22.03.2018 - 17:25 Uhr

Kolumne: OTon „Ich mach‘ Fahrer“: Die Lügen einer Partynacht

Wer kennt's nicht? Jedes Wochenende beginnt das Schauspiel neu, und das wahrscheinlich in jedem Freundeskreis.

Und am Anfang hatte er gesagt: "Ich mach Fahrer." Symbolbild: Screenshot Youtube
von Julian Trager Kontakt Profil

Ein beispielhafter Freitagabend. Unser Protagonist – nennen wir ihn stellvertretend für alle Menschen dieser Sorte Charlie – will daheim bleiben, das letzte Wochenende hängt ihm noch nach. Seine Kumpels sagen: „Ach komm, wir machen einen gemütlichen Abend.“ Charlie lässt sich überreden, sagt aber: „Ich trink‘ heute nix, ich mach‘ Fahrer.“

In der Kneipe. Die Kumpels bestellen Bier. Charlie murmelt: „Eins geht schon. Aber nur eins.“ Zehn Minuten später ist sein Glas leer. „Na gut, eins geht noch.“ Danach könne er immer noch Spezi trinken. Eine halbe Stunde später ist auch das zweite Bier weg. Die Kumpels bestellen die vierte Runde, lachen und scherzen mit den Tischnachbarn. Charlie haut auf den Tisch: „Was soll der Geiz! Ich lass‘ mein Auto stehen.“

Aber übertreiben, so wie letztes Wochenende, will er’s nicht. „Ich trink‘ keinen Schnaps heute.“ Zwei Bier später schnipst einer der Kumpels Richtung Bedienung: „Eine Runde Tequila!“ Charlie raunzt: „Na gut, einer geht. Aber nur einer.“ Ein Jägermeister, zwei Sambuca und ein Willi später liegen sich Charlie und der Kumpel in den Armen. Charlie haucht ihm ins Ohr: „Ist ein geiler Abend, ich liebe euch. Ich fahr‘ auf jeden Fall mit euch heim, wenn ihr abhaut.“

In der Disco. Es ist kurz nach 4 Uhr, Charlie lehnt am Tresen, zeigt mit dem Finger auf den Barkeeper: „Chef, du bist der Beste. Ein Tequiiila!“ Die Kumpels haben sich ihre Jacken angezogen, sagen: „Charlie, mitkommen. Wir werden abgeholt.“ Charlie winkt ab: „Ich bleib‘ noch da. Ist grad so geil hier.“ Die Kumpels sind genervt: „Fahr jetzt mit! Du hast doch selber gesagt, wenn’s am schönsten ist, soll man heimfahren.“ Charlie runzelt die Stirn: „Stimmt. Aber es könnte ja noch schöner werden.“ Wird’s nicht. Bis Charlie das merkt, sind die Kumpels längst im Bett. Ein Backstreet-Boys-Lied später geht das Licht in der Disco an, der DJ dreht die Musik ab. Charlie steigt alleine ins Taxi.

Samstagmittag. Charlie wacht auf. Sein Kopf brummt, als würde jemand mit einer Rüttelplatte über die Schädeldecke scheppern. Charlie sagt sich: „Ich trink‘ nie wieder was.“ Bis halt der nächste Freitag ansteht, und es wieder heißt: "Ich mach' Fahrer."

Ein berühmter Vertreter der "Einer geht schon"-Menschen: Frank the Tank.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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