Kolumne: OTon
Ach, du liebe Zeit!

Symbolbild: Martin Schutt/dpa

24 Stunden, 1440 Minuten, 86.400 Sekunden. So viel Zeit hat jeder von uns jeden Tag. Damit ist die Zeit das vielleicht am gerechtesten verteilte Gut. Zugleich aber auch das wertvollste. Kostbar, weil es nur begrenzt verfügbar ist, endlich und nicht vermehrbar. "Zeit ist Geld." Dieses Sprichwort stammt von Benjamin Franklin und ist etwa 270 Jahre alt. Aber wird unsere Zeit nicht immer weniger?

So fühlt es sich zumindest an. Alle haben es ständig eilig. Nichts kann schnell genug gehen. Dabei haben wir heute eigentlich mehr Zeit als früher. Die Lebenserwartung der Menschen hat sich seit Franklins Zeiten mehr als verdoppelt. Autos, Züge und Flugzeuge werden immer schneller. Die wöchentliche Arbeitszeit hat sich verringert. Wir können mal eben schnell telefonieren und müssen nicht erst ein paar Straßen weiter laufen. Viele Dinge lassen sich bequem von zu Hause über das Internet erledigen.

Aber wir stehen mehr unter Druck. Im Minutentakt gibt es Neuigkeiten, über die man sich informieren kann und möchte. Geht ganz einfach mit dem Smartphone, frisst aber Unmengen an Zeit. Die Welt verändert sich rasend schnell und es gibt so viele interessante Orte zu sehen. Da ist einiges, was man pro Tag unterbekommen muss. Natürlich neben: Arbeit, Hobbies, Haushalt, Sport, Freunden, Familie und dem Partner. Viele Menschen, die man zu selten sieht.
OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

Ich bewundere jeden, der seine Zeit "im Griff hat". Für mich hingegen klingelt der Wecker morgens grundsätzlich zu früh. Ich bin immer ein bisschen spät dran. Und hab dann trotzdem nicht alles geschafft, was ich gerne erledigt hätte. Der Wäscheberg wird größer, der Kühlschrank ist leer, es fehlt Zeit für lange Gespräche oder Spaziergänge. Gutes Essen. Sport. Besuche bei den Eltern oder Großeltern. Spielen mit dem Patenkind.

Und manchmal möchten wir einfach auch Zeit "verschwenden" - ohne schlechtes Gewissen. Verplempern mit sinnlosen Fernsehsendungen oder Filmen. Mit einem Glas Wein oder Bier zu viel am Samstagabend, sodass der Kater uns zu einem faulen Sonntag auf die Couch zwingt. Mal im Garten in der Sonne liegen und den Rasen, der schon wieder gemäht werden müsste, ignorieren. Zeit, die nicht "sinnvoll genutzt" wird, aber wichtig ist als Seelenfutter.
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