Kolumne: OTon
Es leben die Amateure!

Überall nur Logenplätze. Ein Besuch auf den Fußballplätzen der Region lohnt sich immer. Zum Diskutieren gibt's ständig etwas. (Foto: Ziegler)

Der moderne Profifußball? Nur noch absurd, abgehoben. Fast schon pervers. Also ab auf den Platz um die Ecke. A-Klasse, Kreisklasse gucken. Das ist sowieso lustiger. Und nicht weniger spektakulär.

222 Millionen Euro für Neymar. Für einen Fußballer, der auch nur zwei Beine hat! 180 Millionen für Mbappé. Für einen 18-Jährigen! Das regt viele Menschen auf. Ist ja auch verrückt. Trotzdem funktioniert die Maschinerie. Die Fans werden sich weiter um die 100-Euro-Trikots reißen, weil ein neuer Name drauf steht. Die Fans werden sich auch den zweiten Bezahlsender kaufen, weil sie alle Spiele sehen wollen. Und die Fans werden selbst dann ins Stadion pilgern, wenn der Sitzplatz in der obersten Reihe 100 und die Bratwurstsemmel 8 Euro kostet. Kann man machen – muss man aber nicht.

Wie wäre es mit einem Besuch bei der DJK Weiden oder beim ESV Amberg? Beim SV Etzelwang oder der SpVgg Vohenstrauß? Bei den Sportfreunden Kondrau oder beim SV Haselbach?  Auch dort wird Fußball gespielt. Manchmal sogar guter. Vielleicht nicht ganz so filigran wie in der Champions-League, aber mindestens genauso spektakulär. Anders spektakulär. In keinem Bundesligastadion sieht man das, was in den unteren Klassen passiert. Dort, wo es in der Kabine staubt, weil ein Spieler seine dreckigen Fußballschuhe ausklopft, die er nach Monaten im Keller wieder hervorgekramt hat. Dort, wo es in der Kabine bestialisch stinkt, weil ein Spieler wochenlang vergessen hat, sein Aufwärmshirt zu waschen. Dort, wo die Kicker nach dem Spiel ein Bierchen zischen. Oder zwei. Oder drei. Das Regenerationsbad des kleinen Mannes.

Das manchmal auch während des Spiels genossen wird.



In den Ligen kommt’s dann schon mal vor, dass ein Torwart zum Auswärtsspiel mit 1,5 Promille Restalkohol antanzt – aber ohne Handschuhe. Dass die Partie zum zehnten Mal unterbrochen werden muss – weil die kickenden Kinder vom Nebenplatz mal wieder ihren Ball ins Spielfeld gedroschen haben. Oder weil ein Hund seinem Herrchen entwischt und dem Ball nachhechelt. 

Oder weil ein Zuschauer den Manuel Neuer macht.



Spaßig wird’s, wenn Spieler der Alten Herren aushelfen, ihren verdienten Wohlstandsbauch in moderne, enge Trikots zwängen. Ausgelacht werden. Ihre jungen Gegner dann aber mit einer gekonnten Körpertäuschung ins Leere laufen lassen. Die revanchieren sich eine Minute später mit einer bösen Blutgrätsche. Die Eisenstollen auf Kniehöhe. Denn das können die Amateure deutlich besser als die Profis: Knüppeln. Aber egal wie hart es in den 90 Minuten zugeht, nach dem Spiel ist alles vergessen, zumindest das Meiste, meistens. Dann stoßen die Menschen in den verschiedenen Trikots miteinander an, quatschen, lachen zusammen. Menschen, die sich eine Viertelstunde vorher noch beleidigt und auf die Füße geklopft haben.

Oder "gewürgt", wie hier in der Bayernliga Nord.




OTonWir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
4 Kommentare
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Martin Hufnagel aus Amberg in der Oberpfalz | 07.09.2017 | 15:04  
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Doris Mois aus Kirchendemenreuth | 09.09.2017 | 16:17  
199
Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 10.09.2017 | 11:15  
87
Doris Mois aus Kirchendemenreuth | 10.09.2017 | 12:37  
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