06.04.2017 - 14:32 Uhr
Oberpfalz

Kolumne: OTon "Weiden, kann man das trinken?"

Zwischen Amberg und Weiden liegen nicht einmal 34 Kilometer. Trotzdem hat man den Eindruck, dass die Bewohner der einen Stadt kaum etwas über die andere wissen. Dabei finden sich einige Gemeinsamkeiten – auch kuriose.

Sonnenbrille, Eiskaffee und ein Brunnen zur Abkühlung: Willkommen im "italienischen" Weiden am Unteren Markt. Bild: htl
von Julian Trager Kontakt Profil

Witze gibt es viele, auf beiden Seiten. In Weiden hört man schon mal: „Amberg? Kenn nur Bamberg.“ Manche Amberger scherzen: „Weiden, kann man das trinken?“ Ob lustig oder lahm, die Sprüche zeigen ein gewisses Desinteresse an der jeweiligen Stadt. Auch ich wusste so gut wie nichts über Weiden, als ich dort vor gut einem Jahr zu arbeiten begann. Als Amberg-Sulzbacher zähle ich mich hier mal zu den Ambergern. Stimmt zwar nicht – aber immerhin kenne ich mich da aus, einigermaßen zumindest.

In Weiden dagegen: nur Fragezeichen. Macerata-Platz? Keine Ahnung. Maria-Seltmann-Haus? Nie gehört. Herr-Thiel-Parkplatz? Was für’n Ding? Hertie-Parkplatz! Achso. Sagte mir aber auch nichts. Auf der anderen Seite sieht’s nicht besser aus. Laut einer spontanen Umfrage wissen junge Weidener auch nicht mehr über Amberg: Schweinchenbrunnen? Achselzucken. Luftmuseum? Vielleicht mal gehört, mehr nicht.

Viele Ähnlichkeiten: Größe, Baustelle, Fußball

Dabei haben die zwei größten Städte in der nicht gerade vor großen Städten strotzenden Nordoberpfalz mehr gemeinsam, als man denkt. Erst mal sind sie gleich groß, beide haben knapp über 45 000 Einwohner. Wegen ein paar Hanseln mehr braucht sich da kein Bewohner der minimal größeren Stadt besser fühlen. Sowohl im Herzen von Amberg als auch mitten in Weiden steht eine hässliche Großbaustelle. Hier das Bürgerspital-Areal, dort das zukünftige Gelände der Stadtgalerie. Apropos Baustellen: Im Fußball klemmt’s ebenfalls. Der FC Amberg und die SpVgg Weiden – zwei der größten Traditionsvereine der Oberpfalz – haben turbulente Monate hinter sich. Ach, die heißen ja schon lange anders: FC im TV Amberg und SpVgg SV Weiden. Insolvenzen und Fusionen sei Dank.

Ins Weidener Nachtleben bin ich bisher noch nicht eingetaucht. Ich wüsste auch gar nicht, wohin man zum Feiern geht. In Amberg geht’s mir mittlerweile genauso: Das Magma ist längst weg, der Casino-Saal droht wegen des Umbaus des Stadttheaters wegzufallen. Bleibt nur die Tenne als größere Lokalität. Naja.
Geboten wird trotzdem was. Manchmal ist das allerdings recht unappetitlich. Vor kurzem zeigte eine besoffene 46-jährige Frau in der Weidener Innenstadt ihre nackten Brüste. In Amberg kam es im Kurfürstenbad sogar zu sexuellen Handlungen zwischen zwei Männern in der Dusche – vor anderen Menschen. Pfui Teufel!

Italien und Bayerischer Wald

Zurück zum Thema. Trotz mancher Baustellen sind Amberg und Weiden schöne Städte – mit ihrem ganz eigenen Flair. Gerade jetzt, wo Frühling und Sonne rauskommen. Sitzt man in Weiden in einem der Cafés draußen am Unteren Markt, könnte man glatt meinen, mitten in Italien zu sein. Wie im Bayerischen Wald fühlen sich Wanderer und Mountainbiker am Mariahilfberg. Dort können sie sich auspowern oder einfach nur den Blick über Amberg genießen.

Natürlich haben die zwei Städte viel mehr zu bieten. Deswegen: unbedingt mal besuchen – egal ob‘s Amberg und man doch eigentlich Weidener ist, oder umgekehrt. Dann kennt man sich bald in beiden Städten aus. Kein Witz.

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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