05.04.2018 - 17:01 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon Ende einer Beziehung

Irgendwie haben wir uns auseinandergelebt. Also wenn ich es genau nehme, haben wir eigentlich nie so richtig zusammengepasst. Deswegen tut mir die Trennung auf Probe ziemlich gut.

Manchmal geht es einfach nicht mehr weiter.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Wir sind diese Beziehung ja eigentlich auch nur eingegangen, weil das damals alle so gemacht haben, weil man es von uns erwartet hat. Und eine Zeit lang haben wir echt super zusammen ausgesehen: Mit all den Austausch-Studenten aus Japan, Spanien, Irland, Italien; mit den Freunden aus der Studenten-Verbindung und den Kontakten in die digitale Bohème.

Wir haben flotte Sprüche gerissen, politisiert. Und du hast mich auch inspiriert, vor allem durch die Menschen, die ich durch dich kennengelernt habe. Dafür bin ich dir dankbar. Gemeinsam haben wir auch meinen verflossenen Liebschaften nachgetrauert. Aber einfühlsam warst du eigentlich nie. Deshalb habe ich dir auch nicht alles mitgeteilt. Und auch du hast mich für deine Zwecke benutzt. Was mir gefällt, hast du anderen verraten und dafür Geld bekommen.

Seit einem halben Jahr habe ich das Gefühl, dass unsere Beziehung am Ende ist. Es war erst eine Trennung auf Probe, weil es mir mit dir nicht mehr gut ging. Und jetzt schreist du plötzlich nach Aufmerksamkeit: 50 E-Mails hast du in den vergangenen Tagen an mich verschickt. Das hast du noch nie gemacht.

Und weißt du was? Nach einigen Wochen habe ich gemerkt, dass ich dich nicht brauche. Vielleicht habe ich dich nie gebraucht. Vielleicht werde ich die Menschen vermissen, die ich durch dich kennengelernt habe. Aber viele treffe ich auch ohne dich. Ich habe andere Foren und Netzwerke gefunden, in denen Leute unterwegs sind, mit denen ich mich gut verstehe. Ab und zu laufen wir uns ja auch noch über den Weg. Und beruflich haben wir ja auch noch miteinander zu tun. Aber dabei will ich es belassen. In den vergangenen sieben Jahren ist zu viel passiert. Ich fühle mich bei dir einfach nicht mehr wohl. Mach’s gut, Facebook.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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