28.12.2017 - 15:54 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon Kann denn Böllern Sünde sein?

Weihnachten und Silvester: Erst kommt Familie, Liebe, Glaube – dann Kracher. Böllern ist für mich ein super Kontrast: Auf das Familienfest folgt die Party. Wir haben's immer krachen lassen.

Früher waren es bei uns Kisten voller Chinaböller, jetzt geht der Trend zum bunten Sternenfeuerwerk. "Klasse" statt "Masse". Symbolbild: dpa/Henrik Josef Boerger
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Vorbei ist alle Andacht, vorbei das Besinnen auf innere Werte wie Bescheidenheit, Wohltätigkeit und Sparsamkeit. Vorbei die Spendenaktionen. Spätestens sieben Tage nach Weihnachten knallt's: Väter kramen die Reste des Weihnachtsgeldes zusammen und tuckern mit ihren Halbstarken zum Sonderposten-Verkauf. Dort schlichten sie in Einkaufswagen, was geht: Raketen, Böller, Feuervögel, Fontänen und Batterien. In meinem Umfeld war das früher jedenfalls so. Besinnliche Einkehr, dann Halli, Galli, Party. Muss sein.

Mehr Krach

Als wir älter wurden, haben wir uns selber mit Krachern eingedeckt. Meistens waren das kistenweiße Chinaböller in allen Größen. In manchen Ortschaften war es ok und erlaubt, schon nachmittags zu böllern. Das haben wir genutzt und uns gegenseitig hochgeschaukelt. Wie viele Böller kann man auf einmal anzünden, wenn man die Zündschnüre zusammendreht?

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton. Was passiert, wenn ich einen Kracher zwischen Äste stecke? Was passiert, wenn ich einen größeren Kracher nehme und zwischen die Äste stecke? Und wenn ich dann bei zwei größeren die Zündschnüre verdrehe? Was macht der Böller, wenn ich ihn im Schnee eingrabe? Können wir im Teamwork Böller zeitgleich explodieren lassen? Meistens war die Silvesternacht gar nicht mehr das Interessante, sondern vorher schon das Ziehen um die Häuser.

Und wenn am nächsten Morgen der Garten und die Straße ausgeschaut haben, als wäre Dschingis Khans Horde plündernd hindurch geritten, sind wir als Truppe raus und haben die Feuerwerksreste weggeräumt. Aus den Büschen haben wir die Raketenreste geholt und aus den Sträuchern die Bällerfetzen gezupft. Mit dem Besen haben wir haufenweiße Schießpulver, Plastik und Kartonage zusammengekehrt und schaufelweise manchmal noch zusammen mit Straßensplitt und Schneematsch in große Müllbeutel gefüllt. Da kamen meistens vier oder fünf zusammen. Und auch das ist zum Gemeinschaftsevent geworden. Ehrensache.

Weniger Bumm

In den vergangenen Jahren wurde es ruhiger. Geböllert wird bei uns immer noch. Doch jetzt heißt’s „Klasse statt Masse“. Große Batterien schießen Sternenblitze, bunte Leuchtkugeln und heulenden Goldregen in die Luft, minutenlang, wunderbar. Aber „Bumm“ macht es trotzdem, so wie bei den Chinaböllern in den guten alten Zeiten.

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