30.11.2017 - 10:02 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon „La lingua“ und der Andrea-Pirlo-Blick

Italien – was für ein schönes Land. Und erst die Sprache. Wenn Italiener reden, klingt das nach Musik. Wenn sie Pizza bestellen, dann in mehreren Oktaven. Wir Deutsche hören uns im Vergleich dazu in Gesprächen so monoton an wie ein Fön auf Stufe zwei. Deshalb habe ich beschlossen: Auch ich will diese tolle Sprache lernen. Zumindest die Grundkenntnisse. Ich melde mich für einen Kurs an der OTH Amberg an.

Lässiger Typ, lässiger Blick - Andrea Pirlo ist nicht nur ein begnadeter Fußballer, sondern ist auch für seine Coolness bekannt.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Vorfreude ist groß: Wenn ich an „la lingua“ denke, assoziiere ich damit große Italiener: Dante Alighieri, der mit seiner „Göttlichen Komödie“ Weltliteratur erschaffen hat. Roberto Benigni, der im Jim-Jarmusch-Film „Night on Earth“ einen Pfarrer mit seinem Rede- und Rauchschwall zu Tode bringt. Oder an Silvio Berlusconi. Gut, dieser werte Mann setzt eher auf nonverbale Konversation. Von ihm gibt es ein berühmt-berüchtigtes Bild aus den 1970er Jahren. Berlusconi sitzt auf einem Bürostuhl. Auf dem Schreibtisch neben ihm ist eine Pistole zu sehen. Ich möchte aber weniger lernen, wie es geht, anderen Leuten ein Angebot zu machen, das sie nicht ablehnen können. Vielmehr möchte ich auf Italienisch über Fußball, Filme und Reisen sprechen können.

In den ersten beiden Unterrichtsstunden fetzt unsere Dozentin, eine 1,60 Meter große Mailänderin, unaufhörlich durch den Hörsaal. Es wirkt eher wie ein Workout-Programm als eine Seminarstunde. Sie lernt uns so wunderschöne Wort-Monster wie „Ingegneria meccania“, was nichts anderes heißt als Maschinenbau. Studenten, die solche Wörter beherrschen und es verstehen, sie richtig zu betonen, haben selbst mit kariertem Flanellhemd, Hochwasserhose und Nickelbrille allerbeste Chancen bei Frauen.
Wie gut, dass ich bereits verheiratet bin. Denn so sehr mich der Sprachkurs begeistert: Nach zwei Vorlesungen ist Schluss. Ich schaffe es zeitlich momentan einfach nicht, die Donnerstags-Seminare zu besuchen. Meine gering angeeigneten Kenntnisse reichen nicht, um nur im Ansatz eine Unterhaltung zu führen. Deshalb versuche ich mir andere Fähigkeiten aus dem südeuropäischen Land anzueignen.

Seit Italien die WM-Qualifikation verpatzt hat, sehe ich mir auf Youtube immer mal wieder Videos der großen Spieler an, die derzeit nach und nach ihre Karrieren beenden. Am liebsten gucke ich dabei Andrea Pirlo zu, wie er den Ball wahlweise streichelt oder die Pille wie einen Kanonenschuss in den Winkel hämmert. Selbst nach Traumtoren verzieht dieser Pirlo keine Miene. Der Weingut-Besitzer wirkt dabei immer so, als hätte er gerade an einem Spätburgunder genippt und weiß nun nicht, ob er vollmundig und samtig oder eher fruchtig im Abgang schmeckt. Ich übe diesen Gesichtsausdruck nun schon seit zwei Wochen. Irgendwann kommt der Tag, an dem ich auf Italienisch angesprochen werde. Ich kann dann zwar die Sprache nicht. Aber ich werde meinen besten Andrea-Pirlo-Blick aufsetzen. 

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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