Kolumne: OTon
Mit Paulus zu Yoga: Aufrecht bleiben

Yoga tut mir richtig gut. Seit ich es entdeckt habe, möchte ich es nicht mehr missen.

Büro heißt sitzen: keine neue Erkenntnis. Als ich noch studiert habe, hatte ich genug Zeit für Laufen, Fahrradfahren und Kampfsport. Über Umwege habe ich es geschafft, erstmal trotz Arbeit genug Bewegung zu bekommen.

„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist“, hat Paulus einmal gesagt. Er meinte damit: Was ich mit meinem Körper mache, wirkt sich auf meinen Kopf aus. Für mich hat das bisher keiner besser ausgedrückt. Mein Kopf sitzt viel: Am Frühstückstisch, im Auto, am Schreibtisch. In der Mittagspause sitzt er im Café – dann wieder am Schreibtisch. Nach Feierabend im Auto und dann vor dem Fernseher.

Büroarbeit heißt sitzen. Im Studium war das anders: Täglich bin ich mit dem Rad durch die Stadt gefahren. In Bibliotheken, Vorlesungen, Seminare. Wenn ich beim Lernen nicht weiterkam, ging ich eine Runde spazieren. Oder zwei. Oder ich arbeitete nicht mehr weiter. Dafür dann am Wochenende. Oder bis um zehn Uhr abends. Kampfsporttraining konnte ich immer einschieben. Oder ich ging spontan Laufen. Jetzt sitze ich. Und das ist schwierig. Meine Beine werden steif. Meine Rückenmuskulatur rutscht auf meinen Hintern. Mein Nacken sinkt Richtung Schreibtisch. Meine Schultern werden schlaff. Bald sehe ich aus wie der Glöckner von Notre Dame.

Schlaffe Gedanken

Ich wollte, dass weder mein Körper, noch meine Gedanken verkrampfen. Ich wollte aufrechten und flexiblen Journalismus machen. Doch plötzlich hatte ich keine Zeit mehr, mich um meinen Körper zu kümmern. Ich brauchte etwas, das immer verfügbar war. An einem dunklen Winterabend begann ich mit der Suche: Ich rollte eine Schaumstoffmatte im Schlafzimmer aus. "Entspannung am Abend" tippte ich in die Suchmaske von Youtube. Zehn Minuten mitmachen waren genug: Ich schlief tief und fest. An mehreren Abenden in der Woche machte ich die Übung. Ich lockerte meine Beinmuskeln und entspannte Schultern und Rücken.



Indische Dehnübungen

Mit Yoga hatte ich da noch kaum etwas zu tun. Doch der Wechsel zu den komplexen indischen Übungen war naheliegend. Bald streckte und dehnte ich Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass sie überhaupt existierten. Manche Muskeln zitterten so als hätten sie Jahre darauf gewartet. Mein Körper wurde flexibler und geschmeidiger. Der ganze Irrsinn der Welt fiel während der Dehnungen von mir ab. Ich entdecke immer neue Figuren. Beim Vinyasa-Yoga komme ich manchmal ganz schön ins Schwitzen. Vor kurzem habe ich die ersten Kopfstände gemacht. Seit einem Jahr bin ich dabei und verstehe nicht mehr, warum ich Yoga nicht früher ausprobiert habe. Irgendwann befasse ich mich auch mal mit der Philosophie dahinter. Aber im Moment genügen mir die Übungen.

Wenn das nicht reicht, bleibt ja noch das Krafttraining auf Youtube. Ganz ohne Ausrüstung.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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