer die Möglichkeit habe, solle beim Imker in der Region seinen Honig kaufen, denn vieles werde als Bienen- oder Blütenhonig angeboten, "was sich besser nicht als Honig bezeichnen sollte".

Das Naturprodukt Honig könne auch verfeinert werden, sagte Johanna Eisner, rührte kräftig um und ließ einige Proben verkosten, wobei die Rezepturen für Galganthonig oder den Honig, in den Edelkastanienmehl eingemischt wurde, auf Hildegard von Bingen zurückgehen.

Die franziskanische Biertradition rückte Pater Janusz Wrobel bei der Klösterlichen Weihnacht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bereits Hildegard von Bingen habe als Ärztin ihren Patienten einige Schluck Bier empfohlen, wenn sie an Schwermut litten. Bier sollte den Mut heben, die Regeneration fördern und den Leib kräftigen, so Pater Janusz. Bier sei nützlicher als Wasser, so die damalige Ansicht der Benediktinerin. Bier mache das Fleisch des Menschen kräftig, gebe dem Gesicht eine schöne Farbe, außerdem sorge der Hopfen für gesunden Schlaf.

Bereits im 15. Jahrhundert sei in Amberg von Mönchen Bier gebraut worden, und eine Braustätte der Franziskaner sei 1490 erstmals urkundlich erwähnt. Das Fasten wurde von den Franziskanermönchen am Schrannenplatz ernst genommen, tage-, ja wochenlang durfte nichts gegessen werden. Trinken war erlaubt, und so sei Bier ihr "täglich flüssiges Brot geworden".

Auch für Klosterfrauen

Die erste kupferne Braupfanne lieferte der Kupferschmied Hans Georg Schlaffer 1719, und 40 Jahre später ließen die Franziskaner den ersten Bierkeller in den Hang an der heutigen Sulzbacher Straße bauen, damit ihr Bier kühl gelagert werden konnte. Die Bierqualität der Franziskaner sprach sich schnell herum, und so mancher Händler gönnte sich einen gehörigen Schluck Klosterbier. Straßenverkauf war nicht gestattet, aber eine amtliche Erlaubnis gab es für das "Heilmittel Bier" für Wöchnerinnen oder Kranke. Auch die Salesianerinnen auf der anderen Straßenseite erhielten ihr Bier von den Franziskanern, denn den Klosterfrauen, meist aus vornehmen Familien, habe man nicht zumuten können, ihr Bier in Stadtbrauhäusern in Gesellschaft ungelernter Brauburschen zu trinken.

Die Zeiten hätten sich geändert, so Pater Janusz, die bürgerlichen Brauhäuser könnten bei der Bierqualität mit den klösterlichen mithalten, aber ein weltlicher Genuss sei das Weltenburger Barock Dunkel, das er heute zum Jubiläumspreis anbieten könne. Der Verkaufserlös kam einer Schule im Kamerun zugute.
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